Leonberg Künstler wollen die Schuhfabrik aufwerten

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Bis vor 42 Jahren wurden im historischen Gebäude in der Steinstraße Schuhe produziert. Foto: Stadtarchiv Leonberg

Leonberg - Die in der alten Schuhfabrik angesiedelten Künstler gehen für den Erhalt ihrer Ateliers in die Offensive. Bei einem Termin mit Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) warben sie für den Erhalt und die Sanierung des Künstlerhauses und übergaben dem Rathauschef eine Unterschriftenliste.

Die Ausgangslage

Schon seit mehr als zwei Jahren wird in der Kommunalpolitik über das 120 Jahre alte Gebäude an der Mündung der Steinstraße in die Eltinger Straße diskutiert. Die Freien Wähler und die CDU sind der Meinung, dass sich diese zentrale Lage bestens für Wohnbau eignet und hatten sogar einen Abriss ins Gespräch gebracht.

Doch der Industriebau, in dem bis 1977 Schuhe produziert wurden, steht nicht leer. Zwei Ateliergemeinschaften, eine Galerie, die VHS-Kunstschule und ein Lager für derzeit nicht ausgestellte Kunstwerke sind dort untergebracht.

Doch das Gebäude ist in einem schlechten Zustand, eine Sanierung dringend erforderlich. Der Gemeinderat hat nun eine Prüfung veranlasst. Was ist günstiger: eine Sanierung, ein Teilabriss, bei dem einige Elemente des ursprünglichen Baus erhalten bleiben oder ein völliges Schleifen der alten Schuhfabrik?

Das Anliegen der Künstler

Die Künstler befürchten die radikale Lösung und hatten schon während der Langen Kunstnacht im April offensiv für den Erhalt getrommelt. Nun haben sie eine Resolution verfasst, die an den OB wie auch den Gemeinderat weitergeleitet wurde. Darin schlagen Karina Albrecht, Carina Straub und Chris Heinemann eine Aufwertung des Künstlerhauses vor, das einem breiteren Publikum geöffnet werden soll. Sie sprechen sich „für eine behutsame Sanierung aus, die sowohl Zeit und Geld spart als auch die Geschichte und den Charme des Hauses bewahrt.“

Die Resolution

Vor allem historische Gründe sprechen in den Augen der Künstler für den Erhalt der Schuhfabrik, die „als letztes noch stehendes Industriegebäude aus dem 19. Jahrhundert die Anfänge der Leonberger Industriegeschichte dokumentiert.“

Die Unterzeichner der Resolution stellen ihr Anliegen zudem in einen politischen Kontext: „Als Reaktion auf die im Verlauf eines Arbeitskampfs durch einen örtlichen Schuhfabrikanten verfügte dauerhafte Aussperrung dutzender Schuharbeiter sicherten sich diese 1896 mit der Gründung einer eigenen, genossenschaftlich organisierten Schuhfabrikation erfolgreich ihre Existenzgrundlage.“

Schließlich verweisen die Initiatoren darauf, dass die Schuhfabrik die Startbasis für etliche heimische Künstler gewesen ist. Beispielhaft nennen sie Hans Mendler, Andras Markos, Frederick Bunsen, Gerd Fabritius und Mathias Keller, die hier dank des letzten Besitzers Erich Hägele ihre ersten Ateliers bezogen hatten.

Auch wirtschaftliche und Image-Überlegungen werden als Argument ins Feld geführt: „Leonberg legt Wert auf eine öffentliche Wahrnehmung als weltoffene und der zeitgenössischen Kunst zugeneigte Stadt. Seit 14 Jahren ist sie Mitveranstalterin der Langen Kunstnacht, die regelmäßig einmal im Jahr Tausende von Besuchern aus der näheren und ferneren Region nach Leonberg zieht – mit positiven Auswirkungen auf das städtische Image und die Kundenfrequenz der Gastronomie- und Einzelhandelsbetriebe.“

So könnte es weitergehen

Karina Albrecht, Carina Straub und Chris Heinemann ist wohl bewusst, dass ein „Weiter so“ nicht ausreicht:. „Um das vorhandene Potenzial noch besser auszuschöpfen und für noch mehr Menschen nutzbar zu machen, soll das Künstlerhaus weiter geöffnet und mit zusätzlichen Begegnungsmöglichkeiten sowie Dienstleistungsfunktionen für alle interessierten Kunstschaffenden aus Leonberg und der Region ausgestattet werden.“

Daher sollte in einem „neutral moderierten und für alle Interessierten offenen Ideen-Workshop die Chancen einer erweiterten Zusammenarbeit im Künstlerhaus und mit bislang außenstehenden Kunstschaffenden ausgelotet werden.“ Die Stadt und der Gemeinderat sollten dafür die Überlegungen für den Abriss des Gebäudes „zu den Akten legen.“

Das Gutachten ist vorentscheidend

Ob dies so kommt, ist offen. Die Fraktionen des Gemeinderates und auch die Verwaltungsspitze wollen zunächst das Gutachten über eine Teilsanierung oder den Totalabriss der Schuhfabrik abwarten.

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