Gegen Lebensmittelverschwendung Auch Bäcker wollen Nachhaltigkeit

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Zahlreiche Lebensmittel, auch alte Brötchen und anderes Gebäck, werden täglich weggeworfen. Viele Initiativen setzen sich gegen diese Verschwendung ein. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Ob Äpfel mit Dellen, ein Tag alte Brötchen oder verpackte Lebensmittel, bei denen lediglich das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist: So viele bekömmliche Lebensmittel werden in Deutschland täglich weggeworfen, nur weil sie kleine „Makel“ aufweisen und im Supermarkt daher nicht mehr verkauft werden dürfen. Die Bewegung, diese Lebensmittel nicht einfach wegzuwerfen, sondern noch zu verwenden, wird immer größer, auch in Leonberg und Umgebung.

Da gibt es zum Beispiel das Nachhaltigkeitsnetzwerk in Gebersheim, die Initiative Herzwerk in Renningen und den Verein Freefood in Gerlingen. Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Böblingen, der unter anderem bereits Herzwerk beim Start von dessen Lebensmittelverschenkhäuschen unterstützt hat und am Wertstoffhof Malmsheim ein Verschenkhäusle betreibt, hat sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Vor Kurzem hatte der AWB daher zu einem Runden Tisch für die Wertschätzung von Backwaren eingeladen.

Sinnvoll verwerten statt wegwerfen

Unverkaufte Ware wird oft weiterverwendet

Vertreter von Bäckereien, Tafeln und der Initiative Foodsharing waren gekommen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, sich zukünftig besser zu vernetzen und Backwaren sinnvoll zu verwerten statt wegzuwerfen. Teilnehmer waren unter anderem die Bäckerei Zachert aus Leonberg, Bäcker Baier und die Bäckerei Weinberg aus Herrenberg.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass diese ihre unverkaufte Ware bei der Produktion von neuen Backwaren mit verwenden oder aus altem Brot Brotwürfel für Knödel herstellen, berichtet die Sprecherin des Landkreises, Rebecca Kottmann. Oder sie spenden ihre übrig gebliebenen Brote und Brötchen an die Tafeln beziehungsweise an Foodsharing, um auf diesem Weg noch in den privaten Haushalten auf den Tisch zu kommen. Seit Jahren bieten zudem viele Bäckereien „Vortagsbrötchen“ zu einem geringeren Preis an. „Dies hat sich bis zu dem Modell des reinen Vortagsbäckers weiterentwickelt.“

Viele Kunden wollen jederzeit „ihre“ Brotsorte

Oft liege die Problematik bei den Kunden, ist die Erfahrung der Bäcker. Diese haben oft die Anspruchshaltung, „ihre“ Brotsorte auch noch bis kurz vor Ladenschluss in den Bäckereien vorzufinden. „Das führt zu einer Überproduktion von Backwaren, die von manchen Betrieben bewusst in Kauf genommen wird, nur um die Kunden zufriedenzustellen und damit konkurrenzfähig zu sein“, berichtet Rebecca Kottmann aus dem Gespräch. Hier seien Aufklärung und ein Umdenken der Verbraucher unumgänglich. „Häufig kaufen Kunden auch zu viel ein und werfen dann zu Hause die überschüssigen Brote, Brötchen und Kuchen weg.“

Für Menschen, die alte Brote und Brötchen zu Hause haben, haben die Beteiligten noch einen Tipp parat: „Die kann man zu schmackhaften Gerichten wie Arme Ritter, ,Scheiterhaufen‘, Knödel oder Ofenschlupfer weiterverarbeiten.“

Renninger machen mobil gegen Verschwendung

Wichtig war allen Anwesenden, die Weiterverwendungs- und Verwertungsmöglichkeiten aufzuzeigen und allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel sollen weitere Bäckereien und Initiativen einbezogen werden. „Die Teilnehmer äußerten auch die Bitte, die Verbraucher für das Thema Wertschätzung von Backwaren mehr zu sensibilisieren.“

Vorbild: „Raupe Immersatt“

Großen Einsatz bei diesem Thema zeigen unter anderem Initiativen wie Herzwerk in Renningen. Für die mittlerweile verstorbene Gründerin, Alexandra Reise, war es eine Herzensangelegenheit – daher der Name –, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen. Ihre Mitstreiter betreuen unter anderem das Lebensmittelhäuschen am Einkaufszentrum Süd in Renningen. Auf dem Gelände des Renninger Edeka-Marktes haben sie erst vergangene Woche eine Abgabe- und Abholstelle für gebrauchte Kleidung eröffnet.

Auch Gerlingen ist aktiv

Auch in Gerlingen ist eine neue Initiative aktiv. Die Mitglieder des Vereins Freefood bauen die alte Scheune in der Bachstraße um, um dort ein Foodsharing-Café zu schaffen. Es soll im Herbst öffnen und Lebenswert heißen. Vorbild dafür ist die „Raupe Immersatt“ in Stuttgart-West. Auch in Korntal-Münchingen bewegt sich gerade einiges. Für einen Fairteiler über Foodsharing Ludwigsburg hat sich der Jugendgemeinderat eingesetzt. Der Kühlschrank steht auf dem Gelände der Altenmietwohnanlage der Awo in der Schmalen Straße in Münchingen.

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