Mehrweg-Geschirr in der Gastronomie Nachahmer dringend erwünscht

Von Nathalie Mainka
Tobias Müller, Geschäftsführer des SV Leonberg/Eltingen, präsentiert Mehrweg-Flasche und -Becher. Foto: Jürgen Bach

Ein Schwerpunktthema wählt die Lokale Agenda in Leonberg seit 2013 in jedem Jahr. 2022 ist es die Müllvermeidung. „Die Notwendigkeit ist allgemein bekannt. Sie reicht von Klimaschutz, CO2-Einsparung, Plastik im Meer bis hin zur Sauberkeit vor der eigenen Haustür in Leonberg“, sagt Maria Zundel, die Sprecherin der Lokalen Agenda sowie der Arbeitsgruppe „Eine Welt und faire Stadt Leonberg“. Dabei gehe es ums Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln.

„Obwohl das weitgehend akzeptiert ist, fehlt es oft an der konkreten Umsetzung“, sagt die Sprecherin. Allein in Coronazeiten wurde beim „Essen to go“ jede Menge Abfall produziert. Wie also einen Anreiz schaffen und dafür sorgen, dass das Thema Müll allen stärker bewusst ist, damit Müll auch möglichst vermieden wird?

Preise im Wert von insgesamt 4000 Euro

Die Lokale Agenda hat bereits im März einen Wettbewerb gestartet, der bis Ende September dauert. Unter dem Motto „Wegwerfen ade!“ werden die kreativsten und effektivsten Ideengesucht, wie man Müll einsparen kann. Für die besten Einsendungen – per Objekten, Videos, Fotos, Präsentationen, Songs oder anderen individuellen Ideen, -über die eine Jury entscheidet – gibt es Preise im Wert von insgesamt 4000 Euro zu gewinnen. „Leider haben wir noch nicht die gewünschte Resonanz, allerdings muss man sich auch nicht anmelden, daher hoffe ich, dass wir noch viele Rückmeldungen bekommen“, sagt Maria Zundel, die Geschäftsführerin des Leonberger Eine-Welt-Ladens.

Unabhängig davon gäbe ja bereits viele gute Ideen und Initiativen, wie etwa Tauschbörsen, Second-Hand-Läden, Reparaturhilfen oder Sharing-Aktionen. Und auch lokale Gastronomen wie das vegane King of Greens im Leo-Center, die Bäckerei Marquardt in Eltingen, das Naturfreundehaus Leonberg oder der Grüne Baum in Warmbronn stellten bereits auf ein Mehrweg-System um.

Abfall minimieren oder gar nicht entstehen lassen

Das Thema Müllvermeidung ist der Stadtverwaltung sehr wichtig. „Das Ziel ist es, Abfall zu minimieren oder bestenfalls gar nicht erst entstehen zu lassen“, sagt Leonbergs Pressesprecher Sebastian Küster. „Gerade bei städtischen Veranstaltungen lässt sich mit klugen Ideen und stimmiger Umsetzung viel Abfall vermeiden.“ So etwa bei der kürzlich über die Bühne gegangene Kulturveranstaltung Leonpalooza.

Der städtische Veranstaltungsmanager Nils Strassburg verzichtete in diesem Jahr auf Einweg-Lösungen und setzte stattdessen wiederverwendbare Plastikbecher ein. Nur noch die Speisen wurden in Papiertüten an die Gäste verteilt. Auch hierfür soll es voraussichtlich schon im nächsten Jahr grüne Lösungen geben. „Das Leonpalooza setzt sich zum Ziel, jedes Jahr noch nachhaltiger zu werden“, sagt Küster.

Sportverein setzt auf Mehrweggeschirr

Auch bei anderen Veranstaltungen der Stadtverwaltung werde immer versucht, Einwegbesteck- und Geschirr zu vermeiden und insbesondere auf Plastik zu verzichten. „Bei den Kinder- und Jugendtagen gab es für die teilnehmenden Vereine Auflagen, mit Pfandsystemen zu arbeiten. Außerdem wurde ein Geschirrmobil eingesetzt.“

Müllvermeidung lebt auch der SV Leonberg/Eltingen. Schon seit der Eröffnung der neuen Sportwelt in der Bruckenbachstraße vor etwa einem Jahr baut der SV auf Nachhaltigkeit in seinem Bistro-Treff. „Wir haben keine Wegwerfprodukte, sondern Becher mit einem Pfandsystem“, sagt Tobias Müller, der Geschäftsführer des SV Leonberg/Eltingen. Entweder die Mitglieder bringen ihren Becher wieder mit und dieser wird erneut mit einem Getränk gefüllt. Oder aber der gebrauchte wird abgegeben und gegen einen „frischen“ getauscht. Die gebrauchten werden vor Ort in einer Industriemaschine gespült. „Das System wird gut angenommen“, sagt Müller.

Den Deckel müssen die Sportler übrigens kaufen. „Damit gewährleisten wir, dass das Ganze auch hygienisch ist“, sagt der SV-Geschäftsführer. Jetzt tüftelt das SV-Team auch an so genannten „Bowls“, hat hierfür auch schon Mehrwegschüsseln zur Probe angeschafft. Die Zutaten für diese Salatbox sollen aus eigenem Anbau vom heimischen Hofmarkt Querbeet in der Parkstraße geliefert werden. „Auch das ist Nachhaltigkeit, indem man auf lange Lieferwege verzichtet“, so Müller.

Gerlingen kämpft schon lange gegen Müll und Plastik

Keine Tüten, keine Kaffee-Pappbecher. In Gerlingen ist Heike Bischoff, die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins „Mein Gerlingen“, das Thema „Müll und Plastik vermeiden – im Einzelhandel und in der Gastronomie“ schon im Jahr 2018 angegangen. „Das kommt gut an, wir haben einen runden Tisch gegründet mit Vertretern beispielsweise aus dem Jugendgemeinderat, aus Schulen oder Parteien und der Stadt.“

Und auch Gastronomen wurden mit ins Boot geholt. Denn, so sagt sie, „wenn mehr Müll als Essen produziert wird, steht das in keiner Relation“. Es sei letztendlich ein Prozess, Gastronomen zu begeistern und auch die Kunden zu motivieren, da mitzumachen. „Aber wir merken, dass die Bürgerschaft sehr umweltbewusst ist.“

Renninger Gastronomen sind überzeugt von Mehrweg-Behältnissen

Seit Beginn der Coronapandemie im März 2020 und den damit zusammenhängenden Lockdowns blieben viele Gaststätten leer. Abhol- und Lieferservices boomten. Das bedeutete auch Unmengen von Müll, wenn jedes Gericht nicht mehr auf Tellern serviert, sondern in Styropor oder Plastik verpackt wurde. Drei Renninger Gastronomen ¬ vom Südbahnhof Gleis 1 und 2, Gasthaus Lutz am Sportpark sowie Gasthaus Taube in Malms-heim – entschlossen sich zu einer Kooperation mit einem Stuttgarter Unternehmen, das sich auf Mehrweg-Behälter spezialisiert hat.

„Momentan liefern wir das Essen vorwiegend älteren Menschen aus, die nicht mehr so mobil sind“, sagt der Restaurantleiter Steffen Lutz. 20 Euro Pfand zahlen die Kunden anfangs, wenn das Essen dann geliefert wird, werden die gebrauchten Behälter dann im Null-Tausch wieder mitgenommen. „Und wenn kein Essen mehr geliefert werden soll, zahlen wir den Pfandbetrag wieder zurück.“ Steffen Lutz ist von diesem System überzeugt, bedauert es, dass nicht weitere Gastronomen in Renningen mitmachen.

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