Der Leo-Center-Chef im Interview „Wir sehen im Internet keine Konkurrenz“

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Fühlt sich wohl in „seinem“ Leo-Center: Klaus-Peter Regler. Foto: factum/Bach

Leonberg - Klaus-Peter Regler ist ein erfahrener Handelsexperte und hat meh­rere Warenhäuser und Shopping-Malls ­geleitet. Er blickt optimistisch nach vorne.

Herr Regler, nicht nur das Leo-Center hat ein Jubiläum. Auch Sie sind jetzt schon mehr als zweieinhalb Jahre dabei, was angesichts der vorherigen Fluktuation der Center­-Manager ein langer Zeitraum ist. Wie war das damals für Sie?

Ich habe das Leo-Center im März 2016 in einem sehr guten Zustand vorgefunden. Meine Vorgänger haben das Haus mit Liebe gepflegt und intensive Kontakte zu den Mietern und Kunden gehabt, das ist auch meine Linie. Für mich persönlich hat es zeitlich gut gepasst, weil mein Sohn damals eingeschult wurde.

Wie sehen Sie den Stellenwert des Centers?

Es ist ein familiäres Center mit Treffpunkt-Charakter, die Leute kommen gerne. Man bekommt hier alles und hat ein vielfältiges gastronomisches Angebot.

Es gibt Stimmen, die halten das Angebot in anderen Häusern Ihrer Betreibergruppe ECE in der Region für attraktiver.

Wir treten nicht gegeneinander an. Jedes Haus hat seine individuellen Stärken. Das Profil des Leo-Centers liegt bei der Nahversorgung.

Erstklassiges Lebensmittelangebot

Ist das heute noch das richtige Profil?

Wir haben hochwertige Konzepte, zum Beispiel Edeka mit einem erstklassigen Lebensmittelangebot. Gerade auf unsere Neuzugänge sind wir besonders stolz, nehmen Sie die Jeans-Halle. TK Maxx ist ein Zugpferd. Ich halte diese Mischstruktur an diesem Standort für richtig.

Wie groß ist die Konkurrenz durch das Netz?

Wir sehen das Internet nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Viele Kunden informieren sich im Netz über die Produkte, kaufen sie dann aber stationär. Die Kombination der beiden Kanäle ist vermutlich der Königsweg, so bieten viele unserer Geschäfte schon den Service „online bestellen und stationär abholen“.

Etliche Händler sagen aber: Die Kunden lassen sich im Fachhandel beraten, kaufen aber letztlich doch im Netz.

Ich habe die Erfahrung, gemacht, dass die umgekehrten Fälle in der Mehrheit sind. Zumal der Kauf im Internet nicht automatisch kostengünstiger ist.

Guter Draht ins Rathaus

Zum 45. Geburtstag gibt es zwei Wochen mit viel Programm, darunter der Kabarettist Christoph Sonntag. Muss man heute viele Aktionen machen, um Kunden zu halten?

Man muss immer was tun, nicht nur bei ­einem Center-Geburtstag. Unsere Aktionen und Ausstellungen werden gut angenommen. Wichtig ist, dass man alle Altersgruppen anspricht, eben weil wir ein Haus für alle sind.

Wie ist Ihr Verhältnis zum örtlichen Einzelhandel und zur Kommunalpolitik?

Leonberg ist eine Stadt der kurzen Wege. Wir haben einen direkten Draht zu den Kollegen und auch zur Rathausspitze. Dieser persönliche Kontakt ist sehr angenehm.

Sehen Sie das Leo-Center als Solitär?

Nein, wir sind ein Teil der Stadt. Deshalb ist es wichtig, dass es dem ganzen Standort gut geht. Da sehe ich noch Potenziale. Wir ­müssen die Kräfte stärker bündeln, was ­starken Einsatz fordert. Dafür brauchen wir einen City-Manager. Er muss die ganze Einkaufsstadt Leonberg stärker nach außen vermarkten.

In Ihrer Nachbarschaft, auf dem Post-Areal, entsteht ein neues Stadtviertel . Ist das Konkurrenz für das Leo-Center?

Nein, wir freuen uns immer, wenn etwas los ist. Das Post-Areal ist eine einmalige Chance und kann für Leonberg eine identitätsstiftende Rolle spielen. Aber es braucht ein eigenes Profil und nicht die Duplizierung vorhandener Sortimente.

Wunsch nach Außengastronomie

Ein Fünf-Sterne-Hotel zum Beispiel?

Das halte ich für absolut wichtig, weil es uns Geschäftsreisende bringen kann, die sonst in Stuttgart logieren würden.

Müsste nicht auch nach 20 Uhr im Center Leben sein?

Was ich mir wünsche, ist eine Gastronomie zur Straße hin, so dass unser Haus auch abends eine beliebte Anlaufstelle ist.

Jubiläum
: Die Eröffnung des Leo-Centers vor 45 Jahren war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer zusammengewachsenen Stadt. Der Geburtstag wird mit einem bunten Programm gefeiert: Am Donnerstag, 18. Oktober, schneidet Oberbürgermeister Martin Kaufmann um 11 Uhr die große Geburtstagstorte an. Danach spielt das Leonberger Jazztrio B.B.Q. Am Samstag, 20. Oktober, tritt um 15 Uhr der Kabarettist Christoph Sonntag auf. Bis zum ­verkaufsoffenen Sonntag, 4. November, gibt es etliche Attraktionen, Shows und Gewinnspiele.

Hausherr
: Klaus-Peter Regler hat am 16. März 2016 die Verantwortung im Leo-Center übernommen. Er folgte auf Lukas Rottmann, der nur knapp zwei Jahre in Leonberg war. Regler bringt eine lange Erfahrung im Handel und in Warenhäusern mit sich. Der heute 50-Jährige war 19 Jahre bei Kaufhof und leitete dort verschiedene Filialen, zuletzt jene im etwa gleich großen Speyer am Rhein. Privat ist der Center-Manager ein begeisterter Radfahrer.

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