Böblinger Theaterchefin a. D. Die Plattner kann’s nicht lassen

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Recht kurios geht es bisweilen in der WG zu. Foto: factum/Bach

Böblingen - Vor drei Jahren pilgerten Theaterfans und Kulturbeflissene aus der gesamten Region zum Hofgut Mauren in Ehningen im Kreis Böblingen. Ein Open-Air-Theater der Superlative inszenierte Hildegard Plattner zu ihrem Abschied nach drei Jahrzehnten, in denen sie die Theaterabteilung der Kunstschule geleitet hatte. 100 Mitwirkende standen auf der Naturbühne, der bekannte Fernsehautor Felix Huby hatte das Stück eigens für diese Truppe geschrieben. 50 Jahre Bundesrepublik beleuchtete Plattner mit den Schauspielern aller Altersgruppen am Beispiel einer Schrebergartensiedlung, die sie in Böblingen ansiedelte. Den Zeitgeist brachte ein ganzer Fuhrpark den Zuschauern näher: vom US-Militär-Jeep über einen original VW-Bus aus Hippie-Zeiten bis hin zum rosaroten Trabbi der Wendezeit.

Wenige Monate nach dem Freiluft-Theater-Spektakel, das Tausende Zuschauer in die ausverkauften Vorstellungen gelockt hatte, trat Plattner dann endgültig ab von der großen Theaterbühne. Doch nun ist sie zurück: „Theater ist mein Leben“, begründet die mittlerweile 68-Jährige ihr Comeback. Dabei ging die Initiative nicht von ihr aus, sondern von drei ihrer ehemaligen Schüler: Carina Rogala, Adrian Spiess und Max Bernauer. „Hi, wir wollen wieder spielen“, lautete deren Hilferuf an ihre ehemalige Theaterlehrerin, die von ihren Schauspielern nur „Hi“ gerufen wird.

Zwangspause für vier Operationen

Die drei mussten sich allerdings eine Weile gedulden. Denn Hildegard Plattner, die ihr letztes großes Open-Air-Projekt die meiste Zeit vom Rollstuhls aus gemanagt hatte, musste erst einmal unters Messer. Zwei Hüft-, eine Knie- und eine Fußoperation ließ sie über sich ergehen plus jeweils anschließender Reha. „Jetzt bin ich durchoperiert“, stellt sie nüchtern fest. Und so setzte sie sich mit ihren ehemaligen Schülern zusammen.

Am Anfang stand die Auswahl des Stücks. „Ich habe meterweise gelesen“, berichtet Plattner. Am Ende blieben fünf Stücke übrig, die sie den Schauspielern anbot. Diese entschieden sich für „Gonzo“, ein Stück des Regisseurs Kristo Sagor. Kein leichter Stoff: Es geht um die Irrungen und Wirrungen in einer Studenten-WG: Drogen, Sex und Zoff. Intellektuell anspruchsvoll ist es, sagt Plattner. „Wir haben anfangs nicht alles verstanden.“ Dies nun so zu spielen, dass es das Publikum begreift, das sei die große Herausforderung. Eine weitere Herausforderung für das kleine Ensemble war es auch, einen geeigneten Aufführungsort zu finden. Die gängigen Locations wie der Theaterkeller in Sindelfingen und das Böblinger Alte Amtsgericht waren zu den gewünschten Terminen im Herbst nicht frei. Nun hat die Gruppe eine vorübergehende Bleibe in der ungenutzten Kantine der Kreiszeitung gefunden. „Ideal“ sei es dort, findet Plattner. Mit wenigen Utensilien, die sie von einer Probenwoche aus Plattners Theaterscheune in Kärnten mitbrachten, hat die Truppe den gekachelten Raum in ein heimeliges WG-Wohnzimmer verwandelt. Ob das Che Guevara-Banner noch so aktuell ist, scheint zwar fraglich, jedoch sind die Regale und Einbauschränke als Teil der Kulisse praktisch.

Luxus für die Regisseurin

Wie ist es, nach einer Monumental-Produktion mit 100 Darstellern nun bei einem Drei-Personen-Stück Regie zu führen? „Das ist purer Luxus für mich “, sagt Plattner erfreut. „Früher musste ich die Stücke für meine Gruppen immer umschreiben, damit es für alle passt. Jetzt hat sich die Gruppe das passende Stück ausgesucht.“

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