Klausurtagung in Weil der Stadt Die Keplerstadt geht den Schuldenberg an

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Die Kita Rabennest war ein Stopp auf der Rundfahrt der Gemeinderäte. Foto: Simon Granville

Weil der Stadt - Für die Weiler Stadträte war es keine besonders erfreuliche Stadtrundfahrt: Im Rahmen einer Klausurtagung in Merklingen haben sich die Kommunalpolitiker auf eine Bustour begeben, Gegenstand der Besichtigung waren vier Gebäude, die eigentlich dringend saniert werden müssten: der Baubetriebshof, das zentrale Feuerwehrhaus, ein Wasserbehälter sowie die Kita Rabennest, beides in Merklingen.

„Erschreckend“ sei das gewesen, berichtet etwa FDP-Stadtrat Hans Dieter Scheerer. „So hat es auch ausgesehen, als ich im Kindergarten war.“ Die Rundfahrt habe vor Ort die Probleme gezeigt, die der schlechte Zustand im Alltag für die Beschäftigten und Nutzer verursacht, meint Bürgermeister Christian Walter. „Etwa, wenn im Bauhof mangels Heizung der Kleister im Winter einfriert“, nennt er ein Beispiel. Um den Sanierungsbedarf gewusste habe man schon, sagt auch Jürgen Widmann (Freie Wähler), es sei aber auch wichtig, ihn vor Ort zu sehen. „Es hat uns allen aufgezeigt, wie die Situation der Stadt ist.“ Und die sei: ernüchternd. Von Defiziten „in epischer Breite“ spricht auch AfD-Stadtrat Christian Pfaundler.

Welche Sanierungen sind dringend?

Notwendig wurde die zweitägige Klausurtagung von Gemeinderat und Verwaltung besonders angesichts des bestehenden Sanierungs- und Investitionsstaus in der Keplerstadt. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage wurde lange kräftig gespart – „an der ein oder anderen Stelle auch überspart“, kommentiert Pfaundler. Das Resultat: Notwendige Sanierungen, die zu lange aufgestaut wurden, und sich nun rächen. „Es besteht großer Handlungsbedarf“, bestätigt auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Conny Schmalz.

Der Bauhof muss dringend saniert werden.
Zum ersten Mal habe man zum Sanierungsstau auch konkrete Zahlen auf dem Tisch gehabt, sagt Bürgermeister Walter. Diese hatte Jürgen Katz, erster Beigeordneter der Stadt, für die Klausurtagung aufbereitet. „Wir sprechen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren über einen Bedarf an Investitionen in die städtische Infrastruktur von circa 250 Millionen Euro.“ Das umfasse vom maroden Abwasserkanal über kaputte Straßen, Feldwege, Trinkwasserbehälter, Schulen und Kindergärten bis zur denkmalgeschützten Stadtmauer und den Wehrtürmen sämtliche Infrastruktur, die in städtischem Eigentum ist. In vielen Fällen sei man zum Handeln gezwungen, da etwa Regelungen des Arbeits- oder Brandschutzes nicht mehr eingehalten werden könnten.

Besonders akut ist der Handlungsbedarf laut Walter beim Schulzentrum Jahnstraße und dem städtischen Betriebshof. „Auch im Bereich der Abwasserkanäle sind in den kommenden Jahren hohe Investitionen unaufschiebbar.“ Die Gemeinderäte teilen die Ansicht, dass sich dringend etwas tun muss. „Der Investitionsstau potenziert sich“, sagt etwa Scheerer.

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