Lokale Agenda Leonberg Stadt muss mehr fürs Klima tun

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Das Logo des Zwei-Jahres-Mottos zeigt es an: Leonberg soll klimafreundlicher werden. Foto: Lokale Agenda Leonberg

Leonberg - Überschrieben ist das Papier der Lokalen Agenda Leonberg mit „Anregungen an die Stadt Leonberg für mehr Klimaschutz“, passend zum Zwei-Jahres-Motto. Doch dahinter verbergen sich eine ganze Reihe an Formulierungen mit Forderungscharakter. Und die sind nicht ohne.

Ein Beispiel: 50 Prozent CO2 soll Leonberg bei städtischen Gebäuden einsparen – bis 2030 und im Vergleich zu 1990. Bislang hatte sich die Stadt selbst 30 Prozent CO2-Reduktion auf die Fahnen geschrieben – für einen Zeitraum von 1991 bis 2005. 1990 hat der Gemeinderat dieses Ziel formuliert, es folgten jährliche Energieberichte, die die Erfolge nachweisen sollten. „Sie waren durchaus beträchtlich, da zahlreiche Schulen und Gebäude energetisch saniert wurden“, sagt Rüdiger Beising, der Sprecher des Energiekreises der Lokalen Agenda.

Breite Beteiligung

Doch seitdem sind nun 15 Jahre vergangen und das Thema Klimaschutz ist noch dringlicher geworden. „Für einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz müsste dieses Einsparziel nochmals erhöht werden. Deswegen schlagen wir 50 Prozent vor“, erklärt Beising.

„Wir“ sind in dem Fall nicht nur die Mitglieder des Energiekreises oder der Lokalen Agenda. Seit Oktober gibt es den    monatlichen Klimaschutz-Treff im Bürgerzentrum Stadtmitte, zu dem alle Bürger eingeladen sind. Dort wurden die Anregungen an die Stadt formuliert, im Anschluss mögliche Veranstaltungen und Aktionen geplant.

Wie man Kohlendioxid, das als Klimagas den Treibhauseffekt verstärkt, reduzieren kann, ist in dem Papier aufgelistet. Wichtigster Punkt ist wohl, weitere städtische Gebäude energetisch zu sanieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Aktuell geschieht das an Schulen wie den beiden Gymnasien oder der Spitalschule. Energieeinsparungen von zehn bis 20 Prozent seien hier zu ­erwarten. Fortschritte seien dann alle zwei Jahre zu berichten.

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Heizung nachts runterdrehen, spart viel Geld

Eine wichtige Rolle kommt dabei auch dem so genannten Energiemanagement zu. Darum kümmert sich bereits ein Mitarbeiter des Gebäudemanagements, allerdings nur zu einem kleinen Prozentsatz seiner Stelle, bedauert Beising. „Deswegen haben wir eine Aufstockung dieses ­Bereichs angeregt.“ Denn allein dadurch, dass in den Schulen über Nacht und am Wochenende die Heizung nach unten reguliert wird oder die Temperatur in Sporthallen nach tatsächlicher Belegung eingestellt ist, könnten ebenfalls zwischen zehn und 20 Prozent Energie eingespart werden. „So wird das Energiesparen durch Abstellen oder wenigstens Runterfahren der Heizung am Wochenende noch immer nicht in den städtischen Gebäuden und Schulen konsequent durchgeführt“, kritisiert der Energiekreis-Sprecher.

Die Grünen-Fraktion hatte während der Haushaltsberatungen beantragt, die Stelle eines Klimaschutzmanagers zu schaffen. Diese wurde zwar abgelehnt, hatte aber eine Debatte über den Sinn von Klimaschutz- und Energiemanagement zur Folge.

Zahlreiche Maßnahmen auf lokaler Ebene

„Ein Klimaschutzmanager wäre natürlich auch gut, der vor allem das städtische Personal und die Bürger informiert, wie man mehr für den Klimaschutz tun kann“, meint Rüdiger Beising. Der Energiekreis biete aber schon seit vielen Jahren Beratungen, Vorträge und Führungen für die Bürger an.

Eine weitere Forderung in dem Klimaschutz-Papier könnte bereits bald Realität werden. Ein „beispielhaftes Quartier auf städtischem Gelände mit Niedrigstenergiestandard“ ist für den Streifen Neubauten entlang der Berliner Straße vorgesehen. Auch die Pflanzung von neuen Bäumen für 30 000 Euro jährlich hat der ­Gemeinderat beschlossen.

Zu den weiteren Anregungen gehören der Ausbau der Nahwärmeversorgung, der Ausbau erneuerbarer Energien in städtischen Gebäuden sowie Bezug von Ökostrom für diese, Photovoltaikanlagen auf allen geeigneten städtischen Dächern, mehr Elektrofahrzeuge im städtischen Fuhrpark, wo es bislang nur eines gibt. Auch der Ausbau des E-Ladenetzes (mit Ökostrom), mehr Grünanlagen und Erhalt von Bäumen und die rasche Umsetzung des Radverkehrsplans sind gefordert. Letzterer liegt seit Jahren auf Eis.

Bürger fordern und fördern

Auch ihre Einwohner solle die Stadt mehr unterstützen, in dem etwa Vorschriften für kleine Photovoltaikanlagen an Balkonen vereinfacht oder Niedrigst­energiehäuser gefördert werden.

Nicht nur die Stadt, auch die Bürger sollen in die Pflicht genommen werden, geht es nach dem Klimaschutztreff. So solle etwa im Rahmen von Bebauungsplänen festgelegt werden, dass auf geeigneten Dächern Photovoltaikanlage installiert werden müssen, außerdem E-Ladestationen in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern.

Termine:
Der Energiekreis trifft sich am Mittwoch, 15. Januar, 19 Uhr im Rathaus Leonberg. Der nächste Klimaschutztreff findet am Freitag, 17. Januar, von 17.30 bis 19 Uhr im Bürgerzentrum Stadtmitte statt. Am Freitag, 31. Januar, gibt es von 17.30 bis 19 Uhr an gleicher Stelle die nächste Energie-Sprechstunde.

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