Hermann-Hesse-Bahn BAUS kürt Maier zu ihrem „Gründervater“

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Die Brücke über die Umgehungsstraße bei Weil der Stadt – hier ein Bild von Ende Dezember – ist ein Bestandteil der Arbeiten zur Hermann-Hesse-Bahn. Foto: Granville/Archiv

Renningen/Weil der Stadt - Eine besondere „Ehrung“ hat die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn (BAUS) dem früheren Landrat Bernhard Maier zukommen lassen und ihn als den eigentlichen Gründervater der Aktion Schwarzwaldbahn bezeichnet. „Die Bürgeraktion liebäugelt jetzt damit, Bernhard Maier zu ihrem Ehrenmitglied zu machen“, heißt es augenzwinkernd in einer Mitteilung der Initiative.

Der Hintergrund: Maier hatte in seiner Zeit als Böblinger Landrat eine Nebenbahn nach Calw immer befürwortet – allerdings bis Weil der Stadt und nicht bis nach Renningen, wie der ehemalige Landrat auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Die Bürgeraktion hatte in ihrer Pressemitteilung das Gegenteil behauptet.

Der Eisenbahn-Archäologe der Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn, Hans-Joachim Knupfer aus Leonberg, hat tief in seinem Archiv gegraben und „Erstaunliches herausgefunden“, schreibt Reinhard Hackl, Mitbegründer der BAUS: „Der ,Vater‘ der Hesse-Bahn-Idee wohnt in Renningen und heißt Bernhard Maier.“ In einem Interview von Maier mit den Stuttgarter Nachrichten vom 20. Oktober 2012 heiße es wörtlich: „Das S-Bahn-System hat Grenzen. Je weiter es hinausgeht, umso mehr Haltestellen gibt es, und umso unattraktiver wird es. Wenn man eine Stunde nach Stuttgart braucht, wird die S-Bahn nicht mehr angenommen.“

Knupfer ist überzeugt, dass mit dieser „bahnbrechenden Entdeckung“ die Bahngeschichte umgeschrieben werden muss: Der wirkliche Gründervater der Bürgeraktion sei demnach nicht er selbst und Reinhard Hackl, sondern Bernhard Maier aus Renningen. „Es bleibt allerdings ein Rätsel, warum Maier erst für eine Nebenbahn war, solange Calw eine S-Bahn-Verlängerung wollte, und später, als Calw auf die Nebenbahn umschwenkte, plötzlich die S-Bahn-Verlängerung favorisierte.“

Maier nimmt es mit Humor

Der „Würdenträger“ nimmt das Schreiben der BAUS mit Humor. „In der Tat nehme ich für mich in Anspruch, in meiner aktiven Zeit als Landrat zusammen mit meinem früheren Kollegen Köblitz aus Calw mit unseren Initiativen die ersten Schritte für eine Wiederbelebung der Schienenverbindung aus Calw als Nebenbahn unternommen zu haben“, heißt es in einer Antwort von Bernhard Maier. „Dies geht allerdings schon bis ins Jahr 2005 zurück. Der Eisenbahn-Archäologe Knupfer sollte also noch ein bisschen tiefer graben.“ Die Ehrung, ein Gründervater der Hesse-Bahn zu sein, will er nicht für sich in Anspruch nehmen, gibt er auf Anfrage unserer Zeitung an und muss schmunzeln. „Aber ich stehe absolut hinter der Idee, Calw an die Region Stuttgart anzuschließen.“

Allerdings: Die Bürgeraktion behauptet, Maier habe damals eine Verbindung von Calw bis nach Renningen befürwortet. Dagegen verwehrt sich der ehemalige Landrat. „Es war immer nur von einer Nebenbahn bis Weil der Stadt die Rede.“ Und zwar von einer Nebenbahn entsprechend der Schönbuchbahn beispielsweise, der Strohgäu- oder der Ammertalbahn, die dazu dienen, abgelegene Gebiete mit einem Knotenpunkt zu verbinden. Die Hesse-Bahn nach Renningen zu führen, sei wegen des eingleisigen Streckenabschnitts absolut nicht sinnvoll.

Eine Absage muss er außerdem dem Wunsch der BAUS erteilen, als es um seine Unterstützung der Idee eines Metropolexpresses geht. Maier habe die Begrenztheit der S-Bahn schon damals erkannt, schreibt Hackl. „Folgerichtig wäre auch im zweiten Schritt nicht eine Express-S-Bahn die Lösung, die nur bis nach Zuffenhausen oder Feuerbach fährt, sondern ein Metropolexpress, der durch den Tiefbahnhof weiter in Richtung Tübingen geführt wird.“

BAUS hält an Metropolexpress fest

Für einen Metropolexpress seien die Fahrgastzahlen einfach zu gering, sagt Maier. 12 000 Reisende seien es täglich allein bei der Schönbuchbahn, auf der Strecke von Calw würden gerade mal 2000 erwartet. Zudem passe die Idee der Expressbahn nicht in den Kompromiss, der in Sachen Hesse-Bahn 2020 geschlossen wurde. Dieser besagt: Die Hesse-Bahn darf in der Hauptverkehrszeit nur bis nach Weil der Stadt fahren, um den Takt der S-Bahn nicht zu stören. Nur in den Randzeiten ist eine Weiterfahrt bis Renningen möglich. Das ist die Vorstufe. In einer späteren Phase könnte die S-Bahn bis Calw verlängert werden, wenn die Voraussetzungen dafür stimmen. „Insofern wäre auch die Bürgerinitiative gut beraten, den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorzuziehen“, so Maier.

Dem hält die BAUS entgegen, dass für die Schönbuchbahn ursprünglich auch nur 2500 Fahrgäste prognostiziert wurden, für die Hesse-Bahn 2300. In der Tat passe die Idee eines Metropolexpresses nicht in die genannte Kompromisslösung. „Aber man darf ja immer einen schlechten Kompromiss durch eine bessere Idee ablösen.“ Dem Ansinnen hat das Verkehrsministerium in einer Mitteilung vor Kurzem allerdings erneut eine Absage erteilt.

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