Schotterbeete im Altkreis Leonberg Städte bieten keine Steine des Anstoßes

Von
An Schottergärten scheiden sich die Geister – in Baden-Württemberg dürfen sie nicht mehr angelegt werden. Foto: dpa/Annette Riedl

Für die einen gelten sie als pflegeleicht und werden wegen ihres einheitlichen Gesamtbildes geschätzt. Für die anderen sind sie „Gärten des Grauens“. An Schotterflächen scheiden sich die Geister. Fakt ist aber, dass in Baden-Württemberg neue Steingärten nicht mehr angelegt werden dürfen. Wer vor dem Jahr 2020 Beete mit Schotter gestaltet hat, muss nicht tätig werden. Trotzdem sollten die Städte mit positivem Beispiel vorangehen. Das meint die Verwaltungsspitze in Rutesheim. Wie wird das Thema in den übrigen Orten im Altkreis Leonberg gesehen?

Möglichst wenig versiegelte Flächen

In Rutesheim wurde ein öffentliches Beet erst vor Kurzem umgestaltet. Bei einem Termin mit dem Leiter des städtischen Bauhofs, Siegfried Kappus, am Eingang zum Rutesheimer Friedhof an der Kreuzung Gebersheimer Straße/Hegelstraße ist der Bürgermeisterin Susanne Widmaier und dem Ersten Beigeordneten Martin Killinger eine städtische Schotterfläche aufgefallen.

Nun hat der Bauhof diesen Bereich umgestaltet: der Schotter wurde entfernt und die Fläche neu bepflanzt. „Eine schön bepflanzte Fläche ist schöner als ein Schotterbeet. Und wir brauchen viel Grün in unserer Stadt und möglichst wenig versiegelte Flächen“, sagt Widmaier. Die Einwohner dürften solche Beete nicht anlegen. „Um glaubwürdig zu sein, dürfen wir das auch nicht machen. Wenn das in der Vergangenheit gemacht wurde, müssen wir es jetzt ändern.“

Lesen Sie aus unserem Angebot: Der Kreis will insektenfreundlich werden

Fokus auf Bienenfreundlichkeit

Auch in Ditzingen wurde reagiert. Dort hatten sich Einwohner über den Vorplatz am Gebäude der Stadtwerke beschwert, wo Bäume mit Schotter umrandet waren. „Anfang 2020 wurde dieser Bereich umgestaltet“, sagt Pressesprecher Jens Schmukal auf Nachfrage unserer Zeitung. Nun gebe es keine größeren städtischen Flächen mehr, bei denen Schotter zum Einsatz gekommen ist.

„Für uns ist ökologische Nachhaltigkeit ein wichtiges Anliegen“, betont Schmukal. Die Stadtgärtnerei achte deshalb unter anderem auf Bienenfreundlichkeit. Darüber hinaus hat der Gemeinderat bereits 2020 entschieden, dass in künftigen Bebauungsplänen explizit festgelegt wird, dass Freiflächen zu begrünen sind.

In Korntal-Münchingen gibt es noch eine Schotterfläche auf städtischem Grund, die von einer Privatperson angelegt wurde. „Für diese erstellt die Umweltstelle gerade einen Pflanzvorschlag, um diese ökologisch zu gestalten“, teilt Angela Hammer von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt mit. Ansonsten gebe es keine geschotterten Bereiche in städtischem Besitz. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden in Korntal-Münchingen unter anderem mehrjährige Staudenflächen und Blumenwiesen gepflanzt.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Weissach lässt das Gras wachsen

In Gerlingen gibt es drei insektenfreundliche Beete

Reine Schotterflächen wurden von der Stadt Gerlingen noch nie angelegt. „Wenn Schotter verwendet wurde, dann immer im direkten Zusammenspiel mit Neupflanzungen“, sagt Rathaussprecherin Sofie Neumann. Damit ist gemeint, dass zuvor geschotterte Beete mit mehrjährigen Stauden überpflanzt wurden.

„Wenn sich die Pflanzen etabliert haben, ist der Schotter komplett überwachsen. In solchen Beeten wird der Schotter dazu benutzt, Fremdwuchs zu unterbinden und dadurch dafür zu sorgen, dass die Stauden ungehindert wachsen können“, erklärt sie. Von diesem Vorgehen nimmt man in Gerlingen jedoch seit 2020 Abstand und ist zu einer nachhaltigeren Bepflanzung gewechselt.

Neueste Beispiele sind nach Aussage von Neumann die Beete entlang der Hauptstraße. „Dort wurden im Jahr 2021 drei Pilotbeete mit insektenfreundlicher Staudenbepflanzung hergestellt.“ Im Herbst sollen die übrigen Beete entlang der Hauptstraße in ähnlicher Weise bepflanzt werden.

Keine Planungen zur Umgestaltung in Leonberg

„In Renningen gibt es keine öffentlichen Schotterbeete“, betont Alicia Paulus von der Pressestelle der Stadt. Eine Ausnahme bilden die Beete in den Randbereichen bei den Mittelinseln der Kreisel um die Stadt, was „verkehrstechnische Hintergründe“ habe. Renningen lege viel Wert auf ökologische Nachhaltigkeit. So werden „neu zu bepflanzende Beete vielfach mit insektenfreundlichen, trockenheits- und hitzeverträglichen Pflanzen angelegt“, sagt Paulus.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Hier haben Wildbienen einen Zuhause

Auf Biodiversität achtet der Baubetriebshof auch in Weil der Stadt. Deshalb wurden dort in den vergangenen Jahren Teile von Rasenflächen in Blühflächen umgewandelt. In Weil der Stadt gibt es nach Auskunft von Ralf Wöschler, dem Leiter des Betriebshofs, keine Schotterflächen in öffentlichen Grünbereichen. In Leonberg sieht die Sache etwas anders aus. „Planungen, brachliegende städtische Schotterflächen aktiv zu begrünen, gibt es derzeit keine“, heißt es seitens der Stadt zu dem Thema.

Brachflächen, für die eine Bebauung vorgesehen sei, wie zum Beispiel die Gestaltung des Stadtgartens, werden bis zum Baubeginn mehr oder weniger sich selbst überlassen. Dort entwickele sich auch ohne menschliches Zutun eine spezielle Vegetation, die im Hinblick auf Insektenschutz und Artenvielfalt eine hohe ökologische Bedeutung habe, teilt Leila Fendrich, die stellvertretende Pressesprecherin, mit.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen