Rutesheim Wenn der Bogen auf Cellosaiten tanzt

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Claudio Bóhorquez bringt den Schülern sein Instrument nahe. Foto: factum/Bach Foto:  

Rutesheim - In der Aula des Schulzentrums herrscht gespannte Stille als der Cellist Claudio Bohórquez die Bühne betritt. Der Musiker ist Gastdozent der ersten Stunde bei der Cello-Akademie und Professor an der Stuttgarter Musikhochschule. Im geselligen Plauderton startet er die außergewöhnliche Schulstunde mit beeindruckenden Einblicken in das Leben eines Ausnahmemusikers.

„Ich liebe nicht nur die Musik sondern bin auch Fußballfan“, bekennt der in Karlsruhe aufgewachsene Musiker mit südamerikanischen Wurzeln, und das Eis zwischen dem Musiker und den Siebtklässlern ist gebrochen. Eindruck macht er bei den Schülern mit dem kurzen Abriss seines Wochenplanes: „Gestern war ich noch in Moskau, bin dann von Berlin nach Rutesheim gekommen und morgen geht es weiter nach Japan zu Konzerten, bevor ich zurück zur Cello-Akademie komme.“

Von der Morgentoilette des Bogens

Gut vorbereitet auf das Musik-Schulprojekt beantworten die Schüler in einem munteren Dialog die Fragen des Cellisten zu sein Instrument und lauschen spannenden Details. Die Pferdehaare des Bogens seien meist aus Sibirien und auf die Frage nach dem Pflegemittel nennt ein Schüler, bestens informiert, das Harz Kolophonium. „Das ist praktisch die Morgentoilette für den Bogen“, erklärt Bohórquez.

Auf dem Cello könne man sehr hoch spielen, fast wie auf einer Geige aber eben auch ganz tief, weist der Cellist auf das weite Klangrepertoire seines Instrumentes hin. „Diese Bandbreite macht wahnsinnig viel Spaß.“ Der 39-jähirge Ausnahmemusiker gewinnt durch seine lockere und unprätentiöse Art die Sympathie der Jugendlichen, die gespannt und mit außergewöhnlicher Disziplin seinen Erklärungen lauschen.

Mit viel Begeisterung für Johann Sebastian Bach – ein ganz wichtiger Komponist für Cellisten – leitet Claudio Bohórquez zur Demonstration des Saiteninstruments und nicht zuletzt seiner Klasse über. „Wenn man Bach hört oder spielt, ist das wie eine geistige Dusche“, vermittelt er den Schülern seine Begeisterung für den Komponisten überzeugend.

Den Auftakt seiner Kostproben macht das Präludium aus der ersten Suite in G-Dur und im spielerischen Dialog erfahren die Schüler vom Interpreten den Aufbau einer Suite, die Spieltechniken des Cellos und wie es gestimmt ist. Nach dem beschwingten Auftakt spielt Bohórquez die Sarabande und erklärt den Schülern anschließend plakativ, was es mit dem getragenen Musikstück auf sich hat: „Früher waren die Schlösser und Paläste die Diskotheken. Könige und Prinzen haben es ja nie eilig. Auf die wartet immer das Flugzeug“, erläutert der Cellist das langsame Spieltempo bildlich. Das habe was enorm Beruhigendes, die Zeit einfach mal so verstreichen zu lassen, muntert er die Schüler auf, diesen majestätischen spanischen Tanz selbst auszuprobieren. Wie alle Musiker hat Bohórquez ein besonderes Verhältnis zu seinem Instrument. 1687 wurde sein Violoncello vom Italiener Giovanni Battista Rogeri gebaut und reist mit dem Cellisten, der als Solist und in Begleitung von Toporchestern auftritt, rund um die Welt.

Ohne Fleiß kein (Musik-)Preis

Nach dem Marsch aus der Musik für Kinder von Sergej Prokofieff beantwortet Bohórquez geduldig Fragen. So sei er schon immer davon begeistert, dass man mit Musik Gefühle ausdrücken kann. Ohne Fleiß aber kein (Musik-)Preis. Das weiß auch der in jungen Jahren mit dem Leonberger Jugendmusikpreis geehrte Künstler, dessen Eltern – beide Berufsmusiker – auf tägliches Üben bestanden. Was als Siebenjähriger mit täglich einer halben Stunde üben begann, war im Alter von 15 schon drei Stunden Aufwand. Nie habe er sich aber ein Leben ohne die Musik vorstellen können. Heute sei es ein Vollzeitjob und auch der Meister übe noch sechs Stunden am Tag. Zum Schluss stehen die Schüler, bis dahin eher keine Klassikfans, beim sympathischen Musiker an und freuen sich über ein Autogramm.

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