Bürgermeisterwahl in Wimsheim Sie setzt auf Bürgerbeteiligung – bei allen Projekten

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Beate Lämmle-Koziollek wohnt seit 24 Jahren in Wimsheim. Foto: Andreas Gorr

Wimsheim - „Die Wimsheimer sind sehr sympathisch“, sagt Beate Lämmle-Koziollek. Durch ihren Einsatz für die Fairtrade-Initiative habe sie viele Leute kennengelernt und auch die Vereine im Ort. „Das war ein schönes Projekt.“ Und natürlich wirft sie bei ihrer Wahlkampftour von Haus zu Haus nicht nur ihren Wahlprospekt in die Briefkästen, wenn sie die Bewohner nicht antrifft, sondern auch einen Gruß mit fair gehandeltem Tee. Die 53-jährige Stuttgarterin, die seit 24 Jahren mit ihrer Familie, zu der zwei erwachsene Töchter gehören, in der Heckengäugemeinde wohnt, hat ihre Bewerbung um das Bürgermeisteramt nur ein paar ­Minuten vor Bewerbungsschluss abge­geben. „Ich habe ­geschaut, wer sich so bewirbt.“ Und erst als klar war, dass kein weiterer Kandidat dazukommt, hat sie rasch gehandelt.

„Der Streit in der Kommune stinkt mir“

Dabei beobachtet sie die Wimsheimer Kommunalpolitik schon lange, sagt sie. 2014 kandidierte sie für die Liste Wimsheim Miteinander für den Gemeinderat. Sie landete auf dem vierten Platz. Warum jetzt die Kandidatur als Bürgermeisterin? „Der Streit in der Kommune stinkt mir, wir müssen etwas verändern“, betont die studierte Haushaltsökonomin, die als Unternehmensberaterin im Stuttgarter Betrieb ihres Mannes arbeitet und dort den ­Bereich Unternehmens-Zu- und -Verkäufe verantwortet. Häufig werde sie im Ort auf die bereits erfolgte Ansiedlung der Goldscheideanstalt C. Hafner und auf die neue Ortsmitte kritisch angesprochen. Das Thema Hafner sei derzeit rechtlich abgeschlossen, doch man wisse nicht, was noch komme. Aber wenn etwas an der derzeitigen ­Situation verändert werden sollte, etwa ein neuer Bebauungsplan an dem derzeit ungeplanten Gebiet Breitloh-West II, sei eine Bürgerbeteiligung nötig. „Dann muss die Mehrheit entscheiden“, sagt die Kandidatin energisch. Da müsse ein basisdemokratischer Prozess her. Ihr sei wichtig, dass wieder Sachpolitik betrieben werde. „Ich sehe mich dem Gemeinwohl ganz arg verpflichtet“, betont sie und weist darauf hin, dass sie die einzige der vier Kandidaten sei, die in Wimsheim wohne. Auch als Bürgermeisterin dürften sie die Leute gern jederzeit ansprechen, selbst beim Einkaufen im Supermarkt.

„Ich kremple im Prinzip mein Leben für Wimsheim um“, sagt die Kandidatin, sollte sie in das Amt gewählt werden. Sie verweist auf ihre Menschenkenntnis und Erfahrung in Menschenführung. „Ich setze auch auf meine Tatkraft und trau mich dann auch schon was“, so beschreibt sie sich selbst.

Dörflicher Charakter soll erhalten bleiben

Wichtig ist Beate Lämmle-Koziollek, die schon lange an der Dualen Hochschule in Stuttgart Studenten im Fach Marketing unterrichtet, dass der dörfliche Charakter des Ortes erhalten bleibt. Deswegen gelte es, dass Wimsheim moderat wächst. Auch die Ansiedlung von Gewerbebetrieben müsse passend zu den schon bestehenden, ortsansässigen Firmen geschehen. Ihr Bestreben nach mehr Bürgerbeteiligung in der Kommune musste sie in ihrer Wahlveranstaltung am Freitag beharrlich verteidigen. Mit Blick auf das Dorf bis hin zum viel diskutierten Gewerbegebiet Breitloh-West II, wo die Schornsteine der Firma C. Hafner zu sehen sind, saß sie in der Hagenschießhalle einigen Befürwortern der Hafner­Ansiedlung gegenüber. „Sie reden permanent von Bürgernähe und Bürger­entscheid“, sagte Joachim Kurz von der ­Interessengemeinschaft für Wimsheim. „Bei welchen Projekten wollen Sie das denn konkret machen?“ wollte er wissen.

„Bei allen wichtigen Projekten, bei denen ich das Gefühl habe, dass die Bürger mitreden wollen“, antwortete die Kandidatin, beispielsweise auch bei der Erschließung von Neubaugebieten. „Ich weiß jetzt auch noch nicht, was in Zukunft ein Auf­regerthema sein wird“, fügt sie hinzu. In der anschließenden hitzigen Diskussion bekam der Begriff Wahlkampf eine ganz konkrete Bedeutung, sodass sich schließlich Rita Boller, Gemeinderätin der Liste Wimsheim Miteinander veranlasst sah, der Kandidatin Schützenhilfe zu leisten. Doch Beate Lämmle-Koziollek, die in ihrer Freizeit viel läuft und radelt, ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und bewahrte auch dann die Haltung, als sich die Kritiker verabschiedeten. „Ich freue mich, dass Sie hierher gekommen sind, vielleicht verstehen wir uns dann einfach besser“, sagte sie und reicht ihnen lächelnd die Hand.

Am Sonntag, 11. März, wählt Wimsheim seinen nächsten Bürgermeister oder seine nächste Bürgermeisterin. Zur Wahl stehen der Amtsinhaber Mario Weisbrich, Beate Lämmle-Koziollek, Pierre Heckmann und die Dauerkandidatin Fridi Miller.

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