Hospiz in Leonberg Mit Hartnäckigkeit und Herzblut

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Kristin Kuhl (in Rot) wird als Vorsitzendes des Hospizes verabschiedet. Dabei sind der Vereins-Vize Günther Wöhler, Hospiz-Gründerin Margarete Helmes, der neue Vorsitzende Dieter Burr, OB Martin Cohn, die Leiterin des stationären Hospizes Ute Kompatscher, Bürgermeister Ulrich Vonderheid sowie die Leiterin des ambulanten Hospizdienstes Daniela John (von links). Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Eigentlich stehe ich gar nicht gern im Mittelpunkt“, sagte Kristin Kuhl, bevor es losgeht. Doch am Donnerstagabend drehte sich alles um die 77-Jährige. Nach 14 Jahren hatte sie im vergangenen Jahr den Vorsitz des Leonberger Hospizvereins abgegeben, in dem sie sich bereits seit 1999 engagierte. Das wurde im Hotel Hirsch im Beisein von vielen Mitarbeitern und Unterstützern des Hospizes gewürdigt und gefeiert.

Vom Tabu zur festen Größen

„Sie waren über viele Jahre das Gesicht des Hospizes“, richtete ihr Nachfolger Dieter Burr lobende Worte an sie. „Die Arbeit, die Sie geleistet haben, ist herausragend. Sie haben ein Team aufgebaut, dass vorbildlich ist“, schwärmte auch Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Auch Landrat Roland Bernhard ließ den Charme sprühen. „Als wir uns das erste Mal über die Ausstattung des stationären Hospiz-Neubaus unterhalten haben und ich in diese Rehaugen sah, da wusste ich: Das wird teuer.“ Womit er für viele Lacher sorgte.

Auch wenn das Thema Sterbebegleitung und Hospizarbeit in den 1990er Jahren noch ein Tabuthema gewesen sei, so haben Kuhl und ihre Vorgängerin Margarete Helmes das Leonberger Hospiz zu einer festen Größe in der Stadt, im Landkreis und auch darüber hinaus gemacht. „Das wird mit Interesse verfolgt, was wir hier im Landkreis machen“, sagte Bernhard mit Blick auf das einzige Hospiz im Kreis Böblingen. „Ohne die öffentliche Hand wäre das gar nicht möglich gewesen“, unterbrach Kuhl den Landrat. „Sie wollen meine Hand ja gar nicht mehr loslassen“, scherzte dieser.

Hospiz-Neubau auf den Weg gebracht

Hartnäckigkeit und Herzblut, das zeichne Kristin Kuhl aus, betonten viele Redner. „Du hast deine Sache gut gemacht“, lobte auch Vorgängerin Helmes. Diese hatte 1994 den Hospizverein mitgegründet und lange dafür gekämpft, bis 1999 das erste stationäre Hospiz im Erdgeschoss eines für den Abbruch bestimmten Nebengebäudes des Samariterstifts eröffnet wurde. Als Kristin Kuhls Mutter 1997 starb, kam sie das erste Mal mit der Hospizarbeit in Berührung. 1999 absolvierte sie die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin. Später wurde sie Helmes’ Stellvertreterin, bis sie 2005 deren Posten übernahm.

In ihrer Zeit wurde der Neubau des stationären Hospizes geplant und schließlich 2012 eröffnet. Außerdem wurden unter Kuhls Ägide der ambulante Hospizdienst für Kinder und Jugendliche und die „Sunshine Kids“ ins Leben gerufen. Diese Gruppe kümmert sich um Kinder, die einen sterbenden oder verstorbenen Angehörigen haben. Auch die Trauerbegleitung wurde ausgebaut.

Aus der Stadt nicht mehr wegzudenken

Mittlerweile zählt das Hospiz 26 festangestellte Mitarbeiter, dazu unzählige ehrenamtliche Helfer im stationären wie ambulanten Bereich. Auch eine Stiftung gehört mittlerweile dazu. Immer wieder sammeln Schulen, Vereine oder Firmen Spenden fürs Hospiz. Denn die Krankenkassen bezahlen nur die reine Pflege der Menschen, die ihre letzten Tage in dem Gebäude in der Seestraße verbringen, das außen zwar grau ist, innen aber kunterbunt. Dass das Hospiz aus Leonberg nicht mehr wegzudenken ist, das ist das große Verdienst von Kristin Kuhl.

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