Neubau in Renningen Sozialwohnungen sind ein rares Gut

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Jetzt wird gebuddelt: Mit dem symbolischen Spatenstich beginnen die Bauarbeiten an der Magstadter Straße. Foto: factum/Granville

Renningen - Nur 34 Menschen besitzen in Weil der Stadt einen sogenannten Wohnberechtigungsschein, in Leonberg sind es 51. Das klingt nach sehr wenig. Auch in Renningen ist die Zahl „verschwindend klein“, berichtet die Sprecherin der Stadt, Marlies Delago. Ein solcher Schein wird an Menschen ausgestellt, die wenig Geld verdienen oder Leistungen vom Sozialamt oder dem Jobcenter bekommen. Er berechtigt einen Mieter, in eine Sozialwohnung zu ziehen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wird und entsprechend günstig ist.

Doch die Zahl der ausgegebenen Scheine hat wenig mit der Zahl derjenigen zu tun, die einen Anspruch darauf hätten. Allein die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II lag im Landkreis Böblingen im August 2018 bei mehr als 6600 – wobei auch Familien als einzelne Empfänger gelten. In Renningen waren es 219, in Weil der Stadt 313, in Leonberg 936. Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hätten noch weit mehr Menschen, zum Beispiel Geringverdiener.

Aber wo es keine Sozialwohnungen gibt, bringt einem auch ein Berechtigungsschein nicht viel. Denn es gibt keinen Automatismus, dass jemand, der einen Wohnberechtigungsschein hat, direkt eine passende Wohnung zugewiesen bekommt. Auch das Angebot muss da sein. „Wir haben deshalb auch eine Warteliste“, berichtet Tom Kleinfeld, Sprecher der Stadt Leonberg.

Wenige Sozialwohnungen im Umkreis

Bislang ist die Zahl der reinen Sozialwohnungen im Umkreis sehr überschaubar. Kommunale zumindest gibt es weder in Leonberg noch in Weil der Stadt, in Renningen seit einigen Jahren auch nicht mehr. Zugleich gibt es aber Wohnbaugesellschaften, die von sich aus Sozialwohnungen anbieten, zum Beispiel in Weil der Stadt. Die Zahlen sind aber nicht erfasst.

Einige Kommunen versuchen mittlerweile, in dieser Hinsicht etwas zu bewegen, indem sie die Vergabe von Bauplätzen in Neubaugebieten an Bedingungen knüpfen, damit dort eine Mindestzahl an Sozialwohnungen entsteht. Andere, die wie Renningen und Weissach kommunale Baufirmen haben, werden selbst im sozialen Wohnungsbau aktiv.

In Renningen erfolgte nun der Spatenstich zu einem neuen Mehrfamilienhaus an der Magstadter Straße, wo vormals das ehemalige Schlachthaus stand. Es wird sich auch dabei nicht um eine „echte“ Sozialwohnung handeln, da sie nicht subventioniert wird. Jedoch will die Stadt sie ausschließlich an Menschen vergeben, die einen Wohnberechtigungsschein besitzen.

Nicht mehr auf Schnallenäcker III warten

Im Baugebiet Schnallenäcker II war ein solches Vorhaben aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande gekommen. „Aber auf Schnallenäcker III wollten wir nicht mehr warten“, berichtet Peter Müller, Erster Beigeordneter der Stadt und Geschäftsführer der Stadtbau Renningen GmbH. „Es ist hier zwar ein eher kleines Projekt, aber wir wollten damit auch ein Zeichen setzen und endlich loslegen.“ Auf dem Grundstück Magstadter Straße 12/Humbildtstraße 20 entsteht ein Gebäude mit fünf Wohnungen, darunter sowohl kleinere Zwei-Zimmer-Wohnungen als auch zwei große für Familien. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 1,6 Millionen Euro. Die Stadt rechnet damit, dass das Haus bis zum Frühjahr 2020 bezugsfertig sein wird.

Dass es sich dabei um keine reinen Sozialwohnungen handeln wird, liegt auch daran, dass die Stadtbau als Tochtergesellschaft der Stadt schwarze Zahlen schreiben und auf ihr Kapital achten muss. Für eine echte Sozialwohnung müsste die Miete mindestens ein Drittel unter den üblichen Vergleichsmieten liegen. Dazu will sich die Stadtbau im Hinblick auf die Kosten aber nicht verpflichten.

Die Miete in dem Neubau wird sich letztlich danach richten, wie teuer das Projekt am Ende wird, sagt Müller. „Wir wollen hier keinen Gewinn machen.“ Doch das Gebäude müsste sich tragen. „Wir möchten die Miete in jedem Fall so niedrig ansetzen, dass sie von den Leistungsträgern übernommen wird.“ Die genauen Vergabekriterien für die Wohnungen werden erst im nächsten Frühjahr festgesetzt, Anträge werden vorher nicht angenommen.

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