Rutesheim Feuerwehr verhindert mögliche Katastrophe

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Mit einem Wasserriegel schirmen die Feuerwehrleute die brennende Scheune von den Nachbargebäuden ab. So wird ein Übergreifen der Flammen verhindert. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Am Tag danach ist Martin Killinger immer noch fassungslos: „Es ist fürchterlich, dass es jemanden gibt, der offenbar in Kauf nimmt, dass andere Menschen sterben.“ Angesichts des großen Brandes in der Nacht zum Dienstag mitten in der Rutesheimer Ortsmitte will der Erste Beigeordnete Brandstiftung zumindest nicht ausschließen. Würde sich dieser Verdacht bewahrheiten, so wäre es das neunte vorsätzlich gelegte Feuer in der Stadt.

Am Montagabend um 20.54 Uhr schrillen bei den freiwilligen Wehrleuten die Alarmglocken. Eine Scheune in der Nähe der Flachter Straße brennt lichterloh. Umgeben von zahlreichen Wohnhäusern und einer weiteren Scheune direkt nebenan. Der Rutesheimer Feuerwehrkommandant Michael Jäger und 50 weitere Retter rücken sofort aus. Ihnen zur Hilfe kommen Kameraden aus Leonberg, Renningen und weiteren Orten in der Nähe.

Wasserriegel um die brennende Scheune

Um zu verhindern, dass die Flammen auf die benachbarte Scheune übergreifen, wenden die Einsatzkräfte eine besondere Technik an. Sie ziehen einen Wasserriegel auf, der die brennende Scheune und das Nachbargebäude von einander trennt. „Wir sind nicht an den Punkt gegangen, wo die Flammen am größten waren, sondern haben uns auf die Abschirmung konzentriert“, berichtet Kommandant Jäger nach dem geglückten Einsatz. „Das war fast schon wie ein chirurgischer Eingriff.“

Dank der schnellen und präzisen Arbeit konnte womöglich eine Katastrophe verhindert werden. „Hätten wir die zweite Scheune nicht gehalten, so wäre das Überschlagen der Flammen auf das benachbarte Wohnhaus wahrscheinlich gewesen“, erklärt der Einsatzleiter. „Und dann hätten wir ein Problem gehabt.“ So aber kamen keine Menschen zu Schaden.

Scheune brennt völlig ab

Zwar mussten die Anwohner vorübergehend ihre Häuser verlassen. Aber am späten Abend konnten sie zurückkehren. Die Scheune selbst ist völlig niedergebrannt. Den Schaden gibt die Polizei mit rund 50 000 Euro an. Die Nachbarscheune hat dank der Riegeltechnik nur einige leichte Schäden außen. „Innen drinnen ist nichts passiert“, sagt der Feuerwehrchef.

Martin Killinger ist voll des Lobes. „Das war ein hervorragendes Eingreifen der Feuerwehr und der anderen Hilfskräfte“, sagt der Erste Beigeordnete, der am Abend direkt zur Unglücksstelle geeilt war und bei vielen Anwohnern Sturm geschellt hatte, um sie zu alarmieren.

Nicht nur die Wehren aus dem Umkreis, sondern auch 25 Helfer vom Roten Kreuz und zwei vom Technischen Hilfswerk waren im Einsatz. Die Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, wurden im DRK-Heim am Kirchplatz mit Lebensmitteln versorgt. Die Experten der Spurensicherung untersuchten am Dienstag bis in die Nacht das Brandgelände. Hinweise auf eine Ursache konnten sie noch nicht feststellen. Die Spurensuche in abgebrannten Gebäuden ist in der Regel besonders schwierig.

Stadt setzt Belohnung aus

Angesichts von acht Brandstiftungen in den vergangenen zehn Monaten will die Rutesheimer Rathausspitze eine weitere aber nicht ausschließen. Zuletzt war am 15. Oktober eine Hütte in Flammen aufgegangenen. Zuvor hatte es in verschiedenen Mehrfamilienhäusern und anderen Schuppen gebrannt. Die Ermittler gehen stets von Brandstiftung aus.

„Man muss gar nicht in einem brennenden Haus zu Schaden kommen“, sagt Martin Killinger. „Es reicht schon, wenn man die giftigen Rauchgase einatmet. Das ist lebensgefährlich. Wer absichtlich Feuer legt, handelt hochgradig kriminell.“ Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder gar mehrerer Täter führen, hat die Stadt eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt.

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