Interview mit Jan Hambach „Wir wollen nicht nur Plakate kleben“

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Mit 24 Jahren hat er schon einige politische Ämter: Jan Hambach. Foto: factum/Granville

Renningen - Seit zwei Jahren ist der Renninger Jan Hambach der Kreisvorsitzende der Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Dabei hat er ein mächtiges Tempo vorgelegt, was sich bei den Kommunalwahlen 2019 auszählen könnte.

Herr Hambach, die Jusos haben 60 junge Leute im Kreis gefunden, die nächstes Jahr bei den Kommunalwahlen antreten wollen. Wie haben Sie das geschafft?

Ja, da sind wir richtig stolz darauf. 60 Leute im Alter zwischen 18 und 35 bewerben sich gerade für die SPD-Liste in einer Kommune im Kreis Böblingen, im Kreistag und für das Regionalparlament. Das freut uns, weil das in Baden-Württemberg, wahrscheinlich auch deutschlandweit einmalig ist.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir sind deutlich aktiver geworden, als ich vor zweieinhalb Jahren Juso-Kreisvorsitzender geworden bin. Wir haben versucht, ein cooles Angebot für junge Leute zu machen und Veranstaltungen zu organisieren, die den Leuten wirklich was bringen. Dann waren wir auch vor Ort viel präsenter, wir sind in die kleineren Städte und Gemeinden gegangen im Kreis und haben die Jüngeren angesprochen. Und wir haben versucht, Themen zu besetzen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel den Nahverkehr. Für die Strecke der S 60 zwischen Renningen und Böblingen haben wir mehr Nachtbusse gefordert, haben Unterschriften gesammelt. Das hat was gebracht, das Regionalparlament hat hier mehr Busse beschlossen. Aber auch über den Bus zwischen Warmbronn und Vaihingen haben wir diskutiert.

Warum lohnt sich das Engagement in der Kommunalpolitik?

Das ist diejenige politische Ebene, wo man den direktesten Kontakt zu den Bürgern hat und viel bewegen kann. Ich würde sagen: ein engagierter Stadtrat kann mehr bewegen, als so mancher Landtagsabgeordneter.

Viele wissen gar nicht, was ein Gemeinderat überhaupt macht.

Ja, dabei hat man auf fast alle Lebensbereiche Einfluss. Der Gemeinderat bestimmt, wo sich Wohngebiete entwickeln, wie diese aussehen, wo Schulen entstehen, wie die Kindergärten aussehen, wie es mit den Straßen oder auch der personellen Besetzung der Verwaltung weitergeht.

Haben die Jusos ein eigenes Programm?

Das wird momentan erstellt. Das wichtigste Thema ist Wohnen, dann der Nahverkehr, und auch die Frage, wie wir Städte für junge Menschen attraktiv machen. Wir fordern zum Beispiel günstige Bustickets für die einzelnen Städte.

Wie kommt das Engagement bei den älteren Genossen an?

Als wir angefangen haben, haben sich erst mal alle gefreut. Aber wir sind natürlich nicht nur da, um Plakate zu kleben, Flyer zu verteilen und rote Würstchen zu drehen, sondern wir haben einen politischen Anspruch, wollen aktiv mitgestalten und wollen auch in die Gremien. Da muss sich vielleicht der ein oder andere noch daran gewöhnen.

Das heißt, Sie brauchen Überzeugungskraft, um auf die Listen zu kommen?

Das ist auch verständlich. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder junge Leute, die schnell wieder verschwunden sind. Da gibt es schon Enttäuschungen.

Wobei Studium und Beruf oder teils auch Auslandsstationen ja auch viel Mobilität verlangen. Passt da unsere kommunalpolitische Struktur noch dazu, für die man sich fünf Jahre binden muss?

Es braucht die Bindung, weil man nur so einen Überblick bekommt und das Allgemeinwohl vertreten kann. Ich glaube auch nicht, dass wir weniger politisches Engagement haben, als früher. Es braucht aber schon die nötige Flexibilität. Wenn jemand für ein halbes Jahr ins Ausland geht, sollte er deshalb nicht gleich sein Mandat niederlegen müssen.

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