Renningen Was Wein mit der Krippe zu tun hat

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Pfarrer Pitzal erklärt Albert Kaspari seine Krippe. Foto: Ute Jenschur

Renningen - Es ist der erste Termin des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg (OGWV) im neuen Jahr: Der Besuch der Malmsheimer Krippe in der Martinuskirche steht auf dem Programm. Eigens für die Hobbygärtner hat der katholische Pfarrer Franz Pitzal einen Termin freigeschaufelt, um sein Krippenmotto „Dein ist die Zeit“ vorzustellen. Kurz zuvor an diesem Abend hat er noch schnell die Sternsinger gesegnet und entsendet und so ist ihm die kleine Verspätung zum Start zu verzeihen. Denn Zeit ist ein knappes Gut bei Pfarrer Pitzal. „Wer ihn kennt, weiß genau, dass gerade ihm gerne die Zeit davonläuft. Er steht immer unter Volldampf“, erzählt der OGWV-Vorsitzende Albert Kaspari.

Erster offizieller Krippenbesuch

Seit 1973 bereits kennen sich die beiden. So war Pfarrer Pitzal Gründungsmitglied der Renninger Schlüsselgesellschaft, bei der Kaspari rund dreißig Jahre aktiv war. Doch einen offiziellen Krippenbesuch gab es noch nie. Kurz vor Weihnachten entstand spontan die Idee und rund 120 Teilnehmer sind der Einladung gefolgt. Darunter auch Mitglieder befreundeter Obst- und Gartenbauvereine. Den weitesten Weg an diesem Abend haben Esther und Walter Kegreiß, sie sind aus Gäufelden nach Malmsheim gekommen, andere kommen aus Weissach, Rutesheim und natürlich aus Leonberg und Eltingen. Unter musikalischer Begleitung von Rainer Kühnle stimmen alle in bekannte Weihnachtslieder ein.

Die Krippe greift in diesem Jahr kein historisches Thema auf, sondern wirft einen Blick auf unsere heutige Zeit, in der wir einerseits bei Arbeit und Hobby unter großem Zeitdruck stehen und andererseits mehr denn je auch Zeiten der Ruhe brauchen, in der Kirche, in der Familie, beim Waldspaziergang oder auch im Garten. Eine Steilvorlage also für den Obst-, Garten- und Weinbauverein, vor allem, weil in der aktuellen Krippe viele Motive verarbeitet sind, die mit Landwirtschaft, Obstbäumen und Weinbau zu tun haben. Im hinteren Bereich der Kirche finden sich die Jahreszeiten wieder und der Wandel der Natur. Hier blühen Blumenwiesen, es gibt eine Fruchtsäule, einen Marktstand mit Obst und Gemüse, eine gut gefüllte Weinstube darf nicht fehlen und ein Apfelbaum steht in voller Pracht, den die Gartenfreunde besonders bewundern.

Krippe kostet kaum etwas – außer Arbeit

„Der Apfelbaum ist übrigens aus einem alten Rebstock geformt und mit kleinen Äpfeln dekoriert“, lacht der Pfarrer und freut sich, dass wieder aus wenig viel gemacht werden konnte bei der Ausgestaltung der Krippe. „Die Krippe selbst kostet uns kaum etwas außer Arbeit“, erklärt er, sie bestehe hauptsächlich aus schwäbischem „Kruscht“, also Krimskrams oder Dingen, die andere nicht mehr brauchen können. „Man muss einfach nur Ideen haben.“ Ohne ehrenamtliche Helfer aber wäre der Aufbau der Krippe gar nicht möglich. Das Thema Ehrenamt ist auch für den OGWV-Vorsitzenden Albert Kaspari wichtig. „Ohne das Ehrenamt und die Leistungen der ehrenamtlichen Tätigkeit würden viele Bereiche unserer Gesellschaft nicht funktionieren. Die ehrenamtlich Tätigen schenken ihren Mitmenschen Zeit“, betont Kaspari bei der Begrüßung der Gäste. Zeit, die auch der Obst,- Garten- und Weinbau und die Landwirtschaft brauchen. Auch der Erhalt von Streuobstwiesen ist nur dank ehrenamtlichem Engagement möglich.“

Neben ernsten gibt es aber auch durchaus humorvolle Motive in der Krippe: Über der Miniatur des Leonberger Krankenhauses dreht sich ein goldener Wetterhahn, der ein großes Pflaster auf dem Gefieder trägt: Sein Vorbild ist der Wetterhahn auf der Weil der Städter Peter und Paul Kirche, der einst kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs von einem französischen Soldaten angeschossen wurde. „Immerhin“, so Pitzal, „ist der Gockel der erste Wecker der Zeitgeschichte, deshalb hat er einen prominenten Platz in der Krippe gefunden.

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