Einzelhandel in Leonberg Es gibt viele Ideen, um den Handel zu stärken

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Vorbereitungen für die Rückkehr der Kunden: Filialleiterin Petra Franke (rechts) und Katja Marongiu machen bei Buch-Röhm im Leo-Center klar Schiff. Foto: Simon Granville

Leonberg - Als Petra Franke und ihre Mitarbeiterin Katja Marongiu am Freitagmorgen ins Geschäft kommen, gehören sie zu den wenigen im Einzelhandel, die Gewissheit haben: Sie können am Montag ohne Einschränkung öffnen. Sie arbeiten im Buchhandel. Für den hatte die Bund-Länder-Konferenz bereits am Mittwoch verbindlich grünes Licht gegeben.

Also nutzt das Team von Buch-Röhm im Leo-Center die verbleibende Zeit, um klar Schiff zu machen. Wenn die Kunden kommen, sollen sie einen ansprechenden Laden mit vielfältigen Lese-Inspirationen vorfinden. Bis dahin konnten die Kunden Bücher bestellen und abholen. „Das waren zehn Prozent des normalen Umsatzes“, sagt Petra Franke. „Wenigstens waren wir am Markt. Jetzt aber freuen wir uns so richtig und sind sogar ein wenig aufgeregt!“

20 Kunden dürfen von Montag an gleichzeitig in der 500 Quadratmeter großen Buchhandlung sein. „Für mich wäre es auch in Ordnung gewesen, wenn es eine vorherige Terminvergabe gegeben hätte“, meint die Filialleiterin. „Wir möchten unsere Kunden individuell beraten und ein Gedränge unbedingt vermeiden.“

Begleitetes Einkaufen als Landkreis-Modell?

Ein Modell zur sicheren Beratung hatte die Leonberger Citymanagerin Nadja Reichert gemeinsam mit dem Marketingrat bereits Anfang Februar erarbeitet, als das Thema Ladenöffnung noch in weiter Ferne war. Demnach können zwei Personen aus einem Haushalt ins Geschäft. Sie werden von einem Verkäufer begleitet. Für jedes Kundenpaar ist eine Fläche von 60 Quadratmetern erforderlich. Während in kleineren Fachgeschäften die individuelle Beratung ohnehin im Mittelpunkt steht, haben größere Läden mit einem breiten Sortiment die Möglichkeit, mehrere Beratungsgespräche gleichzeitig zu führen. So sind bei einer Gesamtverkaufsfläche von 800 Quadratmetern immerhin 13 Kundentermine gleichzeitig möglich.

Ein praktischer Leitfaden, der nicht nur in Leonberg Anwendung finden könnte, sollten die Inzidenzwerte über 50 liegen. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn hat das „Personal Shopping“ dem Landrat Roland Bernhard als Modell für den kompletten Landkreis empfohlen.

Doch wenigstens im Moment geht es auch ohne spezielle Auflagen. Da im Kreis Böblingen die Inzidenz deutlich unter 50 liegt, kann der Handel am Montag in Gänze öffnen. Einzelgenehmigungen, die im Leonberger Rathaus Mitte Februar vorbereitet wurden, um Handel und Gewerbe zumindest punktuell wieder auf die Beine zu bringen, sind vorerst nicht nötig.

Kostenlose Tests für die Kunden

Die Lage ist natürlich weiterhin kritisch. Die Leonberger CDU beantragt daher, das Citymanagement mit mehr Mitteln auszustatten, um damit auch überörtliche Werbekampagnen zu fahren und tägliche Schnelltests für alle Mitarbeiter in Handel und Dienstleistung zu finanzieren.

Idealerweise, so meint der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Oliver Zander, sollten sich auch die Kunden vor einem Einkauf kostenlos selbst testen können. „Wir müssen einen sicheren und damit sorgenfreien Einkauf als Leonberger Alleinstellungsmerkmal herausstellen.“

Bei Vertretern des Handels stößt die CDU-Initiative auf offene Ohren. Marc Schmidt vom Herrenausstatter Wibbel hält allerdings eine Impfung des Personals alle zwei Tage für ausreichend. Und Sabine Frederking von Optik Fassl gibt die Meinung vieler Kollegen wieder, wenn sie zusätzliche Öffnungszeiten an Sonntagen personell für nicht leistbar hält. Aber mehr Budget für weitere Marketingstrategien und erweiterte Testmöglichkeiten wird von den Händlern einhellig begrüßt.

Höhrer Etat für das Citymanagement

Auch die anderen Ratsfraktionen sind für eine starke Unterstützung der heimischen Wirtschaft und die weitere Profilierung von Leonberg als Einkaufsstadt. CDU-Chef Oliver Zander drängt zur Eile: Schon am Mittwoch soll der städtische Finanzausschuss über eine Erhöhung des Etats des Citymanagements beraten, damit die Gelder noch rechtzeitig in den Haushalt 2021 eingestellt werden können.

Unabhängig davon ist eine neue Marketingkampagne bereits in trockenen Tüchern: „Offen für Euch“ heißt die Aktion, mit der sich die Gewerbetreibenden in den kommenden Wochen präsentieren können: Ein großes Herz ziert Plakate, Aufkleber, Transparente und Sonderseiten in unserer Zeitung und im Netz.

Übrigens ein reines lokales Projekt, wie die Citymanagerin Nadja Reichert betont: Agentur und Grafiker sind aus Leonberg, die Ideen wurden im Rathaus und in den hiesigen Geschäften ausgetüftelt.

Auch bei den Schnelltests geht es voran: Der OB hat 16 500 weitere bestellt, über längere Öffnungszeiten des Leonberger Testzentrums wird verhandelt.

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