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Boxen„Bei uns gibt es keinen Rassismus“

Nathalie Mainka, vom 14.11.2012 17:37 Uhr
Ernst Benkesser  (links)   hat  sich als 15-Jähriger für    den   Amateur-Boxsport     entschieden,    der noch immer seine     Leidenschaft ist. Foto: privat
Ernst Benkesser (links) hat sich als 15-Jähriger für den Amateur-Boxsport entschieden, der noch immer seine Leidenschaft ist.Foto: privat

Ditzingen - Ein bleibender Moment für Ernst Benkesser: Der Heimerdinger hat im Auftrag des Ministerpräsidenten die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg überreicht bekommen. Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath heftete im Rahmen einer kleinen Feier in der Aula der Grundschule die Auszeichnung ans Revers des 68-Jährigen, der sich seit über vier Jahrzehnten um die Belange des Amateur-Boxsports kümmert. „Menschen wie Ernst Benkesser geben dem Sport ein Gesicht, deshalb verdienen sie die Wertschätzung unseres Landes“, sagte Makurath. Weggefährten schätzten Benkessers friedliche, freundliche und menschliche Art im Umgang mit anderen.

Ernst Benkesser ist in Stuttgart aufgewachsen. In jungen Jahren spielte er Fußball. „Das war mir zu gefährlich, deshalb wechselte ich zum Boxen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und in der Tat – sein Karriereende als aktiver Boxer – bei insgesamt 92 Kämpfen musste er nur 17 Niederlagen einstecken – folgte nach einer Knieverletzung, die er sich während eines Fußballspiels mit seiner Stammtisch-Mannschaft zugezogen hatte. Angefangen mit dem Boxen hat Ernst Benkesser als 15-Jähriger. „Ich wollte einen Sport, bei dem ich selbst verantwortlich bin für mein Können oder Nichtkönnen.“ Er schloss sich dem ältesten württembergischen Boxverein, dem VfK Germania Stuttgart an.

Obwohl er 1976 nach Heimerdingen zog, blieb der VfK sein Verein. Dort war er zunächst Schriftführer, wurde 1988 zum Vorsitzenden gewählt, was er heute noch ist. Noch immer ist Benkesser als Trainer tätig. Zudem war er maßgeblich an dem Projekt „Boxen im Osten“ beteiligt, das in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Polizei mit dem Ziel der Gewaltprävention ins Leben gerufen wurde. „Da gab’s einige Rabauken“, erinnert sich Benkesser, der sich für die Jugendarbeit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stark macht. Aus diesem Projekt ist später der SV GoldBlau Stuttgart hervor gegangen.

Als in den 90er Jahren Profiboxerin Regina Halmich ins Rampenlicht rückte, organisierte Benkesser 1995 im Stuttgarter Osten die bundesweit erste reine Frauen-Boxveranstaltung. „Die sorgte für großes Interesse, sogar Fernseh- und Radioreporter berichteten vor Ort“, erinnert sich der Heimerdinger.

In seinem VfK sind momentan zehn bis fünfzehn Mädchen im Training. Sie halten sich mit Boxen fit, scheuen allerdings die Härte im Wettkampf und steigen daher nicht in den Ring. Im vergangenen Jahr hat Benkesser durchgesetzt, dass Mädchen und Frauen moslemischen Glaubens mit Kopftuch trainieren dürfen. „Wir sind ein multikultureller Verein, auch wenn wir VfK Germania Stuttgart heißen, bei uns gibt es keinen Rassismus“, betont der Vorsitzende, der großen Wert auf Disziplin legt. „Wer da nicht mitzieht, fliegt raus.“

Für den gelernten Versicherungskaufmann war die Arbeit im Verein nicht genug. Auch im Verband engagierte er sich. Er war Kassenprüfer beim Württembergischen Amateur-Box-Verband, Beisitzer im Vorstand und wurde 1999 zum Vizepräsidenten an der Seite von Max Lohmiller gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zum vergangenen Jahr. Er begrüßt den Zusammenschluss des badischen und des württembergischen Verbandes, wollte aber nicht mehr an vorderster Front stehen. „Jetzt sind die Jüngeren an der Reihe“, sagt er und ist froh, dass der Leonberger Jürgen Wiedemann als Präsident – auf dessen Initiative Benkesser jetzt geehrt wurde – und Hans-Jürgen Gund (Lahr) als Stellvertreter die Aufgaben übernommen haben.

Mit der Ehrung ist die Sammlung von Ernst Benkesser noch größer geworden. Er hat bereits die Goldenen Ehrennadeln des Württembergischen Amateur-Box-Verbandes (1988) und die des Deutschen Box-Sport-Verbandes (1990) sowie die Silberne Verdienstnadel des Deutschen Box-Sport-Verbandes (2011) erhalten. Sichtlich gerührt richtete er ein paar Worte an die Anwesenden – Familie, Freunde, Weggefährten – und dankte vor allem seiner Frau Rosemarie. „Ich wollte einige Male aufhören, doch sie hat mich immer ermuntert, weiterzumachen.“

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