Interkom in Renningen Viele haben das Persönliche vermisst

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Zwei Hallen und größere Abständen zwischen den Ständen machen die Interkom 2021 in Präsenz möglich. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Vom virtuellen Raum zurück in die echten Messehallen: Nachdem die interkommunale Ausbildungsbörse Interkom für den nördlichen Landkreis Böblingen im Jahr 2020 wegen Corona ausschließlich digital stattfand, konnten die Unternehmer dieses Jahr ihre „Zelte“ wieder vor Ort aufgeschlagen.

Obwohl lange unsicher war, ob eine Präsenzveranstaltung überhaupt möglich wäre und die endgültige Entscheidung recht kurzfristig fiel, haben sich fast sämtliche Teilnehmer für ein Präsenzangebot entschieden. 44 Unternehmen waren mit ihren Ausbildungsberatern persönlich in Renningen zu Gast, wo die Messe dieses Jahr ausgerichtet wurde.

Zwar konnten die Schüler auf der virtuellen Messe 2020 über Live-Chats auch mit den Unternehmen in Kontakt treten, „aber das ist natürlich kein Vergleich zum persönlichen Gespräch“, erzählt Evin Sevinc vom Verein für Jugendhilfe in Böblingen, verantwortlich für die Organisation. „Diese Rückmeldung haben wir von mehreren Unternehmen bekommen. Und auch, dass sie das Gefühl hatten, dass die Schüler dieses Jahr viel interessierter und auch dankbar waren, dass es das Angebot wieder vor Ort gibt.“

Informieren und wichtige Kontakte knüpfen

Die Ausbildungsmesse bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich über unterschiedliche Ausbildungsberufe im Kreis Böblingen zu informieren und wichtige Kontakte zu knüpfen. „Im Dezember sind wir noch davon ausgegangen, dass die Messe wieder rein digital wird“, berichtet Evin Sevinc. Trotzdem wurde ab dem Frühjahr in beide Richtungen geplant. „Erst im Sommer fiel die finale Entscheidung der Kommunen, dass die Messe neben einem digitalen Auftritt auch in Präsenz stattfinden wird.“

Das stellte die Organisatoren natürlich vor einige Herausforderungen, berichtet Alicia Paulus von der Stadt Renningen. „Ein großer Punkt war das Hygienekonzept.“ Um die nötigen Abstände zwischen den Ständen einzuhalten und trotzdem genauso vielen Unternehmen Platz zu bieten wie in den Jahren zuvor, wurden die Stände auf zwei Hallen verteilt, die Rankbachhalle und die Stegwiesenhalle.

Für Schulklassen gab es feste Zeitfenster, damit sich die Maximalzahl an Besuchern in den Hallen einhalten ließ. „Das hatte sogar den Vorteil, dass die Besucher sich besser verteilen und nicht alle in einem Schwung kommen.“

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Voll konnte es vor dem einen oder anderen Stand trotzdem werden. Gerade bei der Polizei ist der Andrang immer groß. „Eine der ersten Fragen lautet oft: Was macht man da eigentlich alles?“, erzählt Jürgen Hach, Einstellungsberater beim Polizeipräsidium Ludwigsburg. „Viele kommen mit falschen Vorstellungen, die sie aus dem Fernsehen haben“, erklärt er und schmunzelt. „Das Bild muss man dann erst geraderücken und erklären, dass das nicht so läuft wie in ,Alarm für Cobra 11‘.“

Viele wüssten auch nicht, wie vielseitig das Berufsfeld sei, das weit mehr umfasst als nur den Streifendienst. Die Gespräche auf der Messe geben oft den ersten Impuls, sich näher mit der Materie zu befassen, berichtet Hach zufrieden. „Danach haben wir immer viel mehr Schriftverkehr.“

Etwas weniger Andrang herrscht bei anderen Ausstellern, zum Beispiel den Landschaftsgärtnern. „Aber diejenigen, die kommen, haben auch wirklich Interesse dafür und nehmen sich Zeit“, freut sich die Auszubildende Michelle Eisenhardt. Vorurteile gibt es auch hier, weiß sie. „Manche sind ganz erstaunt, dass es bei uns nicht nur ums Hecken- und Bäumeschneiden geht. Wir arbeiten auch viel mit Stein und Metall, zum Beispiel zum Verlegen von Terrassen oder beim Bau von Carports und Pools.“

Manche haben schon ganz genaue Vorstellungen

Für den 17-jährigen Ahmad war die Interkom ein echtes Erfolgserlebnis. „Ich interessiere mich sehr für den Polizeiberuf. Aber ich dachte, dass man das nur machen kann, wenn man einen deutschen Pass hat.“ Am Stand der Polizei erfuhr er jedoch, dass das keine Voraussetzung ist. Die Achtklässlerinnen Liv und Shirine von der Marie-Curie-Gemeinschaftsschule in Leonberg wussten schon vorher genau, was sie einmal werden möchten: Unternehmensberaterin und Flugbegleiterin.

Der erste Weg führte sie daher zum Stand der Berufsschule. Nur speziell für ihre Berufsziele habe es leider keinen Stand gegeben, auch Mitschülerin Silja, die Hebamme werden möchte, suchte vergeblich. „Ich bin deshalb vor allem zu Firmen gegangen, die ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte und die mich gar nicht interessiert haben, um zu sehen, ob das vielleicht doch etwas für mich ist“, erzählt Shirine.

Erstmals in diesem Jahr hat sich außerdem der Landkreis Böblingen finanziell an der Ausrichtung der Messe beteiligt, und zwar über ein Förderprogramm für regionale Ausbildungsmessen. „Wir haben uns mit der Interkom dafür beworben und 4000 Euro erhalten“, berichtet Alicia Paulus.

Das war die Interkom 2021:

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