Verkehr in Leonberg Kein Extra-Radweg vor Bosch-Neubau

Von Thomas K. Slotwinski
Am Obi-Kreisel ist es für Radler gefährlich. In einer neugestalteten Poststraße auch? Foto: Bach

Es bleibt dabei: Vor dem Bosch-Neubau in der Leonberger Poststraße wird es keine gesonderte Radwege-Verbindung geben. Mit dieser Erkenntnis endete der kommunalpolitische Showdown vor der Sommerpause, der noch einmal die Emotionen in den Fraktionen des Gemeinderates aufkochen ließ. Dabei war eigentlich schon längst alles klar.

Aber so klar dann doch nicht. Zwar hatte das oberste Leonberger Beschlussgremium bereits im Mai des vergangenen Jahres entschieden, dass am futuristischen Neubau des Bosch-Entwicklungszentrums für autonomes Fahren eine sogenannte Mischverkehrsstraße entstehen soll: Ein platzähnlicher Bereich, umrundet von Bäumen, auf dem Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichermaßen Platz haben.

Offenes Stadtquartier

Shared Space nennt sich so etwas neudeutsch. Die Stadträte konnten sich mit diesem „geteilten Raum“ damals gut anfreunden. Schließlich macht die Poststraße im jetzigen Zustand einen eher rustikalen Eindruck, der kaum zu dem offenen Quartier mit Campus-Charakter passt, das der Konzern an seiner neuen Weltzentrale für Assistenzsysteme realisieren will.

So weit, so gut. Hätte nicht das von der Stadt beauftragte Planungsbüro Faktorgrün den Kommunalpolitikern jetzt im städtischen Planungsausschuss die Details präsentiert, wie ein Shared Space in der Poststraße denn aussehen könnte, wenn im kommenden Jahr der terrassenförmige Neubau eingeweiht wird. Der Knackpunkt: Ein gesonderter Radweg ist da nicht vorgesehen.

Das wiederum hält Bernd Murschel für sehr gefährlich, zumal die Radfahrer ohnehin im benachbarten Obi-Kreisel „lebensgefährliche Situationen“ durchzustehen hätten. Die schweren Laster, die das angrenzende Industriegebiet ansteuern, täten ihr übriges. Der Grünen-Fraktionschef pochte im Planungsausschuss – jenem Fachgremium, das sich mit Bauthemen befasst – für eine Abstimmung, ob nicht doch ein extra Radweg ausgewiesen werden soll. Ein Ansinnen, mit dem sich auch Jörg Langer von den Freien Wählern anfreunden konnte. Doch so einfach ist das nicht. Der beruhigte Bereich ist mit dem Unternehmen abgestimmt und vom Gemeinderat abgesegnet, eben mit jenem Beschluss vom Mai 2021. Also hat die Stadt die Detailpläne den Stadträten lediglich „zur Kenntnis“ gegeben. Darüber könne man nun einmal nicht abstimmen, betonte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) jetzt im Gemeinderat.

Nicht mehrheitsfähig

Eine Auffassung, die Bernd Murschel nicht wirklich nachvollziehen kann, womit er aber nicht mehrheitsfähig ist. Denn viele andere sehen im Shared-Space-Bereich Vorteile für Radfahrer. „Der großzügige Bereich gibt ihnen mehr Sicherheit“, meint etwa Christa Weiß (SPD). Auch Willi Wendel (CDU) kann sich „nicht vorstellen“, dass es dort Probleme gibt. Dieter Maurmaier (FDP) hat schon immer keinen Hehl daraus gemacht, dass er die mit dem Unternehmen abgestimmte Platzplanung für richtig hält.

Selbst wenn es zu einer Abstimmung käme, so resümiert Axel Röckle von den Freien Wählern, „ist keine Mehrheit erkennbar, das anders zu machen“. Ein Extra-Radweg auf dem Shared Space scheint nun also endgültig vom Tisch und damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Neubau und eine neugestaltete Poststraße in einem Jahr gleichzeitig eröffnet werden können.

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