Freiwillige Feuerwehr Weil der Stadt verabschiedet Kommandanten

Von Nathalie Mainka
Jürgen Widmann freut sich nach seinem Abschied auf mehr Zeit mit seiner Frau Heidi und seiner Familie. Foto: Christine Strienz

Weil der Stadt - Als er 1983 in den Feuerwehrdienst eintritt, umfasst seine Ausrüstung eine Latzhose und genagelte Schuhe. Nicht nur in dieser Beziehung hat sich in den folgenden Jahren einiges getan. „Alles ist sehr viel anspruchsvoller und zeitaufwendiger geworden“, sagt Jürgen Widmann, der es wissen muss.

15 Jahre lang war er Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weil der Stadt. Auch die Einsatzbereiche hätten sich seit damals deutlich erweitert. „Es ist schon eine echte Aufgabe, Feuerwehrkommandant zu sein.“ Nun hat er nach frühzeitiger Ankündigung sein Amt an seinen Nachfolger Wolfgang Bäuerle abgegeben.

Abschiedsfeier im kleinen Kreis

Bei einer kleinen Feier wurde Widmann im Klösterle offiziell verabschiedet. Freunde, Weggefährten, Kameraden, Unterstützer und natürlich seine Familie waren gekommen. „Wegen Corona war die Zahl der Gäste leider begrenzt“, sagt Widmann, der an diesem Abend von Markus Priesching, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Böblingen, das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold angesteckt bekam. Eine Auszeichnung, die nur verdiente Feuerwehrleute tragen dürfen. Der Schafhausener, der auch auf Kreisebene sehr aktiv war – und hier immer noch aktiv sein wird –, gehört nun zu diesem auserlesenen Kreis, was ihn sichtlich rührte.

Welchen Stellenwert die Arbeit der Feuerwehr in Weil der Stadt hat, das erfuhr der neue Bürgermeister Christian Walter gleich am dritten Tag seiner Amtszeit. „Noch bevor ich bei den Amtsleitern und den Fraktionen war, habe ich einen Termin mit Jürgen Widmann im Kalender gehabt“, erzählt er lachend.

Ein Karriere-Highlight: Die neue Feuerwehrfahne

Er hätte sich wohl von keinem Besseren in Sachen Feuerwehr auf den aktuellen Stand bringen lassen können, denn Jürgen Widmann gilt in seinem Umfeld als absoluter Fachmann. Er habe seine Aufgabe im Ehrenamt so ernst genommen und gelebt, als ob es sein Beruf gewesen wäre, lobte Bürgermeister Walter. „Mit der nötigen Führungsqualität und Entscheidungskraft.“ Außerdem habe er durch seine überörtlichen Aktivitäten viel zum guten Ruf der Weiler Feuerwehr beigetragen.

Für die Feuerwehrkameraden und -kameradinnen sprach Günther Döffinger und erinnerte noch einmal an einige Meilensteine in Widmanns Kommandanten-Laufbahn: an die diversen Einsätze, den Gerätehausneubau in Schafhausen, an die neuen Fahrzeuge und nicht zuletzt an die Weihe der neuen Feuerwehrfahne, die alle Stadtteile miteinander vereinigt.

15 Jahre im Amt

Auch Jürgen Widmann blickte in seiner Rede noch einmal auf verschiedene Einsätze zurück. Das Hochwasser im Jahr 2009 zum Beispiel habe alle Kräfte gefordert. Aber auch den Brand in einem Reitstall hat er immer noch deutlich vor Augen. „Da habe ich erstmals erlebt, wie zwei Einsatzkräfte durch eine Explosion weggeschleudert wurden. Da bleibt einem fast das Herz stehen.“ Ernsthaft verletzt worden sei damals zum Glück niemand.

Jürgen Widmann trat am 15. Februar 1983 in die Feuerwehr ein. Seine Laufbahn begann in der Abteilung Merklingen. Erst nach der Heirat mit seiner Heidi zog er nach Schafhausen. Dort wurde er 1999 stellvertretender Abteilungskommandant. 2006 schließlich wurde er zum Gesamtkommandanten der Feuerwehr Weil der Stadt gewählt und blieb es für 15 Jahre.

Seinen Abschied hat er lange vorbereitet. „Ich habe schon 2019 bekannt gegeben, dass ich keine weitere Amtszeit mehr übernehmen werde.“ Im Nachhinein sei das der richtige Weg gewesen, sich von so einem zeitintensiven Ehrenamt, das man mit Herzblut ausübe, zu verabschieden. „Da konnte ich mich seelisch darauf vorbereiten und schon Pläne für die Zeit danach schmieden“, sagt der 59-Jährige, der mit seinem Sohn Benjamin in Schafhausen ein Elektrotechnik-Unternehmen führt.

Mehr Zeit für die Familie

„Meine Selbstständigkeit hat es mir ermöglicht, so viel Zeit in die Feuerwehr zu stecken, sonst wäre das gar nicht möglich gewesen.“ Doch immer mit einem schlechten Gewissen seiner Familie gegenüber. Seine Frau Heidi und die beiden Kinder mussten oft zurückstecken. Sohn Benjamin war im eigenen Betrieb oft auf sich allein gestellt.

Jetzt allerdings werden die Rollen getauscht. Benjamin Widmann wurde aktuell zum stellvertretenden Abteilungskommandant gewählt, somit wird ihm Vater Jürgen ab sofort beruflich den Rücken frei halten und wieder mehr in der Firma präsent sein. „Ein paar Jahre arbeite ich schon noch, ganz ohne geht es sowieso nicht“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, der seit 25 Jahren im Stadtrat aktiv ist und auch hier seinen Ausstieg in drei Jahren erwägt. „Dann müssen junge Leute nachrücken“, sagt er.

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Mehr Zeit hat Jürgen Widmann endlich wieder für sein sportliches Hobby. Der begeisterte Rennrad-Fahrer will mehr Kilometer im Sattel zurücklegen als in den vergangenen Jahren. Sein Ziel ist es, wenn er fit genug ist, der Tochter, die südlich vom Bodensee in Liechtenstein lebt, einen Besuch mit dem Rad abzustatten.

Auch handwerklich wird er sich künftig mehr im Garten einbringen. „Da gibt es einige Projekte.“ Sobald es möglich ist, plant er mit seiner Frau eine längere Schiffsreise, um viele Länder zu sehen. „Jetzt kommt die Zeit, in der wir unser Leben ohne Rücksicht auf die Feuerwehr gestalten.“

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