LKZ-Winterinterview mit Daniel Töpfer „Ich verordne kein Lächeln“

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„Ich weiß sehr konkret, was ich haben möchte“: Töpfer im Rathaus Flacht Foto: factum/Bach

Weissach - Die große Baustelle der Flachter Ortsdurchfahrt hat die Mitarbeiter im Weissacher Rathaus im vergangenen Jahr die meisten grauen Zellen gekostet. Gleichzeitig hat das Bürgeramt im Flachter Rathaus zum Jahreswechsel geschlossen. Zeit also für ein letztes ­Gespräch dort, mit Daniel Töpfer, dem obersten Rathaus-Mitarbeiter – im Büro des ehemaligen Ortsvorstehers von Flacht.

Herr Bürgermeister! Erschrecken Sie eigentlich immer noch bei dieser Anrede?
Nein, das hat sich gelegt. Am Anfang war das etwas seltsam, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass der Nach­name oft durch meine Berufsbezeichnung ersetzt wird.
Wie oft müssen Sie noch erklären, dass Sie nicht nur der „Referent von“ sind?
In unserer Gemeinde kommt das nicht mehr vor, mein Gesicht ist inzwischen bekannt. Wenn ich auswärts bin, gibt es doch immer wieder interessante Situationen. Die meisten sind erstaunt, schauen erst mal und fragen dann: So jung? Dann sage ich: Ja, sogar schon seit drei Jahren bin ich im Amt. Die Leute sind aber immer positiv überrascht, dass es auch junge Kerle gibt, die diesen Beruf ausüben.
Macht es einen Unterschied, ob ein Bürgermeister 55 Jahre alt ist, oder unter 30?
Meiner Meinung nach einen sehr deutlichen. Ansichten, Wissen, Vorstellungen – etwa für eine Gemeindeentwicklung – sind bei einem jungen Menschen anders, als bei älteren Kollegen. Ich habe in meiner Nachbargemeinde Wiernsheim einen geschätzten Kollegen, Karlheinz Oehler, der schon 35 Jahre im Amt ist. Ich glaube, dass wenn man uns beide vergleichen würde, sehr deutlich wird, dass es Unterschiede etwa bei den Themen Digitalisierung oder der Außendarstellung der Gemeinde gibt, die ich aufgrund meines Alters ganz anders ­angegangen bin.
Was meinen Sie da konkret?
Ich bin mit dem Motto „Neustart für ­Weissach und Flacht“ gestartet und habe gesagt: Wir müssen Dienstleister werden. Wir haben eine grundlegend neue benutzerfreundliche Homepage, seit Neujahr ein neues, modernes Mitteilungsblatt, viele komplett neue Formulare und erweiterte Öffnungszeiten im Rathaus.
Sie sprechen von „Kunden“ und der „Marke Weissach“. Was beinhaltet die alles?
Die Marke, die ich ausbilden möchte, hat das Rathaus im Fokus. Ein bürger- und ­serviceorientiertes Rathaus stellt nicht die Frage der Zuständigkeit, sondern kümmert sich um die Anliegen seiner Kunden. Da müssen wir wegkommen vom „Amtsschimmel“. Wir sind für die Bürger da – und das müssen wir deutlich machen.
Das heißt, sie verordnen Ihren Mitarbeiterinnen, wie oft sie lächeln?
Ich verordne kein Lächeln, sondern ich versuche, den Dienstleistungsgedanken vorzuleben und vorzudenken. Das können Sie nicht mit einer Dienstanweisung verordnen, sondern das ist eine Aufgabe, die viele Jahre dauert und viel Zeit und Nerven kostet. Das beginnt mit der Außenwirkung beim Kunden. Wer ins Rathaus kommt, wird begrüßt und beraten – und nicht mit dem Hinweis: „Da sind wir nicht zuständig“ weggeschickt. Ich betrachte dabei zwei ­Aspekte: Wie machen wir es – und machen wir es effizient genug? Warum muss ich fünf Formulare vorhalten, wenn zwei ­ausreichen? Aber Sie haben Recht: Ein ­Lächeln schadet nie.
Ist das Ihr Führungsstil? Dass Sie sehr konkrete Vorstellungen haben und das in jedem noch so kleinen Bereich des Rathauses durchsetzen wollen?
Mein Führungsstil zeichnet sich dadurch aus, dass ich sehr konkret weiß, was ich haben möchte und wie es ausgestaltet werden soll. Aber das funktioniert nicht nach der Order: Dahin geht’s – und jetzt machen wir’s! Sie müssen die Mitarbeiter, die es hinterher umsetzen, dafür begeistern. ­Ohne meine Mitarbeiter im Rathaus kann ich all die Ideen nicht umsetzen.
Bleibt da Platz für die Eigenverantwortung der Mitarbeiter?
Zwingend. Das ist mein Grundsatz: je mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter übernimmt, desto besser funktioniert es. Am Anfang habe ich die Zügel sehr eng an­gelegt, weil es – vereinfacht ausgedrückt – fast gar keine Regeln gab. Es gab ja nicht einmal Grenzen für die Bewirtschaftung, die festlegen, wie viel Geld ein Mitarbeiter ausgeben darf. Nach rund einem Dreivierteljahr habe ich die Zügel gelockert und meinen Führungskräften mehr Verantwortung übertragen. Meine Amtsleiter können bis 10 000 Euro selbst entscheiden, weil ich weiß, dass sie das gut machen.
Wie weit sind Sie auf dem Weg der Umstrukturierung des Rathauses?
Geschätzt etwa im letzten Drittel. Jetzt gilt es, all die Konzepte und Ideen final umzusetzen. Das beginnt 2018 umfangreich im Bürgerbüro. Ich werde den Dienstag als Schließtag abschaffen und wir werden auch bei der Kundenbetreuung im Rathaus einiges ändern. Darüber hinaus werden wir 2018 digitale Dienstleistungen einführen, sodass nicht mehr für alles zwingend der Gang aufs Rathaus notwendig ist.
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