Leonberger Blickwinkel Die Wirklichkeit ist 15 Jahre alt

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Am Hirschbrunnen-Platz wird der Brückenschlag in Richtung Altstadt münden. Foto: Simon Granville

Leonberg - In Leonberg hat es lange Tradition, dass die meisten Vorhaben auch lange dauern. Das liegt nicht immer in der Sache begründet, sondern hat bisweilen mit der Neigung einiger kommunalpolitischer Akteure zu tun, immer wieder ein neues Haar in der Suppe zu finden. Ist dann beim betreffenden Projekt der Enthaarungsprozess abgeschlossen, sind zumeist mehrere Jahre ins Land gegangen.

Grundsätzlich anders verhält es sich bei einem, man darf es ruhig so nennen, städtebaulichen Jahrhundertvorhaben wie dem Postareal mit Brückenschlag. Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit, diskutiert man doch über eine massive Veränderung des Stadtbildes, die auf eine Verschönerung hinauslaufen sollte.

Betoncharme der Siebziger

Und dass der Bereich zwischen der Altstadt und Eltingen einer dringenden Aufhübschung bedarf, steht außer Frage. Denn nicht nur die Achse längs der ehemaligen Post ist eine städtebauliche Narbe, sondern auch die sogenannte neue Stadtmitte mit ihrem Betoncharme. Der stand in den Siebzigern vielleicht für urbanen Fortschritt, heute aber erinnert er eher an den Namensgeber des Platzes, den Berliner Problembezirk Neukölln.

„Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“: Dieses Zitat des SPD-Nachkriegsvorsitzenden Kurt Schumacher, das auch gerne der frühere CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel verwandt hat, dürften die meisten Leonberger Stadträte ebenfalls im Kopf gehabt haben, als sie sich vor rund 15 Jahren dran machten, Pläne für das Bausparkassen-Areal zu entwickeln.

Halbherzige Lösung

Doch an der Wirklichkeit von damals hat sich bis heute nicht viel geändert. Das Layer-Quartier ist allenfalls eine halbherzige städtebauliche Lösung. Und es ist nicht auszuschließen, dass das Zukunftsprojekt Postareal noch nicht einmal halbherzig gerät, weil es womöglich erst gar nicht kommt.

Das zumindest wäre der Fall, wenn es immer wieder neue Einwände gibt, die die im Grunde schon weit gediehenen Pläne abermals verzögern. Keine Frage: Mängel müssen auch dann benannt werden, wenn sie erst nachträglich festgestellt werden. Und die Anlieferungssituation, die Dieter Maurmaier moniert, scheint wirklich von der Anmutung her nicht ideal.

Es geht ums Gesamtwohl

In diesem konkreten Fall hat es offenbar im Anfangsstadium eine andere, womöglich städtebaulich bessere Lösung gegeben, die dann dem Druck von interessierter Seite zum Opfer gefallen ist. Ähnliches war beim Streit um die Bäume zu beobachten, die das Gesamtvorhaben empfindlich verzögert haben.

Umso wichtiger ist es daher, das Projekt noch vor der Sommerpause aufs Gleis zu setzen. Das hat nichts mit Kuschen vor dem Investor zu tun, der auf verschiedene Einzelbeiträge im Gemeinderat mit erstaunlicher Langmut reagiert. Es geht, einmal mehr, um das Gesamtwohl der Stadt und nicht um Einzelinteressen.

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