Corona-Notbremse im Kreis Böblingen Der letzte halbwegs normale Einkaufstag

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Noch einmal kaufen ohne Vorbestellung: Im Leo-Center herrscht am Montag vergleichsweise reger Betrieb. Foto: /Simon Granville

Leonberg - Die Leser unserer Zeitung waren informiert, und auch sonst hatte es sich offenbar herumgesprochen: Die Sieben-Tage-Inzidenz hat an drei aufeinander folgenden Tagen im Kreis Böblingen die 100er-Marke überschritten. Schon am Sonntagabend zog das Landratsamt die viel zitierte Notbremse: Die Regeln werden verschärft, sie treten an diesem Dienstag in Kraft.

Für den Handel bedeutet dies, dass das sich gerade halbwegs eingependelte System „Click & Meet“, wonach Kunden im Vorfeld einen Termin vereinbaren oder am Eingang ihre Daten hinterlegen, bis auf Weiteres hinfällig ist.

Zwar dürfen die Geschäfte weiter offen haben, doch nun gilt ein Prozedere, das unter dem Schlagwort „Click & Collect“ bekannt ist: Waren müssen im Vorfeld telefonisch oder online bestellt und können dann im Laden abgeholt werden.

Auch hier gibt es klare Regeln: Einfach anrufen und im Lauf des Tages irgendwann im Geschäft vorbeischauen, ist nicht gestattet. Händler und Kunden müssen eine feste Uhrzeit zur Übergabe der bestellten Güter vereinbaren.

Lebensmittelmärkte weiter offen

Ganz schön umständlich, wobei vor Weihnachten das System noch komplizierter war: Während der besten Umsatzzeit des ganzen Jahres durften Waren noch nicht einmal abgeholt werden. Die Geschäftsleute hatten allenfalls die Möglichkeit, ihren Kunden die Bestellungen direkt nach Hause zu liefern.

Der Montag war also bis auf Weiteres der letzte Einkaufstag unter halbwegs normalen Umständen. Und die Kunden nutzten diese Chance: Im Leo-Center herrschte am Mittag und in den Nachmittagsstunden vergleichsweise reger Betrieb. In den Boutiquen und anderen kleineren Läden durften je nach Größe drei oder mehr Kunden herein. An einer Art Pult mussten sie ihre Daten hinterlegen.

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In den größeren Geschäften, etwa bei Karstadt oder Saturn, waren regelrechte Zollstationen eingerichtet. Hier mussten sich die Kunden anmelden. Karstadt hatte zudem einen Durchgang für Besucher, die schon im Vorfeld telefonisch oder per Mail ihren Besuch angekündigt hatten.

Vom heutigen Dienstag an wird es diese Art der Öffnung nicht mehr geben. „Wir haben die Verkaufsräume für den freien Zugang geschlossen“, sagte ein Saturn-Mitarbeiter. „Anrufe für Bestellungen und das Abholen sind aber möglich. Im Laden ist Personal.“

So halten es die meisten Geschäfte. Nur einige haben genug von dem Hin- und Her: Vor dem Fachgeschäft „Foto-Planet“ etwa informiert ein Aushang, dass der Laden vorerst geschlossen ist.

Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs

Nach wie vor ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, also Lebensmittelmärkte, Apotheken, Bäckereien, Metzgereien, Reinigungen und Blumengeschäfte. Auch Friseure dürfen weiterhin öffnen. Sogenannte „körpernahe Dienstleistungen“, zum Beispiel Massagepraxen, müssen allerdings schließen, außer es handelt sich um medizinisch dringend notwendige Behandlungen.

Bereits seit mehr als fünf Monaten schaut die Gastronomie in die Röhre. Restaurants, Cafés und andere Lokale dürfen Speisen und Getränke nur zum Außer-Haus-Verkauf anbieten. In den Hotels und Pensionen stehen die meisten Zimmer schon lange leer. Nur Gäste, die aus beruflichen Gründen übernachten müssen, sind gestattet. Die Situation im Hotel- und Gastgewerbe wird mit jedem geschlossenen Tag dramatischer.

Lockerungen ab Mai?

Lahmgelegt ist auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Die Nutzung von Sportanlagen für den Amateur- und Freizeitindividualsport, also auch Bäder und Saunen, ist untersagt. Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten bleiben für den Publikumsverkehr geschlossen. Der Betrieb von Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen ist nur noch im Rahmen des Onlineunterrichts zulässig.

Der Landrat, der noch unlängst mit seinem Ziel, den Landkreis zu einer Modellregion zu machen, für Aufsehen gesorgt hatte, glaubt nicht, dass es zu einem schnellen Stopp der Verschärfungen kommt. „Aktuell ist auch nicht die Zeit für den Ruf nach Modellprojekten für Öffnungsszenarien. Die Zeit dafür wird voraussichtlich erst Ende April/Anfang Mai kommen“, meint Roland Bernhard. „Wenn die dritte Welle gebrochen ist, braucht es jedoch klare Perspektiven für Lockerungen. Deshalb gilt es, heute schon Lockerungskonzepte zu entwickeln.“

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