Leonpalooza in Leonberg Das Festival hat das Zeug zum Dauerbrenner

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Julia Neigel rockt Leonpalooza. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Die Reaktion des Publikums ist eindeutig: Großer Beifall begleitet die Ankündigung von Nils Strassburg, dass es im kommenden Jahr eine Neuauflage von Leonpalooza geben wird. Das zweite Sommerfestival dieser Art ist in die Zeit vom 15. bis 25. Juli terminiert.

Der städtische Veranstaltungsmanager und geistige Vater des dreiwöchigen Kulturspektakels nutzt den letzten Abend, um Pflöcke für die Zukunft reinzuschlagen. Denn diese bemerkenswerte Reihe – kein Ergebnis monatelanger akribischer Vorplanung, sondern aus der Not heraus geboren – war einfach zu erfolgreich und vom Genremix zu breit aufgestellt, als dass sie nach nur einem Durchgang wieder in der Versenkung verschwinden soll.

Keine Konkurrenz zum Strohländle

Nein, Leonpalooza, das nichts mit den Palazzo-Events in München oder Stuttgart zu tun hat, sondern an ein amerikanisches Festival erinnert, hat das Zeug, zum sommerlichen Dauerbrenner zu werden. Und zwar nicht, um zu anderen Erfolgsformaten, etwa dem Strohländle, in Konkurrenz zu treten, sondern das Angebot in der Region Leonberg zu erweitern.

Bewusst hat Nils Strassburg die geplante Neuauflage im kommenden Jahr vor die Ferien gelegt, also vor Strohlände und auch das Wengerterfest. „Wir möchten für die Menschen den Sommer verlängern“, sagt der Veranstaltungsmanager, der erst im Februar bei der Stadt angefangen hatte und vom Lockdown kalt erwischt wurde. „Wir setzen andere Schwerpunkte.“

In der Tat hat das Festival auf dem Bürgerplatz vor der Stadthalle einen gänzlich anderen Charakter als die vierwöchige Sommersause auf dem Engelberg. Strohländle-Macher Johannes Leichtle lebt von der Masse. Sein Kulturprogramm ist kostenlos, die Erlöse kommen aus dem Verkauf von Essen und Getränken.

Fast wie daheim im Wohnzimmer

Bei Leonpalooza kosten die Karten um die 30 Euro, die Zuschauerzahl ist auf 200 begrenzt, die auf Zweiersofas aus Paletten sitzen. Ursprünglich eine Raumaufteilung, um die Corona-Abstandsregeln einzuhalten, hat sich dieser longue-artige Charakter als einer der Erfolgsfaktoren herausgestellt. Neben den Couches stehen Weinkisten, um Getränke und kleine Speisen abzustellen. Die Atmosphäre ist entspannt, fast wie daheim im Wohnzimmer.

Pluspunkt ist zudem die künstlerische Vielfalt des Programms: Nils Strassburg, der vor seinem Leonberger Engagement beim Stuttgarter Konzertveranstalter Russ gearbeitet hatte und selbst Musiker ist, hatte von Kabarett bis Comedy, von Rock bis Jazz ein buntes Angebot kreiert. Das Leonberger Kulturamt steuerte ebenfalls einige Programmpunkte bei.

Für (fast) jeden Geschmack was dabei

Ein richtiger Höhepunkt ist im Nachgang schwer auszumachen, eben wegen der breiten Palette. Julia Neigel begeisterte ein rockorientiertes Publikum, die „Hot Damn Horns“ zogen die Freunde von Soul und Funk in ihren Bann. Das trendige Duo „Glasenperlenspiel“ verzückte auffallend viele Frauen, die drei Musiker von „Fools Garden“ zeigten bei ihrer Nach-Corona-Heimpremiere, dass sie viel mehr drauf haben als ihren Hit „Lemon Tree“.

Intelligente Zwerchfell-Attacken kamen vonKohlhepp und Boettcher, Ingo Oschmann oder Lars Reichow, der belegte, dass der Humor in seiner Heimatstadt sich nicht auf die bekannte Fernseh-Fastnacht „Mainz bleibt Mainz“ beschränkt. Wer mehr auf Comedy steht, war bei Dodokay, den singenden Spaßmachern Füenf oder beim Comedy Clash richtig.

So bunt gestreut die Genres, so unterschiedlich das Auditorium, das eine Altersspanne von Mitte 20 bis Mitte 70 abgedeckt hat. Neben dem Kulturgenuss zeigten sich viele begeistert über den Veranstaltungsort Bürgerplatz. Der illegale Parkplatz erstrahlte in buntem Licht; dass die Römerstraße direkt daneben ist, war allenfalls an den ab und an vorbeifahrenden Feuerwehrautos zu merken.

Dieses Ambiente steckte auch die Künstler an. Viele ließen es sich nach der Show auf der Terrasse des Stadthallen-Restaurants Corfu-Palace gut gehen und nutzten die Nähe zu ihrem Publikum.

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