Strohgäubahn soll wieder in den Kreis Böblingen fahren Kreis will Teil der Zugstrecke kaufen

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Die Fahrt der Strohgäubahn wird künftig vielleicht wieder einige Kilometer weiter führen – noch ist in Hemmingen Endstation. Foto: Ingeborg Hermann-Gröbner

Böblingen - Erst jüngst ist der Museumszug Feuriger Elias wieder von Korntal im Kreis Ludwigsburg nach Weissach gefahren. Dass auf dieser Strecke ein Zug unterwegs ist, soll nach dem Willen des Böblinger Kreistags auch so bleiben. Die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) möchte nämlich die renovierungsbedürftige Teilstrecke zwischen Ditzingen-Heimerdingen im Kreis Ludwigsburg und Weissach stilllegen. Der Kreistag beschloss nun in seiner jüngsten Sitzung, „die Trassensanierung und -unterhaltung auf niedrigem Niveau zu erhalten und dadurch eine Stilllegung zu verhindern“. Dafür möchte der Landkreis ein Teilstück der Strecke von der WEG erwerben. Und nicht nur das: Sowohl der Kreis Böblingen als auch die Kommune Weissach ist daran interessiert, die Strohgäubahn auf der Strecke Heimerdingen- Weissach zu reaktivieren.

Ein Euro für zwei Kilometer Schienenstrecke

Die Böblinger Kreisräte votierten einstimmig dafür, der Eisenbahngesellschaft vorzuschlagen, die rund zwei Kilometer lange Strecke zwischen Heimerdingen und Weissach, die sich noch im Besitz der Gesellschaft befindet, für einen symbolischen Preis von einem Euro abzugeben. „Die WEG ist grundsätzlich dazu bereit“, heißt es bei der Böblinger Kreisverwaltung. Die übrige Strecke zwischen den beiden Orten befindet sich bereits in deren Besitz.

Ferner möchte der Kreis Böblingen mit Weissach darüber sprechen, wie eine Streckensanierung bewerkstelligt werden könnte und wer wie viel bezahlt. Ferner soll Fördergeld nach dem Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz beantragt werden – möglichst noch in diesem Jahr. Auch die laufende Instandhaltung der Strecke soll Thema sein. Dafür soll der Zweckverband Strohgäubahn ins Boot geholt werden.

Wenigstens fährt der Feurige Elias

Die Strohgäubahn fährt im Kreis Ludwigsburg derzeit zwischen Korntal und Hemmingen. Zwischen Hemmingen und Heimerdingen sind momentan Renovierungsarbeiten im Gange. Seit Ende September 2015 ist der reguläre Betrieb auf der Anschlussstrecke bis Weissach eingestellt. Weissach trägt bisher schon die Kosten für die Instandhaltung der Trasse bis Heimerdingen, damit wenigstens der touristische Schienenverkehr mit den Feurigem Elias aufrecht erhalten werden kann.

„Wir sollten aber auch darüber hinaus dafür sorgen, dass die Strecke für eine künftige Personenbeförderung der Strohgäubahn zur Verfügung steht“, bekräftigte der Böblinger SPD-Kreisrat Peter Pfitzenmaier. Beispiele aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass eine Bahnstrecke eines Tages durchaus wieder genutzt werde. Pfitzenmaier nannte die Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen (Kreis Tübingen), die im Jahr 1966 aufgegeben und 30 Jahre später wieder in Betrieb genommen wurde.

Kreis und Gemeinde wollen dem Zweckverband beitreten

„Überdies ist auch das Verkehrsministerium des Landes an einem weiteren Betrieb der Gesamtstrecke bis Weissach interessiert“, erklärte der Landrat Roland Bernhard. Dies sei in einem Gespräch in Stuttgart Mitte November deutlich geworden. Das Ministerium habe die Strohgäubahn als Strecke „mit Entwicklungsperspektive“ eingestuft. Dadurch könnten Fördermittel abgerufen werden, sagte Bernhard. Die Höhe des Zuschusses könne bis zu 75 Prozent der Instandhaltungskosten betragen.

Bei dem Gespräch in Stuttgart wurde die WEG gebeten, der Gemeinde Weissach und dem Kreis Böblingen einen Entwurf für einen Dienstleistungsvertrag mit einem regulären Personenverkehr auf der Teilstrecke zu erarbeiten und in Kürze vorzulegen. Darüber hinaus erwägen der Kreis Böblingen und Weissach, dem Zweckverband Strohgäubahn beizutreten. Dessen Satzung sehe diese Option im übrigen vor, verlautet aus dem Böblinger Landratsamt.

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