20. April 1945 in Rutesheim Ein Mann mit weißer Fahne bringt den Frieden

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Beim Friedhof, auf dem viele Kriegsopfer beerdigt sind, sind die drei Parlamentäre den französischen Truppen entgegengetreten – eine Gedenktafel am Eingang würdigt das. Foto: factum/Granville

Rutesheim - Auf dem Rutesheimer Friedhof fällt auf, dass die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges hier zahlreiche Opfer gefordert haben: Kinder, Frauen, Männer – Zivilisten und Soldaten. Dass heute vor 72 Jahren nicht noch mehr Opfer zu beklagen waren, ist drei beherzten Männern zu verdanken, Friedrich Kärcher, Wilhelm Binder und Rudolf Hettich.

Unter Einsatz ihres Lebens haben sie erreicht, dass es in der Gemeinde beim Einmarsch der französischen Truppen am 20. April 1945 gegen 14.30 Uhr kein weiteres Blutvergießen gab und der Ort nicht zerstört wurde, wie etwa Heimsheim.

Friedrich Kärcher, der im Haus an der Gebersheimer Straße beim Friedhof wohnte, war hier mit einer weißen Fahne auf die anrückenden französischen Truppen zugegangen. Er und die beiden anderen nahmen mit den Franzosen Verhandlungen auf. Die Soldaten waren daraufhin, ohne einen Schuss abzugeben, ins Dorf eingezogen.

129 Frauen und Mädchen werden vergewaltigt

Die drei Männer hatten riskiert, direkt in die Kämpfe zu geraten. Denn vom Engelberg her versuchten deutsche Soldaten, die vorrückenden Franzosen mit Artillerie unter Beschuss zu nehmen. Doch ihre Granaten schlugen im Hof des Gasthauses „Zum Ochsen“ ein. Splitter verletzten mehrere Kinder zum Teil schwer. Die erst 20-jährige Anna Berner verlor an diesem letzten Tag des Krieges ihr Leben.

Für viele Frauen wurde der Einmarsch der französischen Truppen im Ort ein schreckliches Ereignis. Etwa 129 Frauen und Mädchen sind vergewaltigt worden.

Den drei Aufrechten hätte im Falle eines Rückzugs der Alliierten auch die standrechtliche Hinrichtung durch fanatische Nazi-Anhänger gedroht. Sie hatten sich nämlich dem Befehl von Adolf Hitler widersetzt, jeden Ort bis zum „letzten Tropfen Blut“ zu verteidigen.

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