Weil der Stadt-Hausen Die Würmbrücke wird für Lastwagen gesperrt

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Ein schwerer Lastwagen rumpelt über das Denkmal: Das könnte bald ein Bild für Geschichtsbücher sein. Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Hans Bullinger kennt es seit Kindheitstagen. Von überall strömen die Menschen herbei, um das historische Denkmal, die alte Würmbrücke von 1777, zu bewundern. „Ja, als ich Kind war, haben sich hier mitunter auch Kunstmaler hingestellt, zum Beispiel Oskar Elsässer“, berichtet der Hausener.

Zum Bild gehören aber genauso auch riesige Lastwagen, die sich über die schmale Brücke kämpfen. „Unser Kino“ nennt es Hans Bullinger. „Der typische Fall ist immer, wenn sich da oben zwei Laster gegenüber stehen und fünf Minuten lang diskutiert wird, wer zurückweicht.“

Künftig nur noch Fahrzeuge bis zehn Meter

Dieses Kino wird bald geschlossen. Denn das Landratsamt Böblingen wird für die Brücke ein Lkw-Fahrverbot erlassen. Das kündigt Frank Hönig, Leiter der dortigen Straßenverkehrsbehörde, im Gespräch mit unserer Zeitung, erstmals an. „Zukünftig dürfen nur noch Fahrzeuge darüber fahren, die nicht länger als zehn Meter und nicht breiter als 2,40 Meter sind“, sagt er.

Das Lkw-Verbot wünschen sich die Hausener schon seit Jahrzehnten. Und dass es jetzt überhaupt soweit kommen konnte, hat Frank Hönig einiges Kopfzerbrechen gekostet. Denn eine Straße einfach so für Lastwagen zu sperren, das verbietet die Straßenverkehrsordnung. „Die Brücke hat man früher einfach zu gut gebaut“, sagt der Verwaltungsfachmann und schmunzelt. „Die Brücke hält einfach zu viel aus.“ Sprich: Eine Gewichtsbeschränkung, die immer dann erlassen wird, wenn Brücken zusammenbrechen zu drohen, wäre in Hausen nicht zulässig gewesen.

 

Die mögliche Umfahrung nach dem Lkw-Verbot in Hausen.
Dennoch wird die Brücke von der starken Belastung abgenutzt, das bemerkt auch der Hausener Hans Bullinger. „Schauen Sie nur, diese Poller hier werden beschädigt, aber nicht erneuert“, sagt er und zeigt auf die historischen, roten Buntsandsteine.

 

Das Denkmalschutzamt des Stuttgarter Regierungspräsidiums (RP) war es denn auch, das in Hausen den Stein ins Rollen brachte. Was man denn gedenke zu tun, um die Brücke zu schützen, wollte die Behörde im vergangenen Jahr vom Landratsamt Böblingen wissen. Der Enzkreis war in der Vergangenheit immer gegen ein Lkw-Verbot, weil die Umleitung durch diesen Nachbar-Landkreis führt. Nach der Denkmalschutz-Intervention hatte aber auch der Enzkreis kein Gegenargument mehr.

„Das ist schließlich eine der ältesten Straßenbrücken im RP-Bezirk“, erklärt dessen Sprecher Matthias Kreuzinger. Ursprünglich hatte sie 1777 die damalige Gemeinde Hausen erbaut. Seit 1977 steht sie unter Denkmalschutz, seit 1990 ist sie im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Das Land kontrolliert ständig seine Brücken. Die Würmbrücke hat derzeit die Brückenzustandsnote von 2,8 – besser als der Durchschnitt, sagt Kreuzinger.

Schäden an der Brücke

„Allerdings wurde die Steinbrüstung in der Vergangenheit immer wieder durch Lastwagen beschädigt“, erklärt der RP-Sprecher. Um dem zu begegnen, plant die zuständige Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt Böblingen jetzt die Längen- und Breitenbeschränkung. „Ja, kleine Sprinter könnten dann noch darüber passen“, gibt deren Leiter Frank Hönig zwar zu. Für die große Zahl der großen Lastwagen sei aber bald Schluss. Dafür wird sich auch die Brücke optisch verändern. Es werden rot-weiße Leitschwellen angebracht, die die Verkehrsteilnehmer auf die Enge der Brücke hinweisen.

Wann genau das Verbot kommt, kann Hönig aber noch nicht sagen. Denn die offizielle Umleitungsstrecke steht noch nicht einmal fest, das muss Böblingen jetzt erst mit dem Enzkreis aushandeln. Zudem steht noch nicht fest, wie das Verbot dann kontrolliert wird. Offiziell gibt es nämlich bereits jetzt schon für von Heimsheim kommende Lastwagen ein Verbot. „Jeder in Hausen weiß, dass das noch nie kontrolliert wurde“, berichtet Hans Bullinger.

„Wir sind in intensiven Gesprächen mit der Stadt Weil der Stadt und der Polizei bezüglich eines Blitzers“, kündigt Frank Hönig an. „Der Wunsch ist da, das zu überwachen.“

Das bestätigt auch der Weiler Bürgermeister. „Wir könnten uns auch vorstellen, den Blitzer zu finanzieren“, sagt Thilo Schreiber. „Ein Verbot macht nur Sinn, wenn man es auch kontrolliert.“

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