Stadthalle Leonberg „Elvis“ will das Kulturangebot auffrischen

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Neuer Schwung, nicht nur für die Stadthalle: Nils Straßburg. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Es sind die Zufälle im Leben, die oft wichtige Weichen stellen. Als der Elvis-Interpret Nils Straßburg vor knapp zwei Jahren in der Leonberger Stadthalle aufgetreten war, hatte er sich hernach beim OB über die bescheidenen Umstände in der Halle beschwert.

Doch Martin Georg Cohn drehte den Spieß einfach um und heuerte den Musiker und Eventmanager an. Seit Montag hat Nils Straßburg ein Büro in der Stadthalle bezogen, um für frischen Wind in der guten Stube zu sorgen.

Wobei der 44-Jährige betont, dass er kulturelles Leben in die ganze Stadt bringen will: „Die Stadthalle ist schon der zentrale Veranstaltungsort, aber das heißt nicht, dass auch an anderen Plätzen nicht etwas Gutes laufen kann.“

Wie das geht, weiß Nils Straßburg ganz genau. Besonders, weil er selbst professioneller Musiker ist. Was mit einer frühen Faszination für Elvis Presley begonnen hatte, ist längst zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell geworden.

Elvis ließ ihn nicht mehr los

„Als ich sechs Jahre alt war, lief im Fernsehen eine Schwarz-Weiß-Doku über Elvis. Das hatte mich nicht mehr losgelassen.“ Der achtjährige Nils gründete einen Elvis-Fanclub, zwei Jahre später stellte er ein Elvis-Magazin aus kopierten Seiten zusammen, das er für fünf Mark verkaufte. Zwischenzeitlich hatte er selbst in Bands mitgemacht. Nur an die Songs seines Idols traute er sich aus Respekt nicht heran.

Erst auf einer Geburtstagsparty platzte der Knoten: Im privaten Kreis gab Nils den Elvis, die Gäste waren begeistert. Immer öfter trat er nun in der Öffentlichkeit auf, bis er sich vor sieben Jahren eine spezielle Elvis-Band zusammenstellte. Mit den „Roll Agents“, einer reinen Profiformation, ist er seitdem erfolgreich unterwegs.

Sein weiteres Standbein, das Veranstaltungsgeschäft, praktizierte Nils Straßburg derweil bei der renommierten Stuttgarter Konzertdirektion Russ. Dort war er quasi Mädchen für alles – von der Künstlerbuchung bis zum Marketing. „Die Gestaltungsmöglichkeiten waren dort überschaubar. Ich wollte aber irgendwann vom Getriebenen zum Treiber werden“, sagt er heute. „Das fasziniert mich an der Aufgabe in Leonberg. Hier kann noch etwas entstehen.“

Angesichts eines Jahresverlustes von rund einer Million Euro in der Stadthalle will der neue Veranstaltungsmanager vor allem die roten Zahlen nach unten schrauben. Das geht in seinen Augen unter anderem mit einem Angebot, das neue Publikumsgruppen erschließt: „Warum nicht ein kleineres Festival auf dem Marktplatz oder im Reiterstadion?“, fragt er, wohl wissend, dass so mancher Anwohner davon nicht begeistert sein wird. Doch für Straßburg gilt die Devise: Zentrum bedeutet Leben. Wer Ruhe braucht, soll besser in kleinere Vororte ziehen.

Sanierung oder Neubau?

Nils Straßburg ist sich darüber im Klaren, dass das Defizit nicht nur durch mehr Publikum abgebaut werden kann. Ein wesentlicher Schlüssel zur Konsolidierung liegt für ihn in der Zukunft der Stadthalle, die er offen angehen will: „Man muss jetzt prüfen, ob eine Sanierung langfristig Sinn macht oder ob sich durch einen Neubau auch neue Möglichkeiten eröffnen.“

Wenn die von Oberbürgermeister Cohn zur Diskussion gestellte Variante mit einem Investor als Bauherren erfolgreich werden soll, so müsse die Stadt später als Hauptmieterin auftreten. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Restaurantpächtern müsse fortgesetzt werden.

Aber all diese Punkte will Straßburg, der mit seiner Familie in Höfingen lebt, analysieren. Genauso sei möglich, das bestehende Gebäude so zu sanieren, damit der Spielbetrieb die nächsten Jahrzehnte problemlos laufen kann. Dafür brauche es nicht immer Goldrandlösungen.

„Ich bin selbst Künstler“

So will der neue Hallenmanager zur Kostensenkung auch ganz praktisch beitragen: „Ich bin selbst Künstler und weiß, was nötig ist, damit man sich vor und nach einem Auftritt wohlfühlt“, sagt er mit Blick auf die abgenutzten Künstlergarderoben. „Notfalls fahre ich ins Geschäft, besorge dort die notwendigen Einrichtungsteile und baue sie eigenhändig ein.“

Es ist offensichtlich: Hier will einer zupacken. Langwierige Verwaltungswege sind nicht seine Sache. Straßburg geht davon aus, dass dies im Gemeinderat ähnlich gesehen wird: „Dafür bin ich gewählt worden.“ Der neue Veranstaltungsmanager weiß gleichwohl, dass er einen langen Atem braucht: „Bis die Zahlen besser werden, dauert es eine ganze Zeit. Auch das neue Programm trägt noch nicht meine Handschrift.“ Das aber wäre nach zwei Arbeitstagen auch etwas viel verlangt.

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