Johannes-Kepler-Gymnasium Weil der Stadt Wie mit einem Drucker eine Hand entsteht

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Katrin Kolmer-Kurtz (rechts) und der Leiter der Robotics-AG am Kepler-Gymnasium, Thomas Jörg (3.v.l.), begrüßen Gäste aus fünf verschiedenen Ländern. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Gäste aus Italien, Frankreich, Dänemark, Griechenland und Rumänien – eine Delegation in einer europäischen Vielfalt, wie man sie sonst eher aus dem EU-Parlament kennt, – hat das Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt am Montag empfangen. Der Anlass ist ein neues Projekt aus dem länderübergreifenden und länderverbindenden EU-Programm „Erasmus+“. Das Projekt trägt den Titel „IoT (Internet of things) in education – we are the makers!“, initiiert hat es das JKG selbst. Es handelt sich dabei um das bislang größte „Erasmus+“-Projekt in Deutschland, das von einer Schule koordiniert wird. 230 000 Euro fließen hin­ein, das gesamte Programm umfasst eine Fördersumme von 14,8 Milliarden Euro.

Das Ziel, das ganz oben über dem Projekt steht, lautet Bildung. „Getreu dem langjährigem Motto des Pädagogischen Austauschdienstes: Austausch bildet“, erklärt Katrin Kolmer-Kurtz, Lehrerin am JKG und Initiatorin des Projekts. Speziell in diesem Fall geht es um Bildung in Sachen 3D-Druck und Programmierung. Und ­darum, „den Jugendlichen, die in ihrem Unterricht 3D-Druck lernen, ganz vorn an die Front von Industrie 4.0 zu bringen und auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten“. Um das „Erlernen von Kreativität, Beteiligung an wirtschaftlichen Prozessen“ sowie die Ausbildung von digitalen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen.

3D-Hände für Kinder

Doch es steckt noch mehr hinter „IoT in education – we are the makers!“. Denn die Schüler sollen dabei nicht nur für sich selbst etwas lernen, ihre Produkte werden am Ende auch noch einen wichtigen Zweck erfüllen. Das Ziel ist nämlich, mit Unterstützung 3D-Hände für Kinder herzustellen, die nur mit einer Hand geboren worden sind.

Wesentlich für ein Erasmus-Projekt ist die Zusammenarbeit zwischen mehreren EU-Ländern. Außer Schulen und Universitäten sind oft auch Firmen und andere Einrichtungen involviert. Für das Weil der Städter Projekt sieht das nicht anders aus: Als Beteiligte konnte Katrin Kolmer-Kurtz unter anderem die Scuola di Robotica (Robotik-Schule) aus Italien und „E-Nable“ aus Frankreich – eine nichtwirtschaftliche Organisation, die 3D-Hände herstellt, – gewinnen.

Das Engagement im Bereich Robotik kommt nicht von ungefähr. Bereits 2015 nahm Kolmer-Kurtz für das JKG an einem Erasmus+-Projekt teil, bei dem sie eine slowakische Schule besuchte, an der Robotik unterrichtet wird. Auch die Robotics-AG des JKG hat bereits erfolgreich an Wett­bewerben teilgenommen. Auf der Suche nach einer neuen Idee stieß Kolmer-Kurtz schließlich auf die Scuola di Robotica: eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Wissenschaft der Robotik – von künstlichen Gliedmaßen bis hin zu kompletten humanoiden Robotern – Schülern, Lehrern und der Allgemeinheit nahezubringen. „Fiorella Operto, die Präsidentin der SdR, zeigte sofort Interesse“, so Kolmer-Kurtz. „Sie schlug weitere Partner vor, die sie aus anderen Projekten bereits kannte, und zusammen überlegten wir eine Projektidee.“ Es folgte ein Antrag bei der EU-Kommission um Bewilligung der Fördergelder – und nun der Projektstart.

Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt

Das heißt: Offiziell hat das Projekt im September 2017 begonnen, auf drei Jahre ist es ausgelegt. Am Montag aber ­haben sich Vertreter aller beteiligten Einrichtungen zum ersten Mal zu einer gemeinsamen ­Besprechung in dem Weiler Gymnasium getroffen. Heute gingen die Gespräche weiter. „Aber auch danach ist das noch lange keine fertige Sache, und wir werden natürlich noch weiter in Kontakt bleiben, um ­alles zu planen.“ Schließlich sollen am ­Ende europaweit um die 300 Schüler in­volviert sein, über Vernetzungen in den ­jeweiligen Schulen indirekt bis zu 1000.

„Das JKG macht auf jeden Fall mit“, sagt Kolmer-Kurtz. Um weitere Teilnehmer zu gewinnen, wird das Projekt auf allen Kanälen publik gemacht, damit sich weitere Schulen dafür bewerben können. Ab dem Frühsommer 2018, so der Wunsch der Beteiligten, soll das Projekt dann tatsächlich in den Schulen umgesetzt werden.

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