Weil der Stadt Mehr Schüler und höhere Gebühren

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Weil der Stadt - Bei der Stadt achtet man mit Argusaugen darauf, dass das Defizit der Musikschule nicht über 200 000 Euro steigt. Doch deren Leiter Franz Laupheimer gibt Entwarnung: Die Schülerzahl nimmt leicht zu, zudem erhöht die Musikschule die Gebühren. Das zeigt der Jahresbericht.

Herr Laupheimer, warum lohnt es sich für Kinder, ein Instrument zu lernen?
Musik zu machen lohnt sich immer, unabhängig vom Alter. Musik macht das Leben reicher. Wir wissen auch, dass Kinder, die früh damit anfangen, in ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung Fortschritte machen, die sie sonst nicht machen würden. Aber auch, wer später anfängt, dessen Leben wird damit reicher.
Dennoch steigen die Gebühren zum 1. April um fünf Prozent. Warum?
Wir haben im Einzelunterricht, also bei den meisten unserer Schüler, seit acht Jahren nicht erhöht. Da steht es jetzt eben an, wir hatten in den acht Jahren auch etliche Tariferhöhungen.
Weil der Stadt hat klamme Stadtkassen, das Defizit der Musikschule darf nicht steigen. Spüren Sie den Druck?
Alle Ratsfraktionen sagen, die Musikschule ist unverzichtbar. Aber sie ist eben keine Pflichtaufgabe – und wir wissen auch, dass wir nur eine Aufgabe unter vielen sind.
Und Sie sparen ja auch kräftig, zum Beispiel werden die Lehrer seit zehn Jahren nicht mehr fest angestellt, sondern nur auf Honorarbasis beschäftigt. Sorgt das für Unmut?
Das sorgt für Besorgnis. Freie Mitarbeiter müssen befürchten, dass sie später bei der Rente Probleme bekommen, der Arbeitgeber führt für sie ja keine Beiträge ab. Sie beziehen während der Ferien ja auch keine Honorare. Das ist aber nicht nur bei uns so, auch wenn es noch Kommunen gibt, die fest anstellen. Wir bezahlen aber unsere Honorarlehrer überdurchschnittlich, daher finden wir auch genügend Kräfte.
Auffallend im Jahresbericht sind die Anmeldezahlen bei der musikalischen Früherziehung. Warum gehen da die Zahlen zurück?
Vor 15 Jahren haben wir in Weil der Stadt doppelt so viele Kinder mit der musikalischen Früherziehung erreicht. Das liegt daran, dass die Mütter berufstätig sind und ihre Kinder eben nicht mehr bringen und abholen können. Wir versuchen daher, unsere Angebote in den Kindergärten zu machen, aber die Kitas hier sind leider nicht so gut mit Räumen ausgestattet, wie sie sein sollten. Da ist in den letzten 20 Jahren schon was versäumt worden. Wir bekommen in den Kitas keine Räume für unsere musikalische Früherziehung.
Seit zwei Jahren kooperiert die Musikschule mit den Musikvereinen. Wie läuft das?
Peu à peu haben mehr Vereinsmitglieder Unterricht bei unseren Lehrkräften bekommen, momentan sind es 20 Schüler, mittelfristig sollen alle Schüler der Vereine bei uns unterrichtet werden. Beide Seiten sagen, dass diese Kooperation sehr gut ist.
Neu eingeführt wird das Fach Gesang.
Ja, 2006 hat der Gemeinderat das Fach Gesang aus dem Programm genommen. Es kamen aber Anfragen und Wünsche vom Förderverein und von den Eltern, deshalb hat der Rat jetzt den Beschluss von 2006 korrigiert. Wir haben im Vorfeld bei den Chören und Gesangsvereinen abgefragt, was sie davon halten. Die haben bestätigt, dass sich Chormitglieder dafür interessieren.
Sie starten in diesem Jahr eine Werbeaktion für Erwachsenenunterricht. Nimmt der zu?
Wir hatten die Erwachsenen schon immer, wir waren nie eine reine Jugendmusikschule. Aber die Gesellschaft wandelt sich, die Zahl der Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren geht zurück, der Anteil der Ruheständler dagegen steigt ja. Da möchten wir ein Angebot machen. Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag, das Kulturgut Musik für alle Altersgruppen anzubieten.
2018 wird die Musikschule 40. Können Sie schon einen Einblick ins Programm geben?
Die erste Veranstaltung wird im März sein, das steht bereits fest. Es wird fünf Veranstaltungen geben, da wird ein Musikschulfest unter freiem Himmel im Sommer dabei sein.
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