Narren-Wochenende an Dreikönig Die Narrenzunft-Familie vergrößert sich

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Jetzt hat auch Rutesheim seine eigenen Hexen. Foto: factum/Granville

Rutesheim - Nach schwäbisch-alemannischem Brauch ist es am Wochenende wieder soweit gewesen: Für die altgedienten Hexen war es Zeit, ihre Masken aus den Schränken hervorzuholen. In Flacht haben die Strudelbachhexen ihre Masken abgestaubt, in Leonberg die Waldhexen und in Gebersheim die Leicha-Hexa. In Schafhausen waren die Schafberg-Meckerer unterwegs und haben die Sitzung der Feuerwehr gestürmt, in Weil der Stadt haben die Schelme der AHA ihre Felletse gefeiert und in Warmbronn sind die Beerlesklopfer aus dem Wald gekommen.

In Rutesheim hingehen war sprichwörtlich Taufe. An der Eisengriffhütte mussten sich die noch Maskenlosen einer Feuerprobe unterziehen, um in den Kreis der Hexen aufgenommen zu werden. Bei den Ruademser Gumpa Hexa handelt es um eine noch blutjunge Narrenzunft. Sie erhob am Samstag sämtliche Anwärter mit einem Schlag in den Hexenstand. „Wir hatten schon seit längerem die Idee, eine eigene Narrenzunft zu gründen,“ erklärt Hexenmeister Andreas Flöck. „Die Weil der Städter haben jedes Jahr einen wahnsinnigen Spaß und da haben wir uns gefragt: Warum nicht auch wir?“

Vorbild Weil der Stadt

Seit der Gründung im März 2017 sind Flöck, Daniel Ziegler und Melanie Tilhard, die zu dritt den Vorstand bilden, mit den Vorbereitungen für die erste große Veranstaltung beschäftigt. Und als am Samstag um 14 Uhr die große Stunde herangerückt ist, erfahren die Gumpa Hexa auch Unterstützung durch die Narrenzünfte der Nachbargemeinden. Um eine Hexe werden zu können, bedarf es nämlich der Hand einer schon getauften. Bevor die Vorstände also ihre Mitglieder in den Kreis der Hexen aufnehmen können, müssen sie sich zunächst selbst einer Feuerprobe unterziehen.

Zwei Scafhusa Hoga aus Schafhausen übernehmen das. Der Vorstand der Gumpa Hexa muss auf der Rutsche in ein Kohlebad schlittern und ein giftgrünes Gebräu unbekannter Zusammensetzung hinunter würgen. Als schließlich das Taufwasser, ebenfalls in einem höchst suspekten Grün, über die Häupter gegossen wird, ist die Freude jedoch ebenso groß wie der Ekel. Denn endlich dürfen die Täuflinge in ihr gelbgrünes Häs schlüpfen: „Für die Besucher ist es eine Überraschung, wie unser Häs aussieht,“ sagt Melanie Tilhard. „Ich habe mich bei der Gestaltung an den Farben des Rutesheimer Wappens orientiert. Und unsere Hexen haben ihr Kostüm nach dieser Vorlage selbst genäht.“

Locker und familienfreundlich

Die 28-jährige Maren Raisch ist eine der Hexenanwärterinnen. Sie ist im Internet durch Facebook auf den neuen Verein aufmerksam geworden: „Ich habe dann den Stammtisch besucht und mich dort sofort wohl gefühlt“, berichtet sie. Eben diese Atmosphäre nennen die Ruademser Gumpa Hexa auch ihr Markenzeichen: „Bei uns geht es sehr locker und familienfreundlich zu,“ sagt Tilhard. „Wir haben besonders viele Kinder mit dabei und schon 17 kleine Hexen. Wir versuchen gerade, die Jungen stark mit einzubeziehen und ihnen die Freude an der Fasnacht-Tradition zu vermitteln.“

Und diesem Anspruch machen sie auch alle Ehre: Schon während der Taufzeremonie springen die Kinder ausgelassen auf dem Spielplatz umher, da sind die erwachsenen Besucher noch etwas verhaltener als ihr Nachwuchs. Am späten Nachmittag jedoch, als schließlich alle Mitglieder der Zunft hoch offiziell in den Hexenstand erhoben sind, ist mit der Guggenmusik der Ehninger Edafetzer die Stimmung längst nicht mehr zu halten.

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