Rettungshubschrauber Christoph 41 Retterkette vor Ort wurde nicht gefragt

Von Arnold Einholz
Christoph 41: Die Zahl der Unterstützer wächst. Foto: SDMG//Dettenmeyer

Leonberg - Wie zäumt man ein Pferd von hinten auf? Das wolle anscheinend das baden-württembergische Innenministerium beim Thema der neuen Standortverteilung der Rettungshubschrauber im Land vorexerzieren. So liest es zumindest Weil der Städter Landtagsabgeordneten Hans Dieter Scheerer (FDP) aus der Antwort des Ministeriums auf seine Anfrage zur möglichen Verlegung des Leonberger Rettungshubschraubers Christoph 41 heraus. Erst soll nach möglichen Standorten gesucht und diese sollen bewertet werden. Dann will man wohl auch die Akteure vor Ort befragen.

Der Abgeordnete ist weiterhin nicht von der Argumentation des Innenministeriums zur Neuordnung der Luftnotrettung in der Region überzeugt und kritisiert auch die hohen Kosten des Gutachtens von rund 236 000 Euro. Scheerer fordert, dass endlich die Rettungsexperten vor Ort angehört werden.

Die Verlegung des Rettungshubschraubers Christoph 41 von der Luftrettungsstation am Leonberger Krankenhaus nach Tübingen sei weiterhin in Planung, so die Antwort des Ministerium an Scheerer. Der FDP-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Leonberg hat im Juli mit einem Schreiben den Verbleib des Rettungshubschraubers in Leonberg gefordert. Zudem hinterfragte er das der Entscheidung zugrunde liegende Gutachten zur „Struktur- und Bedarfsanalyse der Luftrettung in Baden-Württemberg“ eines Münchner Instituts.

Das Innenministeriums verteidigt die Kompetenz des Münchner Instituts. Es habe viel Erfahrung und habe auch an den Plänen der Luftnotrettung in Bayern und Österreich mitgewirkt. „Das Innenministerium meint, sicher zu sein, auf Grundlage des Gutachtens eine tragbare Entscheidung für die Neuordnung der Luftnotrettung in Baden-Württemberg treffen zu können“, sagt Hans Dieter Scheerer. „Ich frage mich, ob das Gutachten die hohen Kosten wert war“, meint der Rechtsanwalt. Er zweifle zwar nicht an der Expertise der Gutachter zur Berechnung einer möglichen Standortverlegung von Christoph 41.

Ihm sei auch klar, dass die Landesregierung im Angesicht dieser Kosten kein zweites Gutachten zur Absicherung eingeholt hat. „Dennoch sind nach meiner Einschätzung weitere Expertenmeinungen nötig, um eine so weitreichende Entscheidung treffen zu können. Dass sich dabei laut Ministerium keine Universitäten aus Baden-Württemberg für den Gutachtenauftrag beworben haben, ist erstaunlich“, findet der Landtagsabgeordnete.

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Scheerer bewertet den Inhalt des Gutachtens außerdem als zu wenig differenziert. Nach seiner Einschätzung wurde das Gutachten am grünen Tisch erstellt und lasse viele Faktoren der täglichen Notrettung in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg sowie im Ballungsraum Stuttgart außen vor. „Gerade das Verhältnis zwischen Rettungs- und Verlegungsflügen hätte mehr Beachtung finden sollen“, sagt Scheerer.

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Das Ministerium weist in seinem Schreiben an Scheerer darauf hin, dass eine finale Verlegungsentscheidung erst dann getroffen wird, wenn bei der momentan laufenden Standortbewertung eine konkrete Liegenschaft ausgewählt und gegebenenfalls durchzuführende Schritte wie Genehmigungsverfahren und bauliche Ertüchtigungen durchgeführt worden sind. Bei diesen standortbezogenen Umsetzungsbewertungen sollen dann wohl auch Akteure vor Ort befragt werden. „Es ist höchste Zeit, dass endlich die Betroffenen und Experten vor Ort, wie Vertreter von DRK und THW sowie das Ärzteteam und die Crew von Christoph 41 befragt werden“, fordert Scheerer.

„Das hätte schon im Vorfeld an allen von einer möglichen Verlegung betroffenen Luftnotrettungsstationen passieren sollen. Vielleicht wäre dann der Bedarf einer Neuordnung der Luftnotrettung anders bewertet worden und ein so teures Gutachten erst gar nicht notwendig gewesen.“ Das Ministerium rechne mit einem mehrjährigen Verfahren, wobei die Station in Leonberg in der Zwischenzeit weiter genutzt werde. „Für Leonberg können wir nur hoffen: ‚Nichts hält länger als ein Provisorium‘“, sagt Scheerer.

DRK-Kreisverband Als „unverzichtbaren Bestandteil unserer Rettungskette“ hat Michael Steindorfner, der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, den Erhalt des Leonberger Rettungshubschrauber-Standortes bezeichnet. Vor den Delegierten der 24 DRK-Ortsvereine im Landkreis nannte er bei der Versammlung in Jettingen den Erhalt des Standortes ein „außerordentlich wichtiges Anliegen“ des Verbandes. „Eine Verlegung wäre gerade in unserem – auch im europäischen Vergleich – verkehrsmäßig und industriell dicht besiedelten Ballungsraum unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen“, sagt Steindorfner. An die anwesenden Landtagsabgeordneten appellierte er, „alles in der Politik Mögliche zu unternehmen, dass die derzeitigen Absichten einer Verlegung des Standortes nicht Wirklichkeit werden“. Die Delegierten der 24 DRK-Ortsvereine bat Steindorfner ebenso eindringlich darum, die Petition für den „unbedingten Erhalt des Standortes Leonberg“ durch ihre Unterschrift zu unterstützen.

OGWV Eltingen-Leonberg Die Befürchtungen, dass der gut funktionierende Standort des Rettungshubschraubers am Leonberger Krankenhaus dem Gedankenspiel des Innenministeriums zum Opfer fallen könnte, macht auch viele Bürgerinnen und Bürger in der Stadt und im Umland mobil. „Der Beitrag in der Leonberger Kreiszeitung, dass 2200 Unterschriften zur Petition ‚Rettungshubschrauber Christoph 41 muss in Leonberg bleiben’ fehlen, war für den Obst-, Garten- und Weinbauverein Eltingen-Leonberg Grund genug, kurzfristig eine Aktion zu starten“, sagt der Vorsitzende Albert Kaspari.

Bei der langen Einkaufsnacht der Werbegemeinschaft „Wir sind Eltingen“ wurden Unterschriftenlisten ausgelegt. Außerdem sei der Wochenmarkt am Samstag eine gute Plattform gewesen, um weitere Unterschriften zu sammeln. Insgesamt kamen so 390 Unterschriften zusammen.

Die Petition findet sich im Internet auf unter

https://www.openpetition.de/petition/blog/rettungshubschrauber-christoph-41-muss-in-leonberg-bleiben.

Stand auf dem Markt

Samstagsmarkt
Der OGWV am Samstag, 30. Oktober, noch einmal mit einem Stand auf dem Markt an der Steinstraße von 7 bis 12 Uhr vertreten sein.

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