Jugendforum Leonberg Vom Motzen zum konstruktiven Dialog

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OB Martin Kaufmann lässt sich von den Jugendlichen ihre Ideen erklären. Foto: factum/Bach

Leonberg - In der Stadthalle herrscht am Freitagmittag eine Geräuschkulisse wie auf einem Pausenhof. Das hat seinen Grund: Bei der dritten Auflage des Jugendforums haben rund 100 Schüler aus sechs weiterführenden Schulen ihre Ideen zur Zukunft Leonbergs auf Plakatwänden visualisiert. Nun wollen sie ihre Vorschläge den Vertretern der Stadt und den Gemeinderäten vorstellen.

„Mehr Technologie in der Schule“, steht da auf einer Stellwand, die Jugendliche von mehreren Schulen gestaltet haben. Sie beklagen, dass sie ihre Handys in der Schule im Sekretariat abgeben müssen. „Wir wollen die Handys nicht im Unterricht benutzen, aber wenn meine Schwester im Krankenhaus liegt, kann ich sie in der Pause nicht anrufen, weil die Schlange vor dem Sekretariat zu lang ist“, sagt Paul Keilbach vom Johannes-Kepler-Gymnasium. Oberbürgermeister Martin Kaufmann schlägt als Kompromiss vor, Halteschalen für Handys an einer Wand zu befestigen. „Damit könnten wir gut leben“, sagt Valentin Meyer vom Albert-Schweitzer-Gymnasium.

Positive Erfahrung mit Politik und Demokratie

Es ist dieses Prinzip des unmittelbaren Feedbacks, das die Idee des Jugendforums kennzeichnet. „Wir wollen Jugendlichen eine positive Ersterfahrung im Umgang mit Politik und Demokratie ermöglichen“, erläutert Moderator Erik Flügge von der S und N Kommunalberatung, der dieses Konzept der offenen Jugendbeteiligung in Zusammenarbeit mit der Stadt erarbeitet hat. Wenn junge Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit hätten, Dinge zu kritisieren, geschehe das meist durch Motzen. „Mit dieser Veranstaltung wollen wir vom Motzen zum konstruktiven Dialog kommen“, erklärt Flügge, der solche Veranstaltungen bundesweit organisiert.

Nach seiner Erfahrung gibt es Themen wie schlechte Busverbindungen oder zu langsames Internet, die in fast jeder Kommune zu hören sind. Zu den Klassikern in Leonberg gehöre die Sauberkeit im Stadtpark, die auch in diesem Jahr ihren Platz auf gleich mehreren Plakatwänden findet. Aber es gibt auch neue Themen und Aspekte – zum Teil aus ganz aktuellem Anlass.

Kritik: Brandmelder statt Rauchmelder

So bemängeln Kim Brixner und Patricia Honal von der Gerhart-Hauptmann-Realschule (GHR), in der Mitte März ein Feuer ausgebrochen war, dass es in ihren Räumlichkeiten keine Rauchmelder gebe, sondern nur Brandmelder. „Wir würden uns sicherer fühlen, wenn es Rauchmelder gäbe, die automatisch Alarm auslösen“, sagt Kim Brixner. Die Politiker, die bei ihnen vorbeigeschaut hätten, wollten sich darum kümmern, sagen sie.

Ein Mini-Spielfeld mit Banden und Netzen wie in Rutesheim wünscht sich eine Schülergruppe der GHR, um Fußball spielen zu können. „Zu der Zeit, zu der wir kicken wollen, sind die Vereinsplätze oft geschlossen“, sagt Auron Hadergjonaj. Auch sie hätten für ihre Idee von mehr Bewegungsmöglichkeiten für Jugendliche offene Ohren gefunden, erzählt er. Zudem wünschen sich mehrere GHR-Schüler eine größere Essensauswahl am Schulkiosk.

Thomas Brüggemann, Jugendreferent der Stadt Leonberg, hat das Jugendforum in diesem Jahr erstmals organisiert. „Ich bin total begeistert, wie engagiert die Schüler waren, und was für tolle Ergebnisse sie herausgearbeitet haben“, sagt er. Er freut sich, diese Themen jetzt gemeinsam mit den Jugendlichen anzupacken. Das Jugendforum endet mit der Empfehlung an die Schüler, sich im Jugendausschuss zu engagieren, um die Themen dort am Brennen zu halten.

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