Friolzheim Simon Mades, der Herr über 1200 Hektar

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„Der Wald erfüllt bei uns drei Funktionen: Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Das Forstrevier Tiefenbronn-Würmtal und damit auch der Gemeindewald von Friolzheim hat seit Februar einen neuen Leiter: Simon Mades ist jetzt für das rund 1200 Hektar große Revier zuständig. Der Förster, groß, sportlich, das dunkle Haar kurz geschnitten, lässt den Blick schweifen und sagt: „Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als draußen zu sein.“

Das ist schon so, seit er als 14-Jähriger ein Praktikum bei einem Förster gemacht hat. „Ich komme aus dem tiefsten Westerwald“ erzählt Mades, das waldgrüne T-Shirt mit dem Forstamts-Aufdruck fällt locker über die derbe Outdoorhose, die Füße in den schweren Arbeitsstiefeln stehen fest auf dem Boden. „Ich war immer in der Natur, immer draußen“, alleine oder mit dem Großvater, der ebenfalls im Wald gearbeitet hat. Das Praktikum war mühselig: „Ich habe auf einer Schonung Brombeerranken ausgerissen, eine Woche lang, damit die jungen Bäume genügend Licht und Nahrung bekamen“, erinnert sich der Revierleiter an die Anfänge, „das war hart.“ Doch der Funke hat gezündet. Nach der Schule absolvierte Mades eine Ausbildung zum Forstwirt, danach studierte er Forstwirtschaft. Nachdem er im Kreisforstamt die erforderlichen Personalentwicklungsmaßnahmen durchlaufen, dabei verschiedene Aufgaben ausgeübt und unter anderem eine Weiterbildung zum zertifizierten Waldpädagogen gemacht hat, ist er seit Februar diesen Jahres für das Revier Tiefenbronn-Würmtal verantwortlich und mit seinen 31 Jahren einer der jüngsten Förster im Kreis. Die Stellen sind dünn gesät, der Umzug vom Westerwald in den Enzkreis vor sechs Jahren eine Konsequenz.

Altbewährtes und neue Ideen

Mades nutzt die Erfahrungen der älteren Kollegen und bringt trotzdem frischen Wind in den Wald. „Man braucht gut ein Jahr, um ein neues Revier kennenzulernen“, weiß er, und dabei erkenne man auch die Handschrift und das Bestreben des zuständigen Försters. Der Wald wird nach einem Zehnjahresplan gepflegt, dessen Ausarbeitung und Umsetzung ihm obliegt. Er entscheidet, wo wie viel Holz entnommen wird, wo zum Schutz junger Bäume das Wild über einen festgelegten Zeitraum stärker bejagt werden soll und wo Bäume fallen müssen, um einer gesunden Anzahl Artgenossen genügend Raum für optimales Wachstum zu geben.

„Der Wald erfüllt bei uns drei Funktionen“, erklärt der Naturmensch Mades, „er ist Nutz-, Schutz-, und Erholungsraum in einem. Damit er diese elementaren Aufgaben erfüllen kann, muss der Wald durchgehend beobachtet, gepflegt und nachhaltig umsorgt werden.“

Dazu gehören, und das ist Mades wichtig, eine sachliche Ebene, auf der Entscheidungen getroffen werden, sowie Respekt voreinander und vor der Natur. Er erlebt immer wieder, dass Spaziergänger auf die Arbeit der Forstmänner und -frauen mit Unverständnis reagieren. Dann nimmt sich der gesprächsoffene Förster gerne Zeit und erklärt, warum manches getan werden muss, das auf den ersten Blick wie Raubbau an der Natur wirken mag.

Schützen und pflegen

„Es ist in Vergessenheit geraten, dass der Wald hier bei uns kein Naturwald ist, sondern eine Kulturlandschaft, die geschützt und gepflegt werden muss“, erklärt Mades, „würden wir den Wald sich selbst überlassen, ginge das ganz schnell zu Lasten der Artenvielfalt von Bäumen, Pflanzen, Insekten und Tieren.“ Dann gäbe es beispielsweise in den heimischen Wäldern fast nur noch Buchen, die hier optimale Bedingungen vorfinden, und alles andere verdrängen würden. Eine kleine Eichel hätte nur noch sehr geringe Chancen, zum mächtigen Eichenstamm heranzuwachsen.

Auch beim Thema Wolf findet der Förster, dass viel zu emotional diskutiert wird, anstatt dass auf sachlicher Ebene Lösungen gesucht werden. „Ich finde, der Wolf sollte behandelt werden wie alle andere Waldbewohner auch. Ist er selten, muss er geschützt werden. Nehmen die Bestände zu, müssen die Erfahrungen anderer Länder, in denen die Menschen schon immer mit Meister Isegrim leben, genutzt werden. Und dann muss geprüft werden, inwieweit sich diese Maßnahmen bei uns umsetzen lassen“, so der Förster. Mades ist selbst Jäger, er ist regelmäßig mit seinen beiden Hunden abends auf der Pirsch. Und seine Frau? „Ist selbst Försterin und begleitet mich. Nicht immer, aber ab und zu.“

Wenn Simon Mades morgens den Dienst antritt, weiß er nicht, was der Tag bringen wird. „Es kommt immer etwas Unvorhergesehenes, kein Tag ist wie der andere“, sagt er voller Freude. Auch das ist es, was dem naturverbundenen Förster an seinem Beruf so gefällt. Und warum er keinen anderen ausüben möchte.

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