Nach Demonstration in Kornwestheim Die AfD erklärt das Opfer der Schubserei zu „Täterin“

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Demonstration auf dem Kornwestheimer Marktplatz wegen einer geplanten Moschee. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Die Berichterstattung über den Angriff auf Candan S. während der AfD-Kundgebung in Kornwestheim am Wochenende hat hohe Wellen geschlagen. Die TV-Journalistin hatte auf dem Marktplatz gefilmt, Teilnehmer der Demonstration hatten sich davon bedrängt gefühlt, es kam zu Handgreiflichkeiten gegen die Journalistin. In Online-Foren und auf Facebook wird das Thema kontrovers diskutiert. Manche Kommentatoren werfen Candan S. vor, mit ihrem Auftreten provoziert, die Demo-Besucher in Nahaufnahme gefilmt und sich fälschlicherweise als Opfer dargestellt zu haben.

Am Montag springt auch der AfD-Kreisverband auf diesen Zug auf. Man verweist auf Online-Videos, auf denen Candan S. während der Kundgebung zu sehen ist. Die AfD hatte die Kundgebung gegen den Moscheeneubau in Kornwestheim organisiert. Die AfD erklärt auf ihrer Internetseite, Candan S. habe den Vorfall provoziert und sei selbst „Täterin“. Die Videos zeigen, wie die TV-Journalistin in der Menge unterwegs ist, filmt, mit Demonstrationsteilnehmern und Polizisten spricht und schließlich gemeinsam mit Polizeibeamten die Menge verlässt. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigten das Kornwestheimer Polizeirevier und das Präsidium Ludwigsburg am Montag noch einmal, dass die Journalistin bedrängt worden sei. Auf jeden Fall habe es „eine Schubserei gegeben“, sagte der Pressesprecher Peter Widenhorn.

Polizeirevierchef bestätigt den Vorfall

Der Kornwestheimer Revierleiter Swen Eckloff sagt, die junge Frau sei angegangen worden. „Sie war sehr aufgelöst.“ Candan S. hat außerdem von einem Stoß in den Nacken berichtet. Daher werde nun wegen versuchter Körperverletzung ermittelt, Beteiligte würden befragt, so die Polizei. Widenhorn sagt, Teilnehmer der Demonstration hätten das Gefühl gehabt, „persönlich von der Kamera“ ins Bild genommen worden zu sein. „Wenn man das tut, sollte man die Leute schon vorher fragen, ob das in Ordnung geht“, bewertet er die Situation. Aber: Die Reaktion auf die Journalistin sei auf jeden Fall nicht angemessen gewesen.

Candan S. hat sich nicht, wie in manchen Kommentaren unterstellt, aktiv in den Mittelpunkt der Berichterstattung gestellt. Vielmehr kam unsere Zeitung selbst auf die Journalistin zu und befragte sie zu dem Vorfall, Candan S. suchte nicht von sich aus den Kontakt zu anderen Redakteuren. Ein weiterer Vorwurf im Netz gegen die Journalistin: Ihre türkische Herkunft sei nicht bekannt gewesen und könne daher nicht ausschlaggebend für einen möglichen Angriff gewesen sein. Candan S. erklärt dazu, sie haben sich auf der Demonstration bei Gesprächspartnern mit ihrem Namen vorgestellt, der auf einen türkischen Hintergrund schließen lasse.

Die AfD spricht von „Fake News“

Am Montag lässt Candan S. offen, ob sie rechtliche Schritte einleitet. Der Ludwigsburger AfD-Bundestagsabgeordnete und Hauptredner Martin Hess, der auf Facebook einmal mehr von „Fake-News“ schreibt, war am Montag nicht für eine persönliche Stellungnahme zu erreichen.

Bekannt wurde aber auch noch ein weiterer Zwischenfall nach der Demonstration: Vermummte linke Gegendemons­tranten, mutmaßlich aus dem Umfeld der Antifa, griffen in der Stotzstraße Teilnehmer der AfD-Kundgebung an, verletzten einen davon leicht. Auch in diesem Fall ermittelt die Polizei.

„Es gibt zwei Tatverdächtige“, so Widenhorn, „Ermittlungen wegen weiterer Beteiligter laufen noch.“

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