Wahl in Esslingen Daniel Töpfer will Oberbürgermeister werden

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Daniel Töpfer möchte Oberbürgermeister von Esslingen werden. Foto: www.romy-s-fotografie.de/Romy S. Fotografie

Weissach - Daniel Töpfer möchte hoch hinaus: Seit 2014 ist er Bürgermeister der Gemeinde Weissach – damals war er 25 Jahre alt und ist noch immer einer der jüngsten Bürgermeister des Landes Baden-Württemberg. Jetzt wagt er den nächsten Schritt: Am Sonntag, 11. Juli, kandidiert er für die Oberbürgermeisterwahl in Esslingen. Die Stadt ist mit knapp 95 000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt in Baden-Württemberg und mehr als zwölfmal so groß wie Weissach.

Töpfer steht bei seiner Kandidatur nicht alleine da. Seine Partei, die CDU, für die er außerdem im Böblinger Kreistag sitzt, hat er hinter sich. Aber nicht nur sie. Auch die Freien Wähler und die FDP unterstützen die Bewerbung des Weissacher Kandidaten.

Bürger aus Esslingen haben ihn angesprochen

„In Weissach durfte ich in den vergangenen Jahren viel bewirken und arbeite sehr engagiert und letztlich auch erfolgreich“, schreibt Daniel Töpfer in einer Pressemitteilung. Deshalb seien Bürger aus Esslingen auf ihn aufmerksam geworden und fragten ihn, ob er sich vorstellen könne, „meine gute Arbeit in Esslingen fortzusetzen“. Der Impuls für eine Kandidatur und damit für einen Wechsel sei also nicht von ihm selbst ausgegangen. „Ich hatte das vorher tatsächlich gar nicht auf dem Schirm und auch nicht nach etwas Neuem gesucht“, erzählt Töpfer auf Anfrage unserer Zeitung. Nachdem er von mehreren Seiten angesprochen worden war, nahm er die Gespräche mit der CDU, den Freien Wählern und der FDP in Esslingen auf. Am vergangenen Wochenende fiel seine endgültige Entscheidung.

Entsprechend gehe es ihm nicht darum, aus Weissach wegzugehen, „sondern neu anzukommen, noch mehr bewegen zu können und vor allem die in Esslingen anstehenden Herausforderungen von Digitalisierung über Mobilität und Klimaschutz bis hin zu serviceorientierter Verwaltung und bürgernaher Politik zu meistern“, formuliert es Töpfer: „Esslingen steckt fest im Status Quo, es gibt zu wenig Impulse für ein modernes Leben in der zehntgrößten Stadt Baden-Württembergs.“ Gerade jetzt nach der Krise, ausgelöst durch die Pandemie, seien neue Impulse in der Stadt aber dringend erforderlich.

Eine „Chance, noch mehr zu bewegen“

Und trotzdem: Eine Entscheidung für Esslingen ist am Ende eine Entscheidung gegen Weissach. „Beides geht nicht, das stimmt. Das ist deshalb auch keine einfache Sache, wenn man in einer Gemeinde schon so viele Projekte angestoßen und umgesetzt hat.“ Die Wahl in Esslingen sei aber „eine Chance, die sich einem nur alle acht Jahre bietet“. Hier sehe er einfach die Chance, noch mehr bewegen und gestalten zu können.

Über die Frage, ob er bei einem negativen Wahlergebnis eine Wiederwahl in Weissach in Betracht zieht – die turnusgemäße Wahl wäre dort im Sommer 2022 –, habe er sich noch gar keine Gedanken gemacht. Klar ist: Sollte Daniel Töpfer in Esslingen gewählt werden, müssten in Weissach vorgezogene Neuwahlen stattfinden. Er selbst bliebe bis zum Tag seiner Amtseinführung im Herbst 2021 Bürgermeister in Weissach.

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Bei der Wahl in Weissach 2014 war das Ergebnis eindeutig: Mit mehr als 58 Prozent der Stimmen setzte sich Daniel Töpfer im zweiten Wahlgang gegen die Amtsinhaberin Ursula Kreutel (41 Prozent) durch. In seinen bisher sieben Jahren in Weissach hat der junge Bürgermeister bereits eine bewegte Zeit hinter sich.

Die Nachwehen aus den skandalträchtigen Jahren um ausbleibende Jahresrechnungen und die Kommunale Bauentwicklungsgesellschaft Weissach mbH bestimmten große Teile seines Wirkens. Das besser als Kommbau bekannte kommunale Unternehmen übernahm seit seiner Gründung 2002 alle großen Bauprojekte der Gemeinde, darunter die Strudelbachhalle. Bei den Auftragsvergaben wurde schnell von Vetternwirtschaft, sogar von Bestechung gemunkelt. 2014 hat die Gemeindeprüfanstalt öffentlich bestätigt, dass bei der Verteilung der Aufträge nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war.

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Inzwischen ist unter Daniel Töpfers Führung aus der Kommbau die Wohnbau Weissach GmbH geworden, bei der alles betont transparent ablaufen soll. Auch Jahresrechnungen sind in Weissach wieder an der Tagesordnung. Trotzdem ließ der nächste Skandal nicht lange auf sich warten: Im Frühjahr 2021 wurde bekannt, dass die Gemeinde in hohem Maße von der Greensill-Affäre betroffen ist. 16 Millionen Euro hat Weissach seit 2019 bei der Bremer Bank angelegt, die im März Insolvenz angemeldet hat. Weissach prüft nun zusammen mit anderen Gemeinden rechtliche Möglichkeiten für Schadensersatz. Ob die Gemeinde ihr Geld je wiedersieht, ist noch völlig offen.

Seinen Wahlkampf in Esslingen will Daniel Töpfer jetzt offensiv angehen. Sowohl den direkten Kontakt zu den Menschen will er suchen, aber auch digitale Formate in seinen Wahlkampf einbauen. „Ich freue mich riesig auf den Wahlkampf und möchte in den nächsten Wochen das Vertrauen der Esslingerinnen und Esslinger im persönlichen Austausch gewinnen“, sagt Daniel Töpfer.

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