Corona-Sofortprogramm Eine Schönheitskur für den Bahnhof Leonberg

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Das 1969 eröffnete Bahnhofsgebäude hat seine besten Tage hinter sich. Für 145 000 Euro soll es nun aufgehübscht werden. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Der Leonberger Bahnhof soll schöner werden. Das fordern nicht nur die Gemeinderatsmitglieder seit Jahren, es ist auch ein oft geäußerter Wunsch vieler Pendler. Bahnhöfe gehören generell nicht zu den saubersten Orten. Doch auch das 1969 eröffnete Empfangsgebäude hat seine besten Tage schon hinter sich. Doch nun steht eine Schönheitskur für den Leonberger Bahnhof an. Für voraussichtlich 145 000 Euro sollen im letzten Quartal dieses Jahres verschiedene Maßnahmen durchgeführt werden. 100 000 Euro davon stammen aus dem Sofortprogramm der Bundesregierung angesichts der Corona-Krise. Ein Teil dieses Programms ist der Attraktivitätssteigerung von Bahnhöfen gewidmet.

Malerarbeiten und neue Leuchten

Die gute Nachricht verkündete der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Böblingen, Marc Biadacz (CDU). „Die Modernisierungsmaßnahmen machen nicht nur den Bahnhof Leonberg attraktiver für Reisende, sondern setzen auch kleine Konjunkturimpulse für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe bei uns in der Heimat. Das sind gute Nachrichten für die Stadt Leonberg und den Landkreis“, teilt Biadacz mit. „In Leonberg sind unter anderem Malerarbeiten am Gebäude, eine Verbesserung der Beleuchtung und der Austausch des Bodenbelags in der Empfangshalle vorgesehen“, teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Alle Maßnahmen fallen in den Bereich Aufenthaltsqualität.

Über das Sofortprogramm zur Attraktivitätssteigerung von Bahnhöfen stellt die Bundesregierung insgesamt 40 Millionen Euro bereit. Davon sollen noch in diesem Jahr 170 Bahnhöfe profitieren.

Umbau zum Mobilitätspunkt

In ganz Baden-Württemberg kommt das Programm 24 Bahnhöfen zugute. Der größte Brocken entfällt auf den Bahnhof Plochingen mit fast einer Millionen Euro. In der Region wird auch in die Bahnhöfe Mühlacker (100 000 Euro), Vaihingen/Enz (200 000 Euro), Pforzheim (240 000 Euro) und Bietigheim-Bissingen (265 000 Euro) investiert.

Draußen vor dem Leonberger Bahnhofsgebäude ist der Umbau zum regionalen Mobilitätspunkt fast abgeschlossen. Mit diesem Förderprogramm, das der Verband der Region Stuttgart 2016 aufgelegt hat, sollen die verschiedenen Fortbewegungsarten an zentralen Stellen besser kombiniert und attraktiver gestaltet werden. Alle Maßnahmen in diesem Bereich werden bis zu 70 Prozent gefördert. Dafür erhält die Stadt bis zu 234 000 Euro vom Regionalverband.

Weg vom reinen Auto-Pendeln

Das Hauptziel ist, den Umstieg vom reinen Autofahren auf andere Fortbewegungsarten wie Bus, Bahn, Fahrrad oder eben zu Fuß zu fördern. Der Leonberger Bahnhof ist dafür ein guter Ort. Die S-Bahn bietet einen direkten Anschluss an die Landeshauptstadt Stuttgart, mit der S 60 aber auch nach Böblingen und Sindelfingen. Hier geht es also darum, den Pendlern einen attraktiven Übergang zur Bahn zu ermöglichen. Andersherum ist der Bahnhof auch der Ankunftsort für viele Pendler, die in Leonberg arbeiten.

Eines der ersten Vorhaben, die über das Förderprogramm umgesetzt wurden, waren neue und vor allem mehr Fahrradständer. 2018 kam die Regio-Bike-Verleihstation für Fahrräder und Pedelecs dazu. Diese können am Bahnhof Leonberg ausgeliehen und dann an anderen Stationen wie etwa am Bahnhof Rutesheim oder am Leo-Center zurückgegeben werden. Die letzte Neuerung in diesem Bereich war die Eröffnung des Fahrrad-Parkhauses, das direkt an dem für Autos anschließt. In dem abgeschlossenen Raum finden sich zudem Ladestationen für E-Bikes.

Ausstattung top, Wegeführung Flop

Die Maßnahmen im Bereich Fahrrad wurden von der Agenda-Gruppe Radl begrüßt. Nur mit der Wegeführung für Radfahrer, also Radschutzstreifen oder Straßenquerungen, sind die Rad-Aktivisten alles andere als zufrieden. Hier gebe es schlicht noch zu viele Gefahrenpotenziale.

Zum Mobilitätspunkt gehören auch vier Car-Sharing-Stellplätze, die sich im Parkhaus befinden, dazu auch zwei Ladestationen für Elektroautos. Angedacht ist zudem, dass das Parkticket – fünf Euro für 24 Stunden – in Zukunft auch als Fahrschein dienen kann. Verhandlungen dazu laufen aber noch.

Toilettenhäuschen soll bald öffnen

Seit einigen Wochen steht das lang ersehnte Toilettenhäuschen am Bahnsteig. „Die Anlage wird bald eröffnet“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Um dessen Ausgestaltung und die damit verbundenen Kosten hatte es längere Debatten im Gemeinderat gegeben. Letzter Punkt auf der Liste ist eine Informationsstele, wiederum ein Projekt des Verkehrsverbundes VVS. Dort soll es Fahrplanauskünfte geben, aber auch Informationen zur Region, wie etwa Sehenswürdigkeiten. Damit verbunden sein soll auch ein W-Lan-Hotspot.

Wann diese interaktive Informationsstele auch am Leonberger Bahnhof aufgebaut wird, ist noch unklar. Ein Prototyp sollte dem VVS in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Die Stadt Leonberg hat unterdessen erwogen, eine zweite zu kaufen und am Marktplatz aufzustellen.

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