Weltfrauentag Lokalpolitik braucht mehr Frauen

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Doro und Hannah Moritz diskutieren über Frauenpolitik. Foto: privat

Leonberg - 100 Jahre Frauenwahlrecht, 60 Jahre rechtliche Gleichstellung. Zwei Jubiläen, die wir am heutigen Weltfrauentag feiern. Doch schaut man in die Gremien, sind Frauen bis heute unterrepräsentiert. Warum? Das Interesse für Politik scheint die Heimsheimer Familie Moritz im Blut zu haben. Doro Moritz, die Mutter, ist die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Hannah Moritz, die Tochter, ist seit 2014 die jüngste Gemeinderätin im Altkreis . Bei ihrer Wahl war sie 26 Jahre alt. Sie beide beschäftigen sich mit der politischen Unterrepräsentation von Frauen. Interessanterweise jedoch aus sehr unterschiedlichen Beweggründen.

Männer entscheiden

„Momentan entscheiden Männer, die überwiegend morgens aus dem Ort fahren und abends wiederkommen, darüber, wie die Infrastruktur für Bildung und Betreuung vor Ort funktioniert“, meint Doro Moritz. Das Ergebnis sei, dass in der Erziehung viel auf Ehrenamt und Mehrarbeit engagierter Frauen gesetzt wird. „Aber wenn die Feldwege neu gepflastert werden müssen, fragt keiner, ob das nicht ein paar Ehrenamtliche am Wochenende erledigen könnten“, stellt sie fest. So sei es leider nach wie vor.

Frauen in den Gremien.
Ihre Tochter hält diese Ansicht für veraltet. „Heute gibt es so was wie Männer- und Frauenthemen eigentlich nicht mehr“, meint Hannah Moritz. Im Heimsheimer Gemeinderat engagiert sie sich im Kindergarten- genauso wie im technischen oder im Umlegungsauschuss. „Heutzutage ist es zum Glück normal, dass auch Männer Elternzeit nehmen. Deswegen sollte man auch nicht mehr zwischen Kindergarten und Tiefbau differenzieren.“

In ihrer Tätigkeit hat sie noch keine Nachteile aufgrund ihres Geschlechts erlebt. Diskussionen im Rat liefen immer respektvoll und gleichberechtigt ab. „Wobei ich schon merke, dass Männer eher dazu tendieren, manche Dinge fünf Mal zu wiederholen, nur um es auch selber gesagt zu haben. Das machen die Frauen im Rat nicht“, merkt Hannah Moritz an. Dennoch hofft sie, dass diese kleinen Unterschiede nicht zu stark debattiert werden: „Wenn wir ständig unsere Unterschiede messen, werden sie nie verschwinden!“

„Angst vor dem gesellschaftlichen Druck ablegen!“

Auf alle Fälle einig sind sich Mutter und Tochter darin, dass zu den Kommunalwahlen im nächsten Jahr mehr Frauen kandidieren sollten. Doro Moritz appelliert an alle Frauen, die Angst vor dem Parteiensystem und dem gesellschaftlichen Druck abzulegen: „Man kann vor Ort so viel bewegen, die Zukunft des Orts mitgestalten. Das ist doch wunderbar!“

Und auch Hannah Moritz würde sich für die nächste Legislaturperiode mehr junge, weibliche Kolleginnen wünschen: „Die Themen, die wir hier besprechen, betreffen alle Heimsheimer gleich! Also sollten auch alle gleich repräsentiert werden“, findet sie.

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