Leonberg Ein Schnäppchen für sechs Millionen Mark

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Postkartenansicht des „alten“ Neuen Rathauses aus den 80er Jahren. Foto: Archiv

Leonberg - „Ein bisschen weh tut mir das schon“, sagt Wolfgang Rückert. Nur noch ein Gerippe ist vom einstigen Neuen Rathaus der Stadt Leonberg übrig. Der lange Arm des Baggers hat sich durch die Etagen gewühlt, allein das Treppenhaus und einige wenige Büros sind noch übrig. Aber nicht mehr lang. Dann ist das ehemalige Landratsamt des Kreises Leonberg endgültig Geschichte.

Den früheren Ersten Bürgermeister der Stadt und späteren Finanzstaatssekretär verbindet dabei eine ganz besondere Geschichte mit dem Gebäude. „Dieses Haus ist die Wurzel meines Berufslebens“, sagt Wolfgang Rückert. 1964 habe er seine Staatsprüfung im gehobenen Verwaltungsdienst abgelegt und schon im Jahr darauf im Landratsamt Leonberg begonnen, wo er fünf Jahre blieb. Unter anderem arbeitete er dort mit Eberhard Heckeler (späterer Bürgermeister in Gebersheim) oder Bernhard Maier (später Bürgermeister in Renningen und Böblinger Landrat).

Der Landkreis Leonberg wird 1973 aufgelöst

Nach einem dreijährigen Intermezzo als Stadtkämmerer in Spaichingen unter dem dortigen Bürgermeister Erwin Teufel kehrte er 1972 zurück nach Leonberg: als Erster Bürgermeister unter dem damals 33 Jahre alten OB Dieter Ortlieb. Rückert, gerade 30 geworden, musste seinen Dienst im Alten Rathaus am Marktplatz antreten. „Das Johannes-Kepler-Gymnasium war gerade eingeweiht worden und das erste größere Projekt, das anstand, war der Bau des Sportzentrums mit Hallenbad“, erinnert sich Rückert. Dann wurde der Kreis Leonberg zum 1. Januar 1973 aufgelöst. „Ich wurde damit beauftragt, mit dem Kreis Böblingen über den Kauf des ehemaligen Landratsamtes zu verhandeln“, erzählt Wolfgang Rückert.

Zu Gute kam ihm dabei, dass sein Gegenpart, der Kreispfleger im Landratsamt Böblingen, die gleiche Position bereits im Altkreis Leonberg innegehabt hatte. Auf sechs Millionen Mark belief sich schließlich der Kaufpreis – „ein recht günstiger Preis“, befindet der damalige Erste Bürgermeister, denn das gesamte Gelände gehörte ebenfalls dazu. Rückert war auch der erste, der mit seiner Abteilung 1974 dort einzog. 18 Jahre lang befand sich sein Büro im Erdgeschoss, bevor es ihn in den Landtag zog.

25 Jahre Abstand sind eine lange Zeit

25 Jahre ist das jetzt her. Da war das Rathaus sicher noch besser in Schuss. „Wir hatten einen guten Bausachverständigen, der war immer hinterher, dass alles gut funktionierte und den gesetzlichen Anforderungen entsprach“, meint Rückert.

Dass Mängel bei der Technik und dem Brandschutz letztlich dazu führten, dass die Betriebserlaubnis für das Gebäude nur bis zum Februar 2017 verlängert wurde und der Gemeinderat sich am Ende für einen Neubau statt für eine Komplettsanierung entschied – das möchte Rückert nicht kommentieren. „Da liegt doch eine ganze Generation dazwischen“, sagt er.

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