Bürgermeisterwahl in Weissach Jens Millow wird erst mal Amtsverweser

Von Kathrin Klette
Am Wahlabend wird Jens Millow (Mitte) von allen Seiten bejubelt. Sein Mitbewerber Helmut Epple ist die Ausnahme. Foto: Jürgen Bach

Wie schon Rutesheim und Weil der Stadt wird auch Weissach zunächst nur einen Amtsverweser anstelle eines Bürgermeisters haben – dank des ortsbekannten Weissachers Helmut Epple. Der hatte bei allen drei Bürgermeisterwahlen, zuletzt in Weissach am 3. Juli, selbst kandidiert und war nach seiner Niederlage gerichtlich gegen die Wahlergebnisse vorgegangen. Für Jens Millow, der die Wahl am 3. Juli gewonnen hatte, ist das Vorgehen seines Mitbewerbers keine Überraschung, verrät er schmunzelnd. „Ich hatte schon damit gerechnet, erst mal nur Amtsverweser zu sein.“

Der Sachsenheimer Jens Millow, derzeit noch Hauptamtsleiter von Löchgau, hatte im ersten Wahlgang ein unglaubliches Ergebnis von mehr als 75 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Helmut Epple war auf 28 Stimmen (0,8 Prozent) gekommen. Wie bereits bei seinen vorherigen erfolglosen Kandidaturen legte Epple danach beim Landratsamt Böblingen gegen das Ergebnis Einspruch ein.

Das Landratsamt hat alle Einsprüche zurückgewiesen

Er argumentierte unter anderem, dass der amtierende Bürgermeister, Daniel Töpfer, mit einer Bemerkung zu möglichen Wahlausgängen nicht neutral geblieben sei. Bei Epples Redezeit bei der offiziellen Kandidatenvorstellung gab es außerdem technische Schwierigkeiten.

Das Landratsamt hat inzwischen alle Einsprüche zurückgewiesen. Helmut Epple blieb daraufhin noch die Möglichkeit, gegen diese Entscheidung gerichtlich vorzugehen. „Die Klage ist bereits vorgestern beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingegangen“, schrieb er am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Das Verwaltungsgericht hat den Eingang der Klage bestätigt. Bis diese geprüft ist, darf Jens Millow nicht Bürgermeister werden. „Am 29. September wäre ich sonst vom Gemeinderat vereidigt worden“, erklärt der Gewählte. „Stattdessen wird dann die Wahl zum Amtsverweser stattfinden.“ Der Amtsverweser übernimmt die Aufgaben des Bürgermeisters bis zu dessen offizieller Einsetzung und wird vom Gemeinderat gewählt. Üblicherweise erhält dieses Amt der designierte Bürgermeister, sofern keine schwerwiegenden Vorwürfe vorliegen. Sein erster Arbeitstag ist dann der 30. September.

Statt der Amtseinsetzung gibt’s eine neue Wahl

Bis dahin bleibt Millow erst einmal Hauptamtsleiter von Löchgau. Und hat als solcher noch einiges zu tun. „Mein Schwerpunkt in den Wochen nach der Wahl lag natürlich bei meiner jetzigen Tätigkeit“, berichtet er. Einerseits gelte es, einen Nachfolger für sein Amt zu finden und seine Stellvertretung einzulernen. „Durch den Wahlkampf ist auch einiges liegengeblieben, und vor meinem Weggang möchte ich einige Dinge noch zu Ende bringen.“

Erste Gespräche mit dem Personal wurden schon geführt

Nichtsdestotrotz hat er in Weissach bereits erste Weichen gestellt. Unter anderem war er bei den letzten Gemeinderats- und Ausschusssitzungen vor den Ferien dabei und hatte auch erste Gespräche mit dem Personal. Die Übergabe der Bauamtsleitung ist ebenfalls durch. Die nämlich verlässt das Weissacher Rathaus, das allgemein von einer hohen Fluktuation geprägt ist, bereits vor Jens Millows Amtsantritt. „Die ganzen Bauprojekte, die aktuell am Laufen sind, wie das Klärwerk, die Heizungsanlage der Schule oder Straßensanierungen, müssen natürlich weitergehen.“ Wenn ein Bauamtsleiter geht, ohne vorher einen Nachfolger einlernen zu können, sei das natürlich keine einfache Situation. Die Stelle ist bereits ausgeschrieben. Ebenfalls wie leer gefegt wird zu Jens Millows Dienstbeginn sein Vorzimmer sein. Die Beteiligten waren sich einig, dass es in diesem Fall nicht sinnvoll wäre, die Stellen ohne die Beteiligung des neuen Bürgermeisters zu besetzen. Die Stellen wurden daher zwischenzeitlich zwar ausgeschrieben, „das Auswahlverfahren findet aber erst statt, wenn ich schon in Weissach bin“.

Mit seinem Vorgänger, Daniel Töpfer, wird er sich für eine umfassende Übergabe Anfang September zusammensetzen. Töpfer hatte bereits im Vorfeld angekündigt, die letzten zwei Monate seiner Amtszeit weitestgehend im Urlaub zu verbringen. Für die Übergabe an Jens Millow wolle er sich aber Zeit nehmen.

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