Diskussion in Ditzingen Wie viele Hotels verträgt die Stadt?

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Das Bahnhofsareal wird derzeit grundlegend umgestaltet. Vorgesehen sind auch Übernachtungsmöglichkeiten – vor allem für Gäste örtlicher Unternehmen. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Es gab eine Zeit, dar war der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath zugleich Eigentümer eines Bahnhofskiosks, eines Spielcasinos im Gewerbegebiet und einer Autowaschanlage. Ganz zu schweigen, dass auch in dieser Zeit sein eigentlicher Job war, sowohl Verwaltungschef als auch Vorsitzender des Gemeinderats zu sein. Beides sind auch weiterhin seine vornehmlichen Aufgaben, alles andere war vorübergehend und nur Kraft seines Amtes. Die Stadt hatte die Flächen aufgekauft, um sie langfristig umzugestalten. Anders als zunächst in Betracht gezogen, soll auf dem Cleanpark-Gelände nun aber kein Hotel entstehen.

Ein solcher Beherbergungsbetrieb wird, wenn überhaupt, am Bahnhof gebaut. Die Pläne für ein Hotel nahe der Gleise waren zwischenzeitlich zurückgestellt worden. Die Fläche am Rand des Bahnhofsareals an der Gerlinger Straße schien dafür zu klein. Stattdessen wurden Büroräume vorgesehen. Doch nun prüfe der Projektentwickler wieder beides, teilt die Stadt mit.

Unternehmen sahen zuletzt Bedarf für ein Tagungshotel

In der Kernstadt gibt es bereits zwei Hotels. Ob und wie viele weitere Ditzingen verträgt, entscheiden im Zweifel die Investoren. Die Stadt geht derweil von einem aus. „Bisher teilten die großen Unternehmen mit, sie benötigten weitere Hotelkapazitäten, sodass ein dann drittes Hotel sinnvoll wäre“, teilt der Rathaussprecher Guido Braun mit. Dies werde derzeit erneut abgefragt. Gäste wären aber kaum Freizeittouristen. Die Stadt spricht deshalb von einem Business-Hotel mit Tagungsräumen.

Die Nutzung der Fläche im Gewerbegebiet, auf der sich der Cleanpark befindet, war im Gemeinderat zuletzt heftig diskutiert worden. Die Verwaltung schlug vor, dort weitere Plätze zur Flüchtlingsunterbringung zu schaffen. Dabei war das Gelände in der Vergangenheit für andere Zwecke vorgesehen. Die Stadt bestätigt, dass es eine entsprechende Anfrage für ein Hotel gegeben habe. Diese sei aber nicht weiterverfolgt worden, auch der Lage wegen: Das Gelände liegt direkt an der viel befahrenen Siemensstraße, dem Zubringer zur Autobahn 81. Ein- und Ausfahrt des Hotels wären ungünstig gelegen.

Weil im Moment also keine konkrete Verwendung für die Fläche vorgesehen ist, nahm der Gemeinderat sie bei der Suche nach Standorten für Flüchtlingsunterkünfte in den Fokus – wohl wissend, dass das Areal dann mittelfristig nicht mehr für andere Nutzungen zur Verfügung steht.

Die Stadt ist unter Druck

Die Stadt ist beim Schaffen von Flüchtlingsunterkünften unter Druck, weil geplante Gebäude vor allem in Hirschlanden und in der Kernstadt später fertig werden als vorgesehen. Das Landratsamt wiederum, das die Flüchtlinge zuweist, hat den Druck auf Kommunen verstärkt und angekündigt, die Flüchtlinge zuzuweisen – unabhängig davon, ob Raum zur Verfügung steht. Im Zweifelsfall müssten die Ditzinger also öffentliche Hallen dafür nutzen, was sowohl der Gemeinderat als auch die Verwaltung vermeiden wollen.

An der Siemensstraße, auf dem Gelände des Cleanparks im Gewerbegebiet, soll nun eine Unterkunft mit 50 Plätzen entstehen. Mit dem Kauf eines Gebäudes in Heimerdingen und der Anmietung von Gebäuden in Schöckingen und Hirschlanden hat die Stadtverwaltung ihr Soll praktisch erfüllt. Die Stadt hatte zwischen 2015 und 2017 insgesamt 237 Personen aufzunehmen, im kommenden Jahr sind es weitere 108.

Der Tourismus in der Region Stuttgart

Gäste
Gut 8,5 Millionen Übernachtungen werden im Schnitt pro Jahr in der Region verzeichnet. Hinzu kommen rund 100 Millionen Tagesausflüge innerhalb der Region. „Das ist eine überaus hohe Zahl“, sagt Armin Dellnitz, den Geschäftsführer der Regio Stuttgart Marketing Gesellschaft. Ähnlich starke Regionen gebe es wenige, etwa in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Hamburg zum Beispiel sei zwar auch sehr stark, aber regional deutlich schwächer.

Einheimische
„Alles, was man für Touristen macht, macht man auch für die einheimische Bevölkerung. Das hat etwas mit Wohnqualität zu tun“, sagt Dellnitz. Er spricht nicht von großen Freizeitanlagen, sondern davon, ob eine Kommune attraktiv sei für die Menschen in einem Umkreis von rund fünf Kilometern. Damit dies gelingt, müsse die Kommune pflegen, was sie zeigen möchte. Das nehme dann auch die einheimische Bevölkerung wahr. Die Basis einer guten Auslastung von Freizeit- und Kultureinrichtungen sei stets die Bevölkerung der Region, so Dellnitz.

Zahlen
Im Vergleich der Jahre 2015 und 2016 haben die Kreise Böblingen und Göppingen sowie Stuttgart ein Plus an Übernachtungszahlen erzielt. In Ludwigsburg gab es mit 984 300 Übernachtungen 2,9 Prozent weniger. Das ist zwar dritthöchster Stand seit dem Jahr 2004. 2015 waren es allerdings 1,01 Millionen.

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