Weissach Fährt die Strohgäubahn bis zu Porsche?

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Die Strohgäubahn fährt nicht mehr bis nach Weissach Foto: cf/privat

Weissach - Ist es möglich, dass auf der Bahnstrecke von Weissach nach Heimerdingen wieder Züge fahren können? Der Kreis Böblingen und die Gemeinde Weissach wollen das gemeinsam prüfen. Dafür soll jetzt eine vereinfachte Machbarkeitsstudie mit Unterstützung des Landes vorgenommen werden. Nun wird zumindest ein Signal auf Grün gestellt – das Land Baden-Württemberg fördert die Studie über das Verkehrsministerium von Winfried Hermann (Grüne) mit 42 000 Euro.

Das Ziel der Studie ist, das zukünftig mögliche Fahrgastpotenzial und die gegenüberstehenden Kosten einer möglichen Reaktivierung überschlägig zu ermitteln. Dabei sollen auch die Wirtschaftlichkeit und Förderaussichten grob beurteilt werden.

„Wir analysieren derzeit die Chancen und halten die Verlängerung der Strohgäubahn bis Weissach für prüfenswert“, sagt der Landrat Roland Bernhard. Die Anbindung an den Schienenverkehr entlaste stark befahrene Straßen. Wer Autofahrer zum Umstieg bewegen will, müsse attraktive Alternativen anbieten. Die Bahn ist die beste Wahl. „Nur mit dem Ausbau von Angeboten schaffen wir die Verkehrswende und fördern die Entwicklung im Nordkreis“, sagt Roland Bernhard.

Vorteil für den Standort Weissach

Der Weissacher Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) sieht in der Anbindung Vorteile für die Menschen in seiner Gemeinde und damit eine Stärkung des Standortfaktors: „Die Schiene ist glasklar ein Standortvorteil.“ Naturgemäß stehe der Zug nicht im Stau, was in Zeiten zunehmender Verkehrsströme immer mehr Berufspendler vom Auto hin zum öffentlichen Personennahverkehr bringen könne. „Die Prüfung einer möglichen Weiterführung der Strohgäubahn ist daher die logische Konsequenz eines weiteren Bausteins unseres Gesamtkonzepts in Sachen Klimaschutz“, sagt der Rathauschef.

Auch das baden-württembergische Verkehrsministerium ist an einem Weiterbetrieb der Gesamtstrecke bis Weissach interessiert und fördert deshalb die Studie mit 75 Prozent der Kosten. Minister Winfried Hermann wertet die Studie als wichtigen Schritt in Richtung Verkehrswende und Erreichung der Klimaschutzziele: „Der Kreis Böblingen hat bei der Reaktivierung der Schönbuchbahn erfolgreich die positive Wirkung der Wiederinbetriebnahme einer Schienenstrecke gezeigt“, lobt der Minister.

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Die Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken im Land sei ein wichtiger Baustein der Ausbauoffensive des Landes für die Verdopplung der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. „Die Verkehrswende, die aus Klimaschutzgründen so dringend erforderlich ist, braucht mehr Nahverkehrsangebote auf der Schiene“, sagt Winfried Hermann.

Die jetzige Untersuchung baut auf einer ersten Potenzialuntersuchung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums mit insgesamt 42 möglichen Reaktivierungsstrecken auf. Als Teil seiner Ausbaustrategie hat das Land im Herbst 2018 dazu aufgerufen, mögliche Reaktivierungsstrecken anzumelden. Der Kreis Böblingen hatte dafür den Streckenabschnitt zwischen Weissach und Heimerdingen eingereicht.

Sind 640 Fahrgäste am Tag möglich?

Als Verlängerung der Strohgäubahn werden für den Streckenabschnitt 640 Fahrgästen pro Werktag prognostiziert. In der Machbarkeitsstudie soll dies nun untersucht und mit den anfallenden Kosten verglichen werden. Auch eine mögliche Verlängerung zu Porsche in Weissach wird dabei mitbetrachtet.

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Die Strohgäubahn fährt derzeit von Korntal über Münchingen, Schwieberdingen und nach Heimerdingen. Die Strecke bis zum früheren Endpunkt Weissach wird durch den Kreis und Weissach für den Museumsverkehr instand gehalten. Fahrten mit dem „Feurigen Elias“ finden an wenigen Tagen im Jahr statt. So soll der vom regulären Personenverkehr nicht mehr befahrene Abschnitt vor der Stilllegung bewahrt und für den Personenverkehr erhalten werden.

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