Lakuna in Leonberg Wenn die Kunst zum Politikum wird

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Wie es mit der alten Schuhfabrik in Leonberg weiter geht, ist noch offen. Foto: factum/Archiv

Leonberg - Das Künstlerhaus gehört zu Leonberg wie der Engelbergturm. „Was wäre die Lange Kunstnacht ohne Künstlerhaus? – Ärmer.“ „Über 120 Jahre alte Schuhfabrik – 40 Jahre Künstlerhaus – Soll man das wirklich abreißen? – Wir sagen Nein! Das Künstlerhaus hat Zukunft!“

Wer am Samstag während der Langen Kunstnacht das Künstlerhaus besucht, der kommt nicht vorbei an diesen drei Plakaten, von denen unzählige Kopien an Türen, Stellwände oder neben Werke hängen. „Wir sind durch die Diskussion in der Öffentlichkeit im Oktober aufgewacht, als die Stichworte Abriss der alten Schuhfabrik und Wohnungsbau fielen“, sagt Chris Heinemann, der seit 2003 sein Atelier hier hat.

Zukunft ist ungewiss

Vor einem Jahr hatten die Freien Wähler im Leonberger Gemeinderat das Gelände als Standort für den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau ins Gespräch gebracht. Im vergangenen Herbst war das Thema erneut diskutiert worden. Der Gemeinderat beschloss, dass Fachleute prüfen sollen, welche Lösung die beste ist. Also ob saniert wird und die Ateliers bleiben können. Ob die alte Schuhfabrik zu Wohnungen umgebaut werden kann. Oder ob das 120 Jahre alte Gebäude abgerissen und auf dem Gelände neue Wohnungen errichtet werden.

Auch wenn die alte Schuhfabrik, in der bis 1977 tatsächlich Schuhe hergestellt wurden, derzeit wenig ansehnlich aussieht: Sie ist der einzige noch verbliebene historische Industriebau der Stadt. Und auf alten Bildern sieht sie nicht so verwahrlost aus wie jetzt. Vier Institutionen sind derzeit dort untergebracht. Neben der Ateliergemeinschaft und der Galerie sind das die VHS-Kunstschule, die auch für andere Kurse der Volkshochschule genutzt wird sowie der Fundus der Stadt mit Kunstwerken, die derzeit nicht ausgestellt werden.

Künstlertradition bewahren

Für die Künstlergemeinschaft ist die Antwort klar: „Wir möchten die 40 Jahre währende Tradition bewahren und ein Konzept vorbereiten. Das Gebäude ist groß genug und hat Potenzial“, sagt Chris Heinemann, der sich aber der schwierigen Lage durchaus bewusst ist. „Das ist eine politische Frage“, sagt er.

Künstlerhaus, lokale Kunstszene und Lakuna, das gehöre alles zusammen, das sei zusammen gewachsen. „Ohne das Künstlerhaus würde es die Kunstnacht in dieser Form heute nicht geben“, meint Chris Heinemann. Auch über die Ateliergemeinschaft hinaus seien Freundschaften entstanden, man tausche sich aus. „Es ist eine richtige Künstlerkultur hier in Leonberg entstanden, ein Hotspot in der Szene der Region Stuttgart“, sagt er. „Jetzt haben wir das Forum der Lakuna genutzt, um den Menschen zu zeigen, welchen Schatz sie hier haben.“

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