OB-Wahlkampf in Leonberg Vier Bürgermeister wollen Chef werden

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Sehnsuchtsort für vier Kandidaten: Das neue Leonberger Rathaus, hier bei der Eröffnung. Foto: factum/Weise

Leonberg - Hätten Sabine Kurtz und Wolfgang Schaal in der Nacht zum 20. Juli spät noch einmal in ihre Mailbox geschaut, so wären die Chefs der CDU und der Freien Wähler in Leonberg (Kreis Böblingen) wohl kaum gut eingeschlafen. So aber blieben den beiden Kommunalpolitikern einige Stunden Ruhe, bevor sie am Morgen erfuhren, dass sie über Nacht ihren hoch gelobten Kandidaten für die OB-Wahl verloren hatten: Um 0.15 Uhr hatte ihnen Andreas Knörle, der Dezernent im Calwer Landratsamt, per E-Mail mitgeteilt, dass er aus Gesundheitsgründen nicht mehr zur Verfügung stehe: massive Herzprobleme.

Probleme hatte nun erst mal auch der bürgerliche Block, und diese wurden immer größer, weil sich in der Folge ein bemerkenswertes Kandidatentableau zusammenfand: Gleich drei Leonberger Bürgermeister wollen in das Chefzimmer im Rathaus einziehen, zwei amtierende und eine ehemalige Baubürgermeisterin.

Vonderheid wird von der CDU-Spitze nicht unterstützt

Eigentlich hätte es ja einen naheliegenden bürgerlichen Bewerber gegeben, den christdemokratischen Ersten Bürgermeister Ulrich Vonder­heid. Der 52-jährige Finanz-, Sozial- und Ordnungsbürgermeister tritt an, doch die CDU-Spitze will diesen Parteifreund partout nicht an der Stadtspitze haben. Man bevorzuge einen auswärtigen Bewerber, idealerweise eine Frau, die mit Empathie die Zukunft der 48 000 Einwohner großen Stadt gestalte, hieß es offiziell. Doch in Rathauskreisen ist es ein offenes Geheimins, dass das Verhältnis zwischen Vonderheid und vor allem den Frauen an der Parteispitze nicht das beste ist.

Vonderheid ficht das nicht an. Er machte aus der Ablehnung seiner Partei eine Tugend. Süffisant erklärte er, als er seine Bewerbung bekannt gab, dass er sich ohnehin nicht vor den Karren einer Fraktion spannen lassen wolle.

Doch nicht genug damit, dass die CDU und die Freien Wähler keinen eigenen Kandidaten und einen Gegner aus den eigenen Reihen mehr hatten. Kurz vor den Ferien trat auch noch ein ernst zu nehmender Kontrahent von links auf den Plan: Martin Kaufmann, der Bürgermeister der 11 000-Einwohner-Gemeinde Rudersberg im Rems-Murr-Kreis. Der 51-Jährige präsentierte sich als Bewerber, der die Themen unvoreingenommen und dynamisch angeht. Unterstützt wird er von seiner Partei, der SPD. Das erwähnt er aber so gut wie nie.

Inge Horn hat sich in der Stadt nicht nur Freunde gemacht

Direkt vor den Sommerferien zog der bürgerliche Block doch noch ein Ass aus dem Ärmel: Inge Horn, die zwölf Jahre lang Baubürgermeisterin der Stadt war. Es zieht sie an ihre alte Wirkungsstätte zurück, diesmal allerdings auf den Chefsessel. Die 54-Jährige gilt als kompetent und durchsetzungsstark.

Im Rathaus und auch bei einigen Bauherren in der Stadt hat sie sich damit aber nicht nur Freunde gemacht. Dass sie vor fünf Jahren in die Privatwirtschaft gewechselt ist, dürfte jedoch vor allem an ihrem schwierigen Verhältnis zum Oberbürgermeister Bernhard Schuler und zum damals schon amtierenden Finanzbürgermeister Vonderheid gelegen haben.

Heute gilt ihr Ausflug in die harte Geschäftswelt eher als Pluspunkt. Auch dass sie vergeblich versucht hat, Baubürgermeisterin in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) zu werden, wird ihr nicht angelastet. Die Grünen und die Ratsgruppe SALZ unterstützen sie.

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