Schleglerschloss Heimsheim Die Stadt bereitet sich auf die Schließung vor

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Bei einem Brand in Heimsheim stiegen einst dichte Rauchschwaden neben dem Schleglerschloss auf. Dort ist der Brandschutz ein großes Problem. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Hoffen, bangen, warten: Die Unsicherheit, was aus dem Schleglerschloss in Heimsheim wird, beschäftigt nicht nur die Verwaltung und das Kuratorium, sondern vermutlich jeden einzelnen Heimsheimer und besonders die Vereine wie die Schlegler und die Landfrauen, die das Gebäude regelmäßig nutzen. Inzwischen sagen sowohl das Kuratorium als auch die Stadtverwaltung: „Wir bereiten uns auf eine Schließung zum Jahreswechsel vor.“ Ob und wie es danach weitergeht, ob das Schicksal des Schlosses zum Jahresende überhaupt besiegelt ist, bleibt weiter unklar.

Das Thema kam öffentlich zum ersten Mal in einer Gemeinderatssitzung im Sommer auf. Es hieß: Das Schleglerschloss weise gravierende Mängel in Sachen Brandschutz auf und hätte damit eigentlich gar nicht mehr für größere Veranstaltungen genutzt werden dürfen. Der Kreisbrandmeister Christian Spielvogel setzte sich mit dafür ein, dass die Beteiligten eine Lösung für den Übergang finden, damit das Gebäude zumindest offen bleiben kann, bis ein langfristiges Konzept ausgearbeitet wird.

Brandmeldeanlage und Brandwache

Der erste Schritt war also die Suche nach einem Übergang: Dafür ließ die Stadt Heimsheim unter anderem eine mobile Brandmeldeanlage im Schloss einbringen, Veranstaltungen dürfen nur im dritten Stock stattfinden, und ein Feuerwehrmann muss währenddessen Brandwache halten. Der zweite Schritt ist ein Brandschutzgutachten, das Aufschluss darüber gibt, was im Schloss dauerhaft geändert werden muss. Das vom Land beauftragte Gutachten ist inzwischen fertig, muss jedoch noch einmal überarbeitet werden, weil sich die Vorschläge darin nicht mit dem Denkmalschutz vereinbaren ließen, berichtet die stellvertretende Leiterin des Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim, Thea Karcher-Kastner. Bis Dezember soll mehr Klarheit herrschen. In jedem Fall bräuchte das Gebäude einen zusätzlichen Fluchtweg, so viel steht bereits fest.

So weit, so gut. Doch es krankt an vielen Stellen. Zum Beispiel sind sich die Stadt als Mieter des Schlosses und das Land als Eigentümer uneins, wer für die Kosten zuständig ist. Die Stadt sieht beim Brandschutz klar den Eigentümer in der Pflicht, das Land verweist auf eine Vereinbarung im Mietvertrag, nach der die Stadt alle Innenarbeiten ausführen müsse. Die Stadt ging für die Brandmeldeanlage dennoch in Vorleistung – die kostet bis Jahresende rund 40 000 Euro –, damit es erst mal weitergehen kann. Doch das ist nicht als Dauerlösung geplant. „Die Brandmeldeanlage wird zum Jahreswechsel abgebaut, da sich keine schnelle Lösung hinsichtlich der Brandschutzforderungen abzeichnet“, heißt es von Bürgermeister Jürgen Troll.

Lange Zeit habe es vom Land überhaupt keine Informationen über die Entwicklungen gegeben. „Immerhin wurden wir informiert, dass das Land an einem Brandschutzkonzept arbeitet“, so Troll. Eine schnelle Lösung sei aber nicht in Sicht, „ganz im Gegenteil“. Nicht nur wegen der Finanzen, sondern auch aufgrund der Materie. Brand- und Denkmalschutz seien immer schwer unter einen Hut zu bekommen. Entsprechende Bauarbeiten erstrecken sich oft über Monate und länger.

Land baut auf Einigung mit der Stadt

Das Land hat die Übernahme der Kosten für die Anlage bislang abgelehnt. Ob es dabei bleibt oder ob sich in Anbetracht der drohenden Schließung daran etwas ändert, darüber gebe es noch keine Entscheidung, sagt Thea Karcher-Kastner. Zu allen weiteren Vorhaben wollte sie sich nicht äußern, bis das Konzept endgültig vorliege und klar sei: Was muss tatsächlich gemacht werden? „Aber wir gehen davon aus, dass zwischen dem Land und der Stadt Heimsheim eine Einigung über die Aufteilung der Kosten erzielt werden kann.“

Unabhängig von der Meldeanlage bleibt noch ein weiteres Problem: die Brandsicherheitswache. „Ich weiß von der Feuerwehr, dass so etwas nicht jeder machen darf“, berichtet Jürgen Gerhold, Vorsitzender des Kuratoriums Schleglerschloss. Und er könne von einer Handvoll Ehrenamtlicher nicht erwarten, dass diese sich regelmäßig und für so einen langen Zeitraum zur Verfügung stellten. „Wir haben für 2018 schon keine Veranstaltungen mehr angenommen.“ Anfragen gab es zwar, denjenigen werde er aber nun eine endgültige Absage erteilen. „Es bringt ja auch nichts, das ewig hinauszuzögern“, sagt Gerhold, den die Situation sehr trifft. Gerade vom Land habe er sich mehr Initiative und Informationen erhofft. „Man hatte immer den Eindruck: Keiner gibt so richtig Gas.“

Jetzt gelte es, für die Vereine eine Alternativlösung zu finden. „Besonders hart trifft es die Schlegler, die hier ihr Rittermahl veranstalten. Die können natürlich nicht einfach ausweichen.“ Er baue immerhin darauf, dass die Schließung nicht von Dauer ist und sich langfristig eine Lösung findet. „Zudem hoffen wir, dass wir bis dahin zumindest eine Nutzung für ganz kleine Gruppen genehmigt bekommen.“ Das wolle das Kuratorium sehr bald mit dem Landratsamt besprechen.

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