Viel los in Hemmingen Eine bunte Nacht der Hemminger Kultur

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Die Gruppe Trata Burata war aus Italien angereist Darsteller würdigen Philipp Melanchthon Foto: factum/Weise

Hemmingen - Was Stuttgart kann, kann Hemmingen schon lange. Was also die lange Nacht der Museen oder die Stuttgartnacht für die Landeshauptstadt ist, ist die Hemminger Kulturnacht für die 7500 Einwohner-Gemeinde im Strohgäu. Der Bürgermeister Tomas Schäfer vergleicht seinen Ort nicht mit Stuttgart, aber selbstbewusst weist er daraufhin, dass die Hemminger Kulturnacht inzwischen ins ganze Strohgäu ausstrahlt.

Das ist bei der vierten Auflage am vergangenen Wochenende nicht anders gewesen. Sowohl die Akteure als auch die Gäste kamen nicht nur aus Hemmingen, im wesentlichen dank einer Mund- zu Mund-Propaganda. Die weiteste Anreise aller Akteure hatte vermutlich die Band Trata Burata aus der italienischen Provinz Bergamo gehabt. Der Landkreis pflegt Beziehungen in die Provinz. Die mittelalterlichen und keltischen Weisen der Band luden auf dem Alten Schulplatz vor allem die Jüngeren zum Tanzen ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kindertanzgruppe der Strohgäunarren bereits ebenso ihren großen Auftritt gehabt wie der Jugendspielmannszug des örtlichen Spielmanns- und Fanfarenzugs.

Skulpturen, Fotos und Gemälde

Der warme Herbsttag hatte von Beginn an um 17 Uhr etliche Besucher auf den Alten Schulplatz gelockt. „Es gibt Gesang, Musik, Ausstellung, Kunst – es gibt alles“, umriss Dorothe Vorndran von der organisierenden Gruppe Distelart salopp die Programmvielfalt. In der Tat war an den 15 Stationen ebenso Platz für das gesprochene Wort wie für die gesungene und gespielte Musik, den Tanz, die Malerei – das Laute wie das Leise. Alles hatte seinen Platz, auch nebeneinander und zur selben Zeit.

Die fröhliche Musik der Trata Burata klang auch jenen Besuchern noch nach, die die wenig entfernte Laurentiuskirche betraten, um die Porträts von Hemminger Flüchtlingen anzuschauen. Der Freundeskreis Flüchtlingshilfe hatte großformatige Schwarzweiß-Aufnahmen im Altarraum aufgehängt. Vor allem die Motive der Kindergesichter zeitigten Wirkung in dem stillen Raum: Die Gespräche etlicher Betrachter, die gemeinsam gekommen waren, verstummten ziemlich schnell beim Blick in die jungen Gesichter.

Lebhaft ging es hingegen unter anderem im Bürgertreff zu. Helena Cizl von Wahrlich und Roswitha Zimmerle-Walentin zeigten dort ihre Arbeiten. Während Cizl von Wahrlich Bilder ausstellte, beschränkte sich Zimmerle-Walentin darauf, ausschließlich Skulpturen zu zeigen.

Einblicke in die Affäre Ruthardt

Interesse bei den Besuchern weckte auch die Lesung in der Stadbücherei. Martin Häußermann vom Landesarchiv Baden-Württemberg stellte zwei Mordfälle aus der Region vor, unter anderem jenen einer Stuttgarterin, die in Ludwigsburg aufwuchs und deren Geschichte als „Affäre Ruthardt“ in die Geschichte einging.

Hatte es im Vorfeld Irritationen um den Beitrag von Claudia Junge Ilges gegeben, so gab es doch einige Gäste, die ihr Bedauern darüber äußerten, die Tanzperformance mit den stillen Worten über den Tod und Leben nicht in ursprünglicher Form in der Aussegnungshalle sehen zu können. Nach heftiger Debatte im Gemeinderat sprach Thomas Oser aus Nürtingen die von Musik und Tanz begleiteten Texte an unterschiedlichen Plätzen im Ort. Launig ging es hingegen vor dem Wagen von Berta Epple zu: Mitglieder der einstigen Formation Tango Five fanden sich nun zum Ensemble Berta Epple zusammen, und begeisterten mit Latin, Jazz, Weltmusik und Comedy.

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