AWO Leonberg Wenn einem die Schulden über den Kopf wachsen

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Die Pfändung ist beschlossen. Foto: dpa

Leonberg - Natürlich waren es die Schuldner selbst, die Kredite aufgenommen haben, Dinge gekauft oder im Internet bestellt haben, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können“, kennt das Team der ehrenamtlichen Schuldnerberatung der Leonberger Arbeiterwohlfahrt die Problemsituation. Mit der Miete im Rückstand, der Strom ist nicht bezahlt, kein Geld mehr für Lebensmittel, der Gerichtsvollzieher kündigt sich an – viele Menschen haben den Überblick über ihre finanziellen Verhältnisse verloren.

„Auch die Zahl der Spielsüchtigen, die in den letzten Monaten bei uns um Hilfe nachgefragt haben, ist Besorgnis erregend“, berichtet der Awo-Ortsvereinsvorsitzende Marcus Mörk. Zusammen mit Margarete Knopf und Dirk Schaper nimmt er sich ehrenamtlich den Hilfesuchenden in Leonberg und Umgebung an.

Selber Schuld? Die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 19. bis 23. Juni rückt die Not vieler über- und verschuldeter Menschen in den Blickpunkt. Häufig kommen aber besondere persönliche Lebensumstände wie Trennung oder Scheidung, Krankheiten oder Arbeitslosigkeit dazu, die dann das gesamte finanzielle Kartenhaus zum Einsturz bringen. Menschen ohne Berufsausbildung sind dabei besonders schnell am Rande der Zahlungsfähigkeit, weil das geringe Einkommen einfach nicht mehr ausreicht.

Hilfe anzunehmen, ist nicht leicht

Auch die Zahl der psychisch kranken überschuldeten Menschen nehme zu. Wegen Depressionen, Angstzuständen, Panik den Anforderungen im Beruf und privat nicht mehr gewachsen zu sein, ziehen sich viele Menschen zurück. „Sie leeren ihren Briefkasten nicht mehr oder machen aus Angst vor einer weiteren Mahnung oder Schreiben des Gerichtsvollziehers die Post gar nicht mehr auf“, kennt man bei der Awo den verhängnisvollen Weg.

Die Erkenntnis der Schuldner, fremde Hilfe anzunehmen um aus der finanziellen Misere herauszukommen, brauche oftmals viel Zeit und sei kein einfacher Prozess, wissen die drei aus Erfahrung. Sie mussten auch feststellen, dass so mancher Schuldner zwischendurch auch den Mut verliere.

Oft bleibe nur der Weg in die Privatinsolvenz, auch wenn das Team der ehrenamtlichen Awo-Schuldnerberater immer betont: Der Grundsatz sei, dass man für seine Schulden einzustehen hat.

„Viele der Menschen die bei uns Hilfe suchen, sind bereit, auch von ihrem nicht pfändbaren Einkommen monatliche Ratenzahlungen sich vom Mund abzusparen. Wir unterstützen dabei durch die Zusammenstellung der Einkünfte, der Aufstellung von Ausgaben-Budgets und der strukturierten Betrachtung der wirtschaftlichen Situation, bringen Klarheit ins Dunkle und versuchen Vergleiche auszuarbeiten“, erläutern Margarete Knopf und Dirk Schaper. Außergerichtliche Einigungsversuche mit Gläubigern führten jedoch nicht immer zu einer Lösung. So bleibe für die „redlichen Schuldner“, wie es der Gesetzgeber formuliert hat, die Privatinsolvenz als Chance auf einen finanziellen Neustart. „Leicht, schnell und billig wird man dabei aber nicht die Schulden los, wie es so manche zweifelhaften Angebote im Internet suggerieren“, warnt Markus Mörk.

„Dankbar sind wir für die sehr gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Diakonie, auch der Stadt, die uns die Schuldnerberatungen in den Räumen des Bürgerzentrums Stadtmitte ermöglicht“, ist der Awo-Vorsitzende erleichtert.

Kein leichtes Unterfangen

Angefangen hatte die ehrenamtliche Schuldnerberatung zunächst mit Vorträgen und Workshops an Leonberger Schulen. Mittlerweile wurde die zunächst einmal monatlich stattfindende Sprechstunde auf grundsätzlich jeden Montag ausgeweitet und personell verstärkt. Die Schuldnerberatung der Awo Leonberg ist kostenlos.

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