Notfallsanitäter beim DRK Der Job ist anspruchsvoll

Von Brunhilde Arnold
Anspruchsvoller Job: Stephan Abele leitet die DRK-Wachen in Leonberg und Malmsheim. Nadine Fröhlich die beiden Auszubildenden Celine Bentner und Tiziano Giordano (von links). Foto: Simon Granville/Simon Granville

Renningen - Wer schnelle Hilfe braucht, hat keine Zeit zu warten. Bei einem Unfall, Herzproblemen oder Schlaganfällen zählt jede Minute. Wenn unter der Notrufnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert wird, müssen mit den Rettungswagen auch qualifizierte Helfer kommen, die in hektischen Situationen Ruhe bewahren, große soziale Kompetenz haben und blitzschnell die richtigen Maßnahmen ergreifen können. Dazu braucht es neben den Notärzten geschultes Personal – die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter.

Die Rettungswache in Malmsheim ist nicht nur der Standort von Rettungswagen, Sanitätern und Notarzt, sondern seit ihrer baulichen Erweiterung vor gut einem Jahr auch ein Ausbildungsbetrieb, neben Leonberg und Sindelfingen eine von drei Lehrrettungswachen im Kreis Böblingen. Rund 40 Auszubildende, davon 20 in Leonberg und Malmsheim, lernen beim DRK-Kreisverband in drei Jahren den Beruf des Notfallsanitäters, den es so seit 2014 gibt und der mit einem Staatsexamen abschließt.

Wie viele Frauen arbeiten als Notfallsanitäterinnen?

„Das ist die umfassendste Ausbildung im nichtärztlichen Bereich der Notfallmedizin“, sagt Gerhard Fuchs, der Geschäftsführer der Rettungsdienst gGmbH des DRK-Kreisverbands Böblingen. Das Spannende an dem Beruf sei, so Fuchs, dass er das breite Spektrum der Notfallmedizin abdecke. Vorläufer des Notfallsanitäters ist der in einer zweijährigen Ausbildung geschulte Rettungsassistent, der sich noch bis 2025 zum Notfallsanitäter weiterbilden kann. „Wir sind damit im Landkreis Böblingen weit fortgeschritten“, erläutert Stephan Abele, der die Rettungswachen Leonberg und Malmsheim leitet.

War das Rettungswesen fast zu 100 Prozent eine Männerdomäne, so hat sich dies inzwischen grundlegend geändert. Aktuell liege der Anteil von Frauen bei 35 Prozent, Tendenz steigend, sagt Gerhard Fuchs. Tiziana Giordano und Celine Bentner sind zwei von ihnen. Die beiden haben sich nicht nur für eine Ausbildung beim DRK entschieden – sondern wurden auch angenommen. „Wir haben etwa 270 Bewerbungen auf unsere zwölf Ausbildungsstellen pro Jahr“, schildert Fuchs den Run auf diesen Beruf, der im Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb ausgeübt wird. „Wer Action sucht, ist hier falsch am Platz. Gefordert sind vielmehr Sozialkompetenz und Teamfähigkeit“, sagt Fuchs.

Wie lange dauert der Notfallsanitäter?

Die 26-jährige Tiziana Giordano, die schon früher einen dreimonatigen Lehrgang zur Rettungssanitäterin absolviert hatte, leistete nach dem Abitur zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Krankentransport des DRK ab. Jetzt ist sie am Ende des dritten Ausbildungsjahres zur Notfallsanitäterin und startet mit den Abschlussprüfungen. Auch Celine Bentner hat nach dem Abitur ein FSJ absolviert, auf der Rettungswache in Leonberg. „Ich wollte schauen, ob mir das Spaß macht“, sagt die 22-Jährige.

Jetzt beendet sie ihr erstes Lehrjahr. „Ich freue mich auf jeden Schritt, der in der Ausbildung weitergeht“, sagt sie. Betreut werden die beiden von Nadine Fröhlich, Notfallsanitäterin mit einer Zusatzausbildung zur Praxisanleiterin. Sie ist Ansprechpartnerin für neun Azubis in drei Lehrjahren.

Wie wird man Notfallsanitäter?

Die angehenden Notfallsanitäterinnen werden mehrgleisig auf den Beruf vorbereitet: in der Praxis auf der Rettungswache, in sämtlichen Abteilungen der Krankenhäuser und in den DRK-Landesschulen. Neben einem umfangreichen medizinischen Wissen wird großer Wert auf Kommunikation gelegt. Das sei sogar ein Prüfungsthema, erzählt Celine Bentner. Sie berichtet von einem Einsatz bei einem Autounfall mit einer zwar unverletzten, aber sehr aufgebrachten Frau. „Ich habe mich neben sie gesetzt und mit ihr geredet, das hat schon geholfen. Das machen wir oft. Das Reden mit den Menschen ist wichtig.“

Aber es gibt auch dramatischere Situationen. „Bei einem sehr fordernden Einsatz haben wir die Möglichkeit, nur von hinten zuzuschauen, wenn es mir zu viel ist“, sagt die Auszubildende. Schwierige Einsätze werden im Nachgang besprochen. Bei Bedarf gibt es professionelle psychologisch-soziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte. „Wir wollen niemanden wegen posttraumatischer Beschwerden verlieren“, betont Stephan Abele.

Rettungswagen fahren – eine echte Herausforderung

Wenn Celine Bentner ihr zweites Ausbildungsjahr zur Hälfte absolviert hat, kommt eine weitere Herausforderung auf sie zu: Das Fahren des Rettungswagens, der immer mit mindestens zwei Leuten besetzt ist. Tiziana Giordano erzählt von ihren Erfahrungen: „Am Anfang war es sehr aufregend. Man muss immer hundertprozentig konzentriert sein, sehr vorsichtig und vorausschauend fahren, damit nichts passiert. Doch mit der Zeit nimmt die Nervosität ab, man lernt die Straßen kennen und die Wege zu den Krankenhäusern.“

Für das Fahren mit Sonderrechten, Blaulicht und Martinshorn, gibt es ein Sicherheitstraining. Häufig sind die Azubis aber die dritte Person im Rettungswagen. Fahrer kann ein Rettungssanitäter, Rettungsassistent oder Notfallsanitäter sein, verantwortlicher Teamleiter ist immer ein Notfallsanitäter. „Als dritte Person bekommen die Azubis mehr von der Versorgung der Patienten mit“, erklärt Stephan Abele.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Gaffer und Besserwisser behindern die Helfer

Und da gibt es noch eine Sache, mit der die Nachwuchs-Sanitäter lernen müssen, umzugehen: Mit Behinderungen und Beschimpfungen beim Einsatz – ein Thema, das immer häufiger an die Öffentlichkeit dringt. „Die Leute schimpfen, dass es so lange gedauert habe, bis der Rettungswagen kommt, selbst wenn es nur drei Minuten waren“, schildert Tiziana. Oder sie haben keinerlei Verständnis, wenn sie von einem Rettungswagen im Einsatz zugeparkt oder behindert werden.

„Oft versuchen Angehörige, sich Zugang zum Rettungswagen zu verschaffen, während wir den Patienten versorgen“, berichtet Abele. Die angehenden Notfallsanitäter lernen Einsatztaktik, Selbstschutz und Sicherheit fürs Team. Die Aggressivität sei männlichen Kollegen gegenüber höher, so Abele. Wenn es gar nicht mehr gehe, rufe man die Polizei zu Hilfe.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen