DRF Luftrettung in Leonberg Die Standortfrage kann sich über Jahre ziehen

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Dirk Gockerler (Stationsleiter), Rouven Glasser (Pilot), Arnd Kissling (Rettungssanitäter), Notärztin Vera Kahle (v. li.) Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Im Leonberger Hangar schrillt der Alarm. Die Notärztin wird zu einem Einsatz gerufen. Gemeinsam mit dem Rettungssanitäter und dem Piloten sitzt sie in kürzester Zeit im Hubschrauber und hebt ab. Jeder Handgriff sitzt und ist wohl überlegt, Hektik darf in dieser Situation, in der jede Sekunde zählen kann, nicht aufkommen. Die diensthabende Mannschaft ist ein eingespieltes Team, trainiert immer wieder zusammen alle Abläufe.

Insgesamt 29 Standorte hat die DRF Luftrettung, früher hieß sie Deutsche Rettungsflugwacht, in ganz Deutschland. Einer davon ist seit nunmehr 35 Jahren am Leonberger Krankenhaus. „Wir decken mit unseren Einsätzen einen Radius von 100 Kilometer ab und sind für zehn Landkreise zuständig“, sagt Dirk Gockeler, der Stationsleiter und Notfallsanitäter in Leonberg. Den Jahrestag hätte er mit seinem Team gerne größer mit Publikum gefeiert, was wegen Corona nicht möglich war.

Ob und wie lange das Team dort noch stationiert sein wird, ist allerdings unklar. Das Innenministerium hatte im vergangenen Jahr ein Strukturgutachten Luftrettung in Auftrag gegeben. Dort wird vorgeschlagen, die Station des Rettungshelikopters Christoph 41 von Leonberg in den Bereich von Tübingen zu verlegen, um auch bisher mangelhaft abgedeckte Gebiete auf der Schwäbischen Alb besser versorgen zu können. SPD-Politiker im Kreistag hatten bereits Alarm geschlagen und den Landrat Roland Bernhard – Vorsitzender des Klinikverbundes – aufgefordert, einen verstärkten Einsatz gegen dieses Vorhaben zu zeigen. Bernhard reagierte auf das in Auftrag gegebene Strukturgutachten Anfang April mit einem Schreiben an den Innenminister Thomas Strobl.

„Eine Verschlechterung für unsere Region darf damit nicht verbunden sein. Einer Verlegung deutlich südlich einer Linie Tübingen-Reutlingen, wie dies von manchen Kommunalpolitikern gefordert wird, sollte daher von Ihrem Haus von vornherein eine deutliche Absage erteilt werden“, fordert Landrat Roland Bernhard. Eine Verlagerung des Rettungshubschraubers hätte zudem direkte Auswirkungen auf die Attraktivität des Klinikstandortes Leonberg. In Zeiten, in denen die Gewinnung von Fachpersonal extrem schwierig geworden sei, seien es häufig erweiterte Optionen – wie Notarztdienste im Hubschrauber auf kurzem Wege –, die eine Entscheidung für beziehungsweise gegen eine Zusage beeinflussten.

„Das Patientenwohl muss im Vordergrund stehen“

Die Antwort aus dem Ministerium von Ministerialdirigent Andreas Schütze liegt dem Landrat bereits vor. Dort heißt es, dass in jedem Falle mit einem mehrjährigen Verfahren zu rechnen sei. Dessen Dauer hänge auch davon ab, ob und in welchem Umfang ein künftiger Standort gegebenenfalls noch baulich ertüchtigt werden müsse. Zudem werde am neuen Standort voraussichtlich ein luftrechtliches Genehmigungsverfahren zu durchlaufen sein.

Die Ausführungen zur Attraktivität eines Klinikstandorts mit direkter Hubschrauberanbindung im Bereich Personalgewinnung könne Andreas Schütze durchaus nachvollziehen. „Natürlich muss ich aber ebenso um Verständnis werben, dass aus Sicht des Landes das Patientenwohl im Vordergrund zu stehen hat.“

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Im Falle einer erheblichen Verbesserung der Patientenversorgung – wie sie durch das Gutachten nachgewiesen wurde – hält das Ministerium an einer Standortverlegung fest, „auch wenn dies für die betroffene Klinik den Verlust eines möglicherweise attraktivitätssteigernden Merkmals bedeutet“. Eine Entscheidung steht noch aus. Sobald sich die Verlegungspläne konkretisieren, sollen die örtlichen Verantwortlichen in Gespräche miteinbezogen werden.

Die Position der Leonberger Stadtverwaltung ist eindeutig: „Wir wollen, dass der Standort für Christoph 41 in Leonberg bleibt“, sagt Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) entschieden. Warum? Christoph 41 trage erheblich zur Standortsicherung des Krankenhauses Leonberg bei. „Für uns ist das ein sehr wichtiger Faktor. Und dafür werde ich mich auch weiter einsetzen“, so Cohn. Das Leonberger Krankenhaus müsse bei der Entscheidung über die Verlegung von Christoph 41 insgesamt eine größere Rolle spielen. „Denn es bildet eine entscheidende Säule der städtischen Infrastruktur.“

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